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Millwall ringt Boreham Wood nieder - späte Erlösung im Pokaldrama

Es war ein zähes Stück Fußballarbeit, ein Geduldsspiel, das 59.000 Zuschauer im Londoner Stadion an diesem Pokalabend durchlitten. Am Ende aber jubelte der FC Millwall - zwei Tore in der Verlängerung ließen das Stadion beben und Trainer Sonny Crocket erleichtert durchatmen. 2:0 nach 120 kräftezehrenden Minuten gegen tapfere Gäste von Boreham Wood - das klingt klarer, als es tatsächlich war.

Von Beginn an war klar: Millwall wollte das Spiel kontrollieren, Boreham Wood wollte überleben. Die Hausherren schoben den Ball sicher durch die eigenen Reihen, fast 51 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse - und doch fehlte das Entscheidende: ein Treffer. "Ich dachte schon, wir müssten hier bis Mitternacht weiterspielen", grinste später Millwalls Mittelfeldmotor Riley Charpentier, der schließlich der Dosenöffner wurde.

Denn bis dahin war es eine Partie für Liebhaber der taktischen Disziplin - und für Menschen mit Geduld. In der ersten Halbzeit spielte Millwall gefällig, aber harmlos. Boyle, Darabont und Charpentier prüften den jungen Boreham-Keeper Henry Hensley mehrfach, doch der 19-Jährige parierte mit einer Ruhe, als stünde er im Park und halte Tauben fern. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich nicht zum Sightseeing hier bin", sagte Hensley hinterher mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Erschöpfung schwankte.

Boreham Wood, von Trainer Sven Schliffke mit einem ausgewogenen System geschickt eingestellt, lauerte auf Konter. Vitor Tiago kam in der 28. Minute einmal gefährlich durch, und auch Julien Bethune versuchte es nach dem Wechsel - doch Millwalls Torwart Cameron Huxley hatte einen dieser Abende, an denen er lieber einen Roman lesen würde, so selten wurde er geprüft.

In der zweiten Halbzeit wurde es druckvoller. Thackeray und Boyle wirbelten auf rechts, Darabont rackerte auf links, aber der Ball wollte nicht ins Tor. Sonny Crocket, Millwalls Coach, schritt unruhig an der Seitenlinie auf und ab, seine Lederjacke glänzte im Flutlicht. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr noch einen Querpass spielt, gehe ich selbst rein", erzählte er später augenzwinkernd.

Die reguläre Spielzeit endete 0:0, und ein kollektives Stöhnen ging durchs Stadion, als der Schiedsrichter die Verlängerung anpfiff. Doch dann kam die Erlösung - endlich, in der 107. Minute. Rechtsverteidiger Aaron Marshal startete über die Flanke, flankte scharf in den Rückraum, und Riley Charpentier drosch den Ball kompromisslos in die Maschen. Kein Abtasten mehr, kein Zögern - einfach Fußball pur. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte Charpentier später. "Vielleicht war das das Geheimnis."

Boreham Wood musste nun aufmachen, und das nutzte Millwall eiskalt. Nur acht Minuten später (115.) spielte Christopher Thackeray einen Traumpass quer durch den Strafraum, Tyler Boyle lauerte, nahm den Ball mit der Innenseite - und schob ihn eiskalt zum 2:0 ins Netz. "Ich hab’s ihm vorher gesagt: Wenn du wieder daneben schießt, läufst du zurück zum Training", scherzte Thackeray, während Boyle sich über das Tor freute wie ein Kind über den letzten Schokoriegel.

In den Schlussminuten wurde es ruppig. Aaron Marshal fing sich noch eine Gelbe Karte ein - wohl aus purer Erleichterung, dass das Spiel endlich entschieden war. Boreham Wood versuchte es noch einmal mit Verzweiflungsschüssen, aber das Wunder blieb aus. Auch Trainer Schliffke nahm es mit Galgenhumor: "Wir hatten unsere Momente. Leider hat keiner gezählt."

Statistisch war es ein Spiel auf Augenhöhe, zumindest auf dem Papier: 50,9 Prozent Ballbesitz für Millwall, 49,1 für Boreham Wood. Doch die Zahlen verschleiern, wer hier das Spiel machte - die Gastgeber, die trotz defensiver Grundordnung mehr Mut, mehr Zug zeigten. Die Gäste verteidigten tapfer, aber irgendwann war der Druck zu groß.

Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Crocket seinem Co-Trainer in die Arme, während die Fans endlich das taten, was sie 120 Minuten lang geübt hatten: laut jubeln. "Das war kein schönes Spiel - aber ein ehrliches", resümierte Crocket. Und man konnte ihm ansehen, dass er es genauso meinte.

Ein Pokalabend also, wie er im Buche steht: zäh, dramatisch, mit Happy End. Und irgendwo in den Katakomben des Stadions summte Riley Charpentier später leise vor sich hin - vielleicht eine Melodie des Triumphs, vielleicht einfach nur Erleichterung.

08.01.643994 07:07
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