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Ein lauer Januarabend, 43.500 Zuschauer im San-Sebastian-Stadion und ein Heimteam, das Lust auf Fußball hatte - aber leider nicht auf Tore. Der FC San Sebastian verlor am Donnerstagabend in der Europaliga-Gruppenrunde gegen den englischen FC Millwall mit 0:1 (0:1) und steht nach 90 Minuten voller Chancen, Ecken und Stirnrunzeln mit leeren Händen da. "Wenn Fußball ein Spiel der Gerechtigkeit wäre, hätten wir heute gewonnen", brummte Trainer Daniel Derksen nach dem Schlusspfiff. Sein Gegenüber, Sonny Crocket - ein Mann mit Sonnenbrille auch bei Nacht - grinste nur: "Wir wollten sie ärgern. Hat funktioniert." Das Spiel begann mit lautem Getöse von den Rängen - und vielversprechend aus Sicht der Gastgeber. Bereits in der zehnten Minute prüfte Paulo Quaresma Millwalls Torhüter Cameron Huxley mit einem satten Distanzschuss. Zwei Minuten später wieder Quaresma, dann Sebastian Schrader - San Sebastian schoss, Millwall blockte, und irgendwo dazwischen roch der Ball kurz an der Torlinie, entschied sich aber höflich, draußen zu bleiben. Dann, in Minute 33, die kalte Dusche: Millwalls Daniel Darabont, gerade mal 22 und mit der Frechheit eines Straßenkickers gesegnet, zog nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Bradley Crichton ab - 0:1. Derksen warf die Wasserflasche, der Stadionsprecher verstummte, und man hörte, wie in der VIP-Lounge jemand sein Olivenölglas abstellte. "Ich sah die Lücke und dachte: Warum nicht?", grinste Darabont später. "Ehrlich gesagt, ich wollte eigentlich flanken." So entstehen Legenden - und unglückliche Heimniederlagen. San Sebastian antwortete wütend, aber unpräzise. Bis zur Pause flogen die Bälle wie Schneebälle auf Millwalls Tor, doch keiner fand den Weg hinein. Der Ballbesitz? 48,7 zu 51,3 Prozent - also fast pari. Die Torschüsse? 15 zu 13 für San Sebastian. Die Statistik sprach von einem offenen Schlagabtausch, das Ergebnis tat es nicht. Nach dem Seitenwechsel blieb Derksens Team zunächst geduldig. Doch als in der 58. Minute Linksverteidiger Freddie Onnington Gelb sah, verwandelte sich Geduld in Drang. Derksen wechselte doppelt: Kisel kam, Chouraqui kam, später auch Assis. "Ich wollte frischen Wind reinbringen", erklärte der Trainer. "Bekommen habe ich eher Durchzug." Kisel hielt genau vier Minuten durch, ehe er verletzt raus musste - ein Abend, der symptomatisch war. Im Mittelfeld rackerte Vicente Navarro unermüdlich, Quaresma flankte, De Luca tanzte, und irgendwann schien der Ball beleidigt, dass man ihn ständig trat. Millwall dagegen tat, was englische Teams in Europa eben gern tun: tief stehen, Zeit von der Uhr nehmen und hin und wieder gefährlich kontern. Die Taktikblätter verrieten es: von Anfang bis Ende defensiv, kein Pressing, aber gnadenlose Disziplin. "Wir haben uns für die Schönheit des Betonierens entschieden", witzelte Crocket später. Die letzten zehn Minuten glichen einem Belagerungszustand. Sebastian Schrader scheiterte in der 91. Minute erneut am glänzend reagierenden Huxley, und als Schiedsrichter Velasco die Partie beendete, sank San Sebastians Kapitän Asier Pacos auf die Knie - nicht aus Erschöpfung, sondern aus Unglauben. "Manchmal trifft man eben alles: Latte, Pfosten, Torwart, nur nicht das Netz", murmelte De Luca, während er in die Kabine trottete. Millwall feierte den Sieg wie einen Pokalgewinn. Darabont tanzte mit den Fans, Clancy bekam für seine Gelbe Karte Szenenapplaus, und Trainer Crocket erklärte: "Wir waren heute defensiv stark, aggressiv - und ehrlich gesagt: ein bisschen glücklich." Im Grunde war es ein Spiel, das die Ironie des Fußballs perfekt zeigte: San Sebastian spielte, kombinierte, kämpfte - und verlor. Millwall verteidigte, rutschte, grätschte - und gewann. Zum Abschied rief ein Fan von der Tribüne: "Trainer, wir hätten ein Tor verdient!" Derksen drehte sich um und sagte trocken: "Verdient vielleicht, gemacht leider nicht." Ein Fazit, das man kaum sarkastischer hätte formulieren können. Und so bleibt nach 90 Minuten und einem Tor von Daniel Darabont ein Abend, an dem San Sebastian alles tat - bis auf das, was im Fußball zählt. Vielleicht hilft beim nächsten Mal weniger Wille und mehr Zielwasser. Bis dahin aber gilt: Millwall mauert, San Sebastian trauert. 29.06.643987 23:39 |
Sprücheklopfer
Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler