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Esbjerg - 42.067 Zuschauer im ausverkauften Blue Water Arena sahen ein Fußballspiel, das anfangs wie ein dänisches Wintermärchen begann und am Ende in einem britischen Thriller endete. Der FC Millwall entführte am Donnerstagabend in der Conference League mit einem 3:2 (1:2) einen Auswärtssieg beim Esbjerg FC - dank eines Last-Minute-Treffers von Daniel Darabont in der 92. Minute. Dabei hatte Esbjerg alles in der Hand. Trainer Elmar Kla hatte sein Team offensiv eingestellt, das zeigte sich schon in den ersten Minuten: Peter Poulsen prüfte Millwall-Keeper Ethan Caviness in der 4. Minute, und Bendt Sondergaard machte mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit die englische Abwehr früh nervös. Millwall hielt dagegen - nicht unbedingt mit Eleganz, aber mit typisch englischem Biss. "Wir spielen halt keinen Ballettfußball", grinste Coach Sonny Crocket nach dem Spiel, "bei uns fliegt eher der Ball als das Tutu." In der 38. Minute dann der erste Dämpfer für die Gastgeber: Christopher Thackeray traf nach feiner Vorarbeit von Robert Bancroft zum 0:1. Esbjergs Torwart Arvid Olsen streckte sich vergeblich. Doch die Antwort kam prompt - und doppelt. Zunächst war Peter Poulsen in der 43. Minute zur Stelle, als Karl Johannsen eine butterweiche Flanke in den Strafraum segelte. Nur eine Minute später drehte der 22-jährige Sondergaard die Partie mit einem satten Schuss ins lange Eck, vorbereitet von Knut Ludvigsen. Binnen 120 Sekunden wurde aus englischer Effizienz dänische Euphorie. "In der Kabine war’s wie auf dem Weihnachtsmarkt", erzählte Esbjergs Mittelfeldstratege Rasmus Frandsen lachend. "Glühwein gab’s zwar keinen, aber die Stimmung war heiß." Doch die zweite Halbzeit sollte ein anderes Gesicht zeigen. Millwall kam mit Wucht aus der Pause - und mit einem klaren Plan: aggressiver, direkter, zielstrebiger. In der 56. Minute glich Tyler Boyle nach erneutem Bancroft-Pass zum 2:2 aus. Die dreißig Millwall-Fans auf der Tribüne (und vermutlich doppelt so viele Ordner) jubelten, während Esbjergs Defensive für einen Moment erstarrte. "Da haben wir kurz gedacht, das läuft von allein", gab Trainer Kla später zu. "Aber Millwall läuft nie von allein - die rennen immer gegen dich." Esbjerg hatte mehr Ballbesitz (52,9 Prozent) und auch mehr Torschüsse (14 zu 11), doch Millwall zeigte, dass Zahlen keine Spiele gewinnen. Crocket brachte in der Schlussphase frische Kräfte: Davonport und Joseph Lockwood kamen, und die Engländer drückten mit vollem Einsatz. Ihre Aggressivität - im wahrsten Sinne des Wortes - brachte Esbjergs Aufbau ins Wanken. Zwei Gelbe Karten für Elliot Lockwood (15.) und Joel Satchmore (87.) illustrierten den rustikalen Stil. Als alle schon mit einem Unentschieden rechneten, schlug Millwall zu: In der Nachspielzeit setzte Thackeray auf rechts zu einem letzten Sprint an, flankte halbhoch in den Strafraum, und Darabont, der junge Linksaußen mit dem Mut eines Straßenfußballers, rutschte in den Ball - 3:2! Der Jubel war ohrenbetäubend, zumindest auf der Gästebank. Crocket schrie seine Freude heraus, während Elmar Kla nur still die Hände hinter dem Kopf verschränkte. "Das ist bitter. Man hat das Gefühl, du hast das Spiel im Griff, und dann kommt der englische Hammer in Minute 92", sagte Poulsen nach Abpfiff. Torhüter Olsen murmelte nur: "Ich hab den Ball noch gesehen - und dann war er weg." Statistisch betrachtet hätte Esbjerg den Sieg verdient gehabt. Doch Fußball ist kein Statistikseminar. Millwall nutzte seine Chancen gnadenlos, während Esbjergs Offensive trotz vieler Abschlüsse immer wieder an Caviness scheiterte. "Wir hatten vielleicht den schöneren Stil", sagte Ludvigsen, "aber sie hatten das letzte Lachen." Crocket sah das naturgemäß anders. "Das war englischer Charakter", brummte er mit heiserer Stimme. "Wir haben nie aufgehört zu glauben - und wir trinken den Tee eben erst nach dem Schlusspfiff." Esbjergs Fans verabschiedeten ihr Team dennoch mit Applaus. Der Auftritt war leidenschaftlich, nur das Ende grausam. Und während die Engländer jubelnd vom Platz gingen, blieb in Esbjerg der bittere Nachgeschmack eines Spiels, das man eigentlich schon gewonnen hatte - bis Daniel Darabont beschloss, die Geschichte umzuschreiben. Ein Spiel wie ein Roman: spannend, tragisch, mit englischem Humor und dänischem Pathos. Und ganz ehrlich - so liest sich Fußball doch am schönsten. 15.10.643990 16:42 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.