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London, 19. Januar 2026 - Es war eine dieser Nächte, in denen Millwall-Fans altern. 57.025 Zuschauer im ausverkauften "Den" hielten kollektiv den Atem an, als ihr Team in den letzten Minuten ein Spiel drehte, das schon fast verloren schien. Am Ende stand ein 2:1 gegen PVC Eindhoven - aber der Weg dorthin war ein wilder Ritt zwischen Verzweiflung, Wut und Jubelrausch. Eindhoven, von Trainer Markus Frey defensiv eingestellt und auf Konter lauernd, hatte lange alles im Griff. Schon in der 22. Minute nutzte Innenverteidiger Vidar Thomassen - ja, ein Innenverteidiger! - eine Ecke von Robert Ashton, um per wuchtigem Kopfball das 0:1 zu erzielen. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste Thomassen später. Sein Trainer kommentierte trocken: "Wir üben das seit Monaten. Meistens landet der Ball aber auf dem Parkplatz." Millwall, von Coach Sonny Crocket gewohnt offensiv ausgerichtet, suchte nach einer Antwort, fand aber zunächst nur Gelbe Karten. Rechtsverteidiger Bradley Crichton rauschte in der 28. Minute in Azmi Ramon hinein - und kassierte prompt die Verwarnung. Als derselbe Crichton in der 54. Minute erneut zu spät kam, zückte der Schiedsrichter Gelb-Rot. "Ich wollte nur zeigen, dass ich Humor habe", murmelte Crocket später sarkastisch. Mit einem Mann weniger und einem Tor Rückstand wirkte Millwall angeschlagen. Eindhoven hatte mehr Ballbesitz (55 Prozent) und schoss munter aufs Tor - 13 Versuche insgesamt, meist aus der Distanz. Giuseppe Romagnoli prüfte Keeper Cameron Huxley mehrfach, doch der hielt, was zu halten war. "Der Ball prallte mir einmal gegen die Stirn, das sah spektakulärer aus, als es war", gab der Torwart ehrlich zu. Der Wendepunkt kam spät - zu spät, dachten viele. In der 84. Minute startete Innenverteidiger Isaac Hartshorn einen seiner seltenen Ausflüge nach vorne, legte den Ball clever auf Riley Charpentier ab, und der zog aus 18 Metern trocken ab: 1:1. Ein Schuss, so präzise, dass selbst die Statistiker kurz vergaßen, ihre Stifte zu halten. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Charpentier später lachend. Doch Millwall hatte Blut geleckt. Vier Minuten später, in der 88. Minute, war es wieder Charpentier, der diesmal Tyler Boyle bediente. Der Rechtsaußen dribbelte sich durch zwei Verteidiger und schob den Ball mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass das Abendessen schon wartet, ins linke Eck - 2:1. Das Stadion explodierte. "Ich hab’ nur noch Rasen gesehen", sagte Boyle hinterher, "und dann war der Ball plötzlich drin." Eindhoven versuchte noch einmal, Druck aufzubauen, stellte auf "Pressing: BEHIND" um, wie es die Taktiktafel trocken ausdrücken würde. Doch gegen die nun wild kämpfenden "Lions" lief nichts mehr zusammen. Selbst als fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, schien Millwall plötzlich frischer. "Wir haben heute mit dem Herzen gewonnen", sagte Trainer Crocket, "und mit einer gehörigen Portion Verzweiflung." Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - 15 zu 13 Torschüsse, 50,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Millwall. Doch in den entscheidenden Momenten hatte das Team von der Themse einfach mehr Mut. Eindhoven dagegen wirkte nach der Verletzung von Rechtsverteidiger Harold Putnam (70.) und der anschließenden Umstellung fahrig. Frey ließ sich hinterher zu einem bitteren Fazit hinreißen: "Wir hatten das Spiel im Griff - bis die Engländer anfingen, Fußball zu spielen." In der Mixed Zone herrschte eine Mischung aus Erleichterung und Übermut. Ersatzmann Alfie Callahan, in der 85. Minute eingewechselt, behauptete grinsend: "Ich war der Glücksbringer. Ohne mich hätte es kein zweites Tor gegeben. Ich hab den Rasen vorher extra gestreichelt." Was bleibt: ein 2:1-Sieg, der Millwall in eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel bringt - aber auch einige Nerven gekostet hat. Eindhoven muss nun zu Hause gewinnen, am besten deutlich, um noch eine Chance auf die nächste Runde zu haben. Oder wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions formulierte, mit belegter Stimme und Bier in der Hand: "Das war kein Fußballspiel, das war eine Nahtoderfahrung mit Happy End." Und Sonny Crocket? Der lächelte nur und sagte: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn schon Drama, dann richtig. Und sie haben geliefert." (598 Wörter) 15.08.643987 06:22 |
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