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Millwall dreht das Derby - Bancroft-Brüder führen Blues vor

Es war ein Londoner Abend, wie ihn nur der Fußball schreiben kann: 51.776 Zuschauer im ausverkauften The Den, eisiger Wind vom Themseufer und zwei Teams, die sich nichts schenken wollten. Am Ende jubelte Millwall, und wie! Mit einem 3:1 (0:1) über die London Blues drehte die Mannschaft von Sonny Crocket das Derby nach einer zähen ersten Halbzeit in ein kleines Volksfest - und das dank einer furiosen Familienleistung aus dem Hause Bancroft.

Dabei hatte zunächst alles nach einem typischen Blues-Auswärtssieg ausgesehen. Die Gäste von Trainer Guido Träger begannen zäh, aber clever, ließen Millwall anlaufen und warteten auf ihre Konter. In der 39. Minute nutzte Ophir Arens einen dieser seltenen Ausflüge nach vorne eiskalt: Nach Pass von Teodor Michaelsen zog der rechte Flügelstürmer trocken ab - 0:1. In der Millwall-Kurve war es so still, dass man die enttäuschten Flüche der Imbissverkäufer noch bis zur Haupttribüne hörte.

"Ich hab’ mir gedacht: Wenn wir so weitermachen, schießen wir uns selbst ins Abseits", knurrte Millwall-Coach Crocket später. Seine Jungs hatten da bereits neun Torschüsse abgegeben, aber keinen Ball ins Netz gebracht. Benjamin Fryer vergab gleich drei gute Chancen, Alfie Callahan drosch einen Ball an die Latte und winkte danach entschuldigend in Richtung Teeküche ("Der war für dich, Mum!" soll er gerufen haben).

Doch kaum war die Pause vorbei, explodierte das Spiel. 46. Minute: Joseph Lockwood tankt sich über rechts durch, legt quer, und Robert Bancroft - der Ältere der Bancroft-Brüder - verwandelt eiskalt zum 1:1. Der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich wusste, dass Robert trifft, der hat schon beim Familienkick an Weihnachten nichts anderes im Kopf als Tore", witzelte sein Bruder John später.

Nur acht Minuten danach revanchierte sich der Jüngere. Nach einer Ecke von Riley Charpentier stieg Innenverteidiger John Bancroft am höchsten und köpfte zum 2:1 ein. Ein Innenverteidiger! Millwalls Fans sangen "Football’s staying in South London" - und diesmal klang es nicht nach Ironie.

Die Blues, bis dahin mit 44 Prozent Ballbesitz und nur drei Torschüssen, wirkten geschockt. Trägers Versuche, durch doppelte Einwechslungen (Balta für Aldonin, Miguel für Galindo) Schwung zu bringen, verpufften. "Wir wollten eigentlich mehr Druck machen", erklärte er hinterher mit einem gequälten Lächeln, "aber Millwall hat einfach jede zweite Kugel gefressen."

Tatsächlich zeigte die Statistik Millwall mit 21 Torschüssen, 55 Prozent Ballbesitz und 58 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Es war kein Schönspielerei-Abend, sondern ein körperliches Statement. "Wir haben sie aufgefressen und dann noch nach Dessert gefragt", grinste Crocket in der Pressekonferenz.

Die Entscheidung fiel in der 88. Minute, als Bradley Davonport nach feinem Zuspiel von Alfie Callahan aus 18 Metern abzog. Der Ball flatterte, Torhüter Franck Besserer segelte vergeblich - 3:1. Im Stadion herrschte kurzzeitig Euphorie, dann pure Erleichterung. Millwall hatte die Blues nicht nur besiegt, sondern regelrecht auseinandergenommen.

Auf der Tribüne schüttelte ein älterer Fan den Kopf und murmelte: "Ich hab schon viele Derbys gesehen, aber das heute war Millwall pur - erst Chaos, dann Kampf, dann Krach." Treffender lässt sich dieser Abend kaum zusammenfassen.

Crocket lobte nach Schlusspfiff besonders seine Innenverteidigung: "John hat hinten alles weggeräumt und vorne getroffen. Der Junge kann jetzt Weihnachten das Familienessen bezahlen." Robert Bancroft ergänzte schmunzelnd: "Ich hab ihm gesagt, wenn er ein Tor macht, darf er meinen Parkplatz übernehmen. Mist."

Und die Blues? Sie verließen das Feld mit hängenden Köpfen, während ihre Fans noch lange in den kalten Abend hinaus pfiffen. Guido Träger suchte in der Analyse nach Positivem: "Wir haben wenigstens das erste Tor geschossen. Immerhin." Sein Lächeln verriet, dass er wusste, wie dünn dieser Trost war.

So steht am Ende ein verdienter 3:1-Sieg für den FC Millwall, der nach einem Rückstand in bester Arbeitermanier zurückkam - mit Mut, Muskelkraft und einer Prise Familienbande. Die Bancrofts dürfen sich ab heute offiziell als Londoner Derbyhelden bezeichnen. Und wer weiß: Vielleicht gibt’s ja bald in Millwall einen neuen Pub namens "The Bancroft Brothers".

Denn eines ist sicher - nach diesem Abend wird in South London noch lange gefeiert. Und irgendwo in der Stadt schaut ein gewisser Guido Träger auf die Statistik und denkt sich: 21 zu 3 Torschüsse? Vielleicht hätten wir doch mal Pressing üben sollen.

30.09.643987 18:23
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