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57933 Zuschauer im altehrwürdigen The Den bekamen an diesem Europaliga-Abend ein Spiel zu sehen, das all das bot, was der neutrale Zuschauer liebt - und das der Fan des unterlegenen Teams hasst: Tempo, Emotionen, einen Platzverweis und späte Dramatik. Am Ende jubelte der FC Millwall über ein 2:1 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Eintracht Völlen - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es lange Zeit war. Millwall-Trainer Sonny Crocket hatte seine Elf wie gewohnt offensiv eingestellt: aggressiv, mit starkem Körpereinsatz und einem Ballbesitz von fast 59 Prozent. Von Beginn an rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Karsten Lange, dem Keeper der Eintracht. Schon in der vierten Minute prüfte Daniel Darabont den Torwart das erste Mal - und das sollte nicht die letzte Begegnung der beiden an diesem Abend sein. "Ich dachte irgendwann, der Junge hat sich auf mich eingeschossen", grinste Lange später gequält. Völlen dagegen stand tief, lauerte auf Konter und hoffte auf den schnellen Filip Jensen. Doch abgesehen von einem harmlosen Versuch in der 15. Minute blieb der Stürmer blass - zu gut hatte Millwalls Abwehrchef Isaac Hartshorn die Lage im Griff. In der 24. Minute fiel dann das längst überfällige 1:0: Riley Charpentier zog aus gut 20 Metern ab, der Ball flatterte leicht - und fand mit freundlicher Unterstützung des Torwarts den Weg ins Netz. Christopher Thackeray hatte den Angriff mit einem scharfen Pass eingeleitet. Trainer Crocket kommentierte trocken: "Genau so haben wir’s nicht trainiert - aber wenn’s drin ist, beschwere ich mich sicher nicht." Millwall blieb am Drücker, Darabont verzog mehrfach knapp, und kurz nach der Pause wurde er dann doch belohnt. In der 52. Minute kombinierten sich die Hausherren sehenswert durchs Zentrum, Charpentier steckte durch, Darabont zog mit links ab - 2:0. Das Stadion bebte, Crocket ballte die Faust, und selbst die Tauben auf dem Tribünendach flatterten auf. Eintracht-Trainer Dennis Hees reagierte mit einem Doppelwechsel in der 59. Minute - Granados kam für Pudil, Beck für Preston. "Wir wollten Stabilität reinbringen", erklärte Hees später und lächelte bitter: "Tja, das hat so semi geklappt." Denn Völlen fand weiterhin kaum statt. Millwall erspielte sich Chance um Chance, am Ende standen 16 Schüsse aufs Tor zu Buche. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn das Drehbuch nicht noch eine Wendung parat hätte. In der 88. Minute, als die Zuschauer längst über das Rückspiel philosophierten, rollte plötzlich ein Angriff der Gäste über die linke Seite: Zakhar Schitnik passte zu Lewis Preston - und der drosch den Ball trocken ins lange Eck. 2:1. Plötzlich war wieder Leben in der Bude. Was folgte, war eine hektische Schlussphase mit allem, was dazugehört: langen Bällen, Zeitspiel, und einer roten Karte für Völlens linken Verteidiger Sergio Domingos in der 89. Minute. Nach einem ruppigen Einsteigen gegen Boyle schickte ihn der Schiedsrichter ohne Zögern vom Platz. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte Domingos auf dem Weg in die Kabine - was angesichts des schmerzverzerrten Gesichts seines Gegners eher nach Wunschdenken klang. In der Nachspielzeit brachte Crocket seine Elf mit ruhigem Passspiel über die Zeit, auch wenn Keeper Ethan Caviness bei einem letzten Freistoß der Völlener noch einmal blitzschnell reagieren musste. Dann war Schluss - Millwall hatte den Sieg, Völlen immerhin ein Auswärtstor. "Das war kein Schönheitspreis, aber ein wichtiger Schritt", resümierte Crocket. Hees dagegen suchte die positiven Aspekte: "Wir leben noch. Jetzt wissen wir wenigstens, dass Millwall auch schwitzen kann." Statistisch untermauert war der Sieg verdient: 58,5 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse gegenüber nur 5 der Gäste, eine Zweikampfquote von über 55 Prozent. Millwall spielte erwachsen, Völlen dagegen zu brav, zu ängstlich - bis kurz vor Schluss. Im Rückspiel wird Eintracht Völlen allerdings auf den gesperrten Domingos verzichten müssen. Vielleicht gar kein Schaden, wenn man bedenkt, dass er in London mehr den Rasen als den Ball traf. Fazit: Millwall hat sich eine gute, aber keineswegs komfortable Ausgangslage verschafft. Ein 2:1 ist ein gefährliches Ergebnis - vor allem gegen ein Team, das spät aufwacht. Doch wenn Daniel Darabont und Riley Charpentier ihre Form konservieren, dürfte Trainer Crocket auch in Völlen einen Grund zum Lächeln finden. Oder, wie er mit einem Augenzwinkern meinte: "Ich trinke heute Abend auf Ballbesitz. 58 Prozent - das ist fast romantisch." 30.09.643987 14:00 |
Sprücheklopfer
Ich lerne nicht extra französisch für die Spieler, wo dieser Sprache nicht mächtig sind.
Mario Basler auf die Frage nach seiner Beziehung zu Youri Djorkaeff