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Wenn ein junger Mann namens Detlev Miller zwei Tore schießt, 4558 Zuschauer im Linxer Stadion in den milden Märzabend klatschen und der Trainer Michal Dickschat nach Abpfiff mit einem Grinsen sagt: "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt, heute brauchst du nicht schön spielen, nur treffen" - dann war das wohl ein ziemlich gelungener Fußballabend für den SV Linx. Mit 2:0 (1:0) gewann der Gastgeber am 6. Spieltag der Regionalliga A gegen den SV Drochtersen - und das völlig verdient. Linx hatte mehr Ballbesitz (52,8 Prozent), mehr Torschüsse (13:3) und eindeutig mehr Spaß am Spiel. Wenn man wollte, könnte man sagen: Drochtersen war anwesend, Linx war beteiligt. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass die Linxer Offensivreihe um Wolfgang Seitz und Detlev Miller ordentlich Betrieb machen würde. Seitz prüfte Gästetorhüter Giorgio Santarsiero in der vierten Minute gleich zweimal - der Keeper hielt, als ginge es um die Ehre seiner gesamten Familie. Doch in der 32. Minute war es dann soweit: Christian Stein schickte Miller mit einem butterweichen Pass auf die Reise, und der 20-Jährige traf trocken ins lange Eck. 1:0, Stadion explodiert, und Miller rannte jubelnd Richtung Eckfahne, als hätte er gerade das WM-Finale entschieden. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", gab Miller später lachend zu. "Ich hab einfach weitergelaufen. Und dann hab ich nur noch die Leute schreien gehört." Kurz danach folgte der erste Wermutstropfen: Innenverteidiger Bernt Prinz verletzte sich in der 38. Minute und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Karsten Gruber - und der machte seine Sache ordentlich. "Bernt hat sich wohl das Knie verdreht", erklärte Trainer Dickschat nach dem Spiel. "Aber er hat wenigstens dabei noch einen Zweikampf gewonnen." Die Gäste aus Drochtersen versuchten sich nach der Pause an einer Aufholjagd, die aber eher nach höflicher Anfrage als nach Angriff aussah. Der erfahrene Ezequiel Fontàs hatte in der 24. Minute die einzige echte Chance der ersten Hälfte, danach blieb es lange still vor dem Linxer Tor. Und wenn dann doch mal ein Ball durchkam, war Torwart Oscar Haase zur Stelle - mit der Gelassenheit eines Mannes, der gerade einen Sonntagsspaziergang macht. Mitte der zweiten Hälfte wurde es ruppiger: Linx’ Mark Fritsch sah in der 61. Minute Gelb, weil er nach einem verlorenen Zweikampf den Ball wegdrosch - "aus Versehen", wie er später mit einem unschuldigen Lächeln beteuerte. Später kassierten auch Drochtersens Jerome Longfellow (88.) und Janis Hafner (91.) Gelb - der Frust saß tief, der Ball dagegen selten. Dann die 82. Minute: Wieder Miller. Nach einem schnellen Flügelangriff legte Fritsch quer, Miller nahm Maß - und schob eiskalt zum 2:0 ein. Ein Tor, das in seiner Schlichtheit und Effizienz jedem Lehrbuch gefallen hätte. "Da war ich mir sicher, dass er den macht", sagte Fritsch hinterher mit einem Augenzwinkern. "Weil er vorher schon dreimal daneben gezielt hatte." In den letzten Minuten verwaltete Linx den Vorsprung souverän, während Drochtersen noch zwei harmlose Fernschüsse abgab - einer davon in der 92. Minute von Bernt Hinz, der immerhin den Fangzaun traf. "Wir wollten mutig auftreten", erklärte Drochtersens Trainer nach dem Spiel, "aber Mut allein reicht nicht, wenn der Ball ständig bei den anderen ist." Damit hatte er recht: Die Zweikampfquote sprach mit 56 zu 44 Prozent klar für Linx. So stand am Ende ein verdienter Heimsieg, der den SV Linx im Tabellenmittelfeld festigt - und einen jungen Stürmer in die Schlagzeilen bringt. Miller, 20 Jahre alt, zwei Tore, ein Lächeln, das Sponsoren glücklich machen dürfte. "Ich geh jetzt erstmal Nudeln essen", sagte er in der Mixed Zone und verschwand mit Kopfhörern in Richtung Kabine. Manchmal ist Fußball ganz einfach: einer trifft, die anderen schauen zu. Und in Linx nennt man diesen Einen jetzt schlicht "Detlev, die Rakete". Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn der SV Linx weiter so spielt, wird das Stadion bald zu klein - und Drochtersen sollte künftig vielleicht nicht nur "balanced" auftreten, sondern auch mal "gefährlich". 08.01.643994 10:01 |
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Mario Basler