A Bola
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Mihajlovic trifft spät - Boavista ringt Guimarães nieder

Es war einer dieser Abende in Porto, an denen man den Eindruck hatte, das Stadion selbst würde mitleiden. 31.025 Zuschauer im Estádio do Bessa Séc. XXI sahen ein Spiel, das lange aussah wie ein Nullnummern-Klassiker, ehe Stanko Mihajlovic in der 88. Minute den erlösenden Punch für Boavista Porto setzte - 1:0 gegen Vitória Guimarães. Ein spätes Tor, ein lauter Jubel, und ein Trainer Cuba Libre, der danach aussah, als hätte er gerade eine besonders intensive Samba hinter sich.

Die Partie begann mit einem Paukenschlag: Nach nicht einmal 60 Sekunden prüfte Jamie Carmody den gegnerischen Keeper Javi Izquierdo mit einem satten Schuss aus spitzem Winkel. Das war’s dann aber auch erstmal mit der Offensivlust. Boavista, von Trainer Libre im gewohnten defensiv-ausgewogenen Stil eingestellt, überließ den Ball gerne den Gästen - 46 Prozent Ballbesitz reichten den Panthern, um effektiv zu bleiben. Guimarães, von Matthias Ging betreut, versuchte es mit gepflegtem Aufbau, viel Ballkontrolle und wenig Überraschungseffekt.

"Wir wollten das Spiel kontrollieren, aber irgendwie hat uns jemand den Stecker gezogen", seufzte Ging später in der Pressekonferenz. "Und wenn du 53 Prozent Ballbesitz hast, aber keiner weiß, wohin mit dem Ball, dann ist das halt wie ein Taxi ohne Ziel."

Boavista dagegen blieb ihrem Stil treu: robust, aggressiv, unangenehm. Michel Silfredo, sonst eher für’s Grobe zuständig, ließ in der 7. Minute einen Distanzschuss los, der mehr Staub als Gefahr erzeugte. Joel Anderson versuchte es aus der zweiten Reihe (32., 45.), während Carmody vorne rackerte, als ginge es um seine nächste Vertragsverlängerung.

Guimarães kam gefährlicher aus der Kabine. Michel Aldecoa und Nelio Varela prüften Boavista-Keeper Felipe Ronaldo mehrfach, doch der 31-Jährige zeigte, warum er im Team so geschätzt wird - und warum er nach dem Spiel mit einem Grinsen meinte: "Ich hatte heute weniger Angst vor den Schüssen als vor unserem Trainer, wenn wir das noch hergeben."

Ab der 70. Minute wurde das Spiel offener. Trainer Libre brachte frische Beine: Humberto Cunha und Samuel Thuringer kamen, Marko Vrucina ersetzte den müden Anderson. Auf der Gegenseite versuchte Ging mit Thomas Thiele etwas Dynamik, doch die Offensivbemühungen der Gäste wirkten so zielstrebig wie ein Einkaufsbummel an einem Regentag.

Dann kam die 88. Minute. Ernesto Carracedo, der bis dahin unauffällige Linksaußen, setzte sich endlich einmal auf der linken Seite durch, flankte halbhoch in die Mitte, und Stanko Mihajlovic schaltete schneller als alle anderen. Direktabnahme, links unten, 1:0. Die Tribünen explodierten. "Ich hab nur gedacht: bitte nicht wieder Latte", lachte der Torschütze später. "Aber diesmal hat der Ball mit mir zusammengearbeitet."

Guimarães warf danach alles nach vorne - allerdings ohne Pressing, wie auch die Taktikdaten bestätigen. Trainer Ging blieb seinem Konzept treu, auch wenn es in diesem Moment etwas unzeitgemäß wirkte. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte er. "Leider war Boavista da schon ein bisschen lauter."

Statistisch war es ein ausgeglichenes Spiel: 14 Torschüsse bei Boavista, 11 bei Guimarães, Zweikampfquote leicht zugunsten der Hausherren. Doch in diesem Fall war die Statistik nur der blasse Schatten eines Spiels, das sich vor allem über Geduld und Nervenstärke definierte.

In der Nachspielzeit stand das Stadion noch immer Kopf. Trainer Libre, gefragt, ob er mit dem Ergebnis zufrieden sei, grinste breit: "Ich bin immer zufrieden, wenn wir gewinnen. Und wenn es in der 88. Minute passiert, dann schmeckt der Sieg doppelt - ein bisschen wie ein guter Rum nach harter Arbeit."

Man hätte es ihm gegönnt, noch eine Zigarre anzuzünden. Stattdessen klopfte er Mihajlovic auf die Schulter - der Held des Abends nickte bescheiden und sagte nur: "War ja auch mal Zeit."

So bleibt Boavista in der 1. Liga Portugal weiter auf Kurs, während Guimarães sich fragen muss, wie man mit so viel Ballbesitz so wenig anfangen kann. Vielleicht sollte Trainer Ging beim nächsten Mal das Taxi doch lieber mit Ziel buchen.

Und das Publikum? Ging zufrieden nach Hause. Schließlich weiß man in Porto: Ein spätes 1:0 ist wie ein guter Fado - ein bisschen traurig, aber wunderschön.

01.12.643990 03:00
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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