Athlitiki Icho
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Messiniakos ringt Odysseas Athen nieder - ein 1:0 wie aus Stein gemeißelt

20.000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion von Kalamata sahen am Samstagabend ein Spiel, das sich anfühlte, als hätte es der Fußballgott persönlich in Zeitlupe angelegt - nur um in der 26. Minute plötzlich die Pausentaste zu lösen. Messiniakos besiegte Odysseas Athen mit 1:0, und das dank eines einzigen, aber umso feineren Treffers von David Ledig.

Der rechte Flügelstürmer, sonst eher als Dauerläufer denn als Torjäger bekannt, traf nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Silvestre Gomes. Gomes hatte sich, offenbar von einem inneren Brasilianer geleitet, in die Offensive gewagt, flankte scharf nach innen - und Ledig drosch das Leder mit einem trockenen Halbvolley unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der 27-Jährige später. "Wenn ich jetzt sage, das war Absicht, glaubt’s mir eh keiner."

Bis dahin war das Spiel ein Abtasten zweier Mannschaften, die sich gegenseitig misstrauten wie zwei Katzen vor dem Futternapf. Odysseas Athen hatte zwar mehr Torschüsse (12:5), aber kaum Durchschlagskraft. "Wir haben Chancen für zwei Spiele gehabt, aber kein Glück für einen Punkt", seufzte Trainer Otto Rehakles, der nach dem Schlusspfiff mit verschränkten Armen und leicht genervtem Gesichtsausdruck auf die Statistiktafel blickte.

Messiniakos dagegen spielte mit minimalistischem Charme: 51 Prozent Ballbesitz, kaum Pressing, dafür eine disziplinierte Ordnung, die man fast schon stoisch nennen konnte. Ein Zuschauer rief nach einer Stunde: "Bewegt euch doch mal!" - worauf ein anderer trocken konterte: "Die warten auf den Bus!"

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein Spiel, das die Herzen der Taktikfreunde höher schlugen ließ, während alle anderen eher zur Kantine schielten. Odysseas drückte, brachte nach einer Stunde frische Kräfte - Ktesias Giannopoulos kam für den müden Cunningham, Vilhelm Abramson ersetzte den glücklosen Mesick. Doch egal, wer da kam: Messiniakos’ Abwehr, angeführt von Ognjen Stefanovic, stand wie ein antiker Marmorblock.

Torhüter Georgios Lagonikakis, 23, hatte zwar alle Hände voll zu tun, blieb aber fehlerlos. Besonders in der 85. Minute, als Samuel Greenwald aus kurzer Distanz abschloss. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass ich im Weg bin", gestand der Keeper lachend. Er war es - und wurde danach vom halben Stadion gefeiert.

Die Partie wurde ruppiger, Gelbe Karten regneten in der Schlussphase wie Oliven vom Baum: erst Gomes (66.), dann Gurendez (68.) für übermotivierte Grätschen, später noch Athener Routinier Christian Flo (88.), der offenbar vergessen hatte, dass er kein Rugbyspieler ist. Rehakles winkte ab: "Wenn du 34 bist und 0:1 hinten liegst, darfst du wenigstens einmal frustriert sein."

Messiniakos’ Trainer - der Name blieb an diesem Abend im Hintergrund, weil seine Mannschaft das Reden übernahm - ließ sein Team diszipliniert und unaufgeregt agieren. Kein übermäßiges Pressing, keine wilden Vorstöße - einfach kontrollierter, unspektakulärer Fußball. Und doch: Effektivität war Trumpf.

"Das war kein Leckerbissen", räumte Torschütze Ledig später ein, "aber manchmal ist ein 1:0 schöner als ein 5:3. Da weißt du wenigstens, dass du gearbeitet hast."

Odysseas Athen hingegen verließ das Feld mit hängenden Köpfen. Die Statistik sprach eigentlich für sie: mehr Schüsse, mehr gewonnene Zweikämpfe (knapp 55 Prozent Tacklingquote). Aber Fußball bleibt eben ein Spiel, das nicht auf Papier entschieden wird.

Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Heimfans, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. 1:0, drei Punkte, saubere Weste - und ein Held namens Ledig, der an diesem Abend alles andere als ledig von Verantwortung war.

"Ich hab den Jungs gesagt: Heute müsst ihr nicht schön spielen, nur klug", soll ein lächelnder Co-Trainer in der Kabine gesagt haben. Und irgendwo zwischen Schweißgeruch und Siegesbier nickte die Mannschaft - weil sie wusste, dass genau das passiert war.

Ein Spiel, das wohl niemand als Klassiker bezeichnen wird, aber eines dieser typischen 1:0, die in der Rückschau mehr über Charakter erzählen als über Klasse. Messiniakos beweist, dass auch in der griechischen Liga manchmal der Pragmatismus siegt - und dass Schönheit im Fußball eben nicht immer im Auge des Betrachters liegt, sondern manchmal schlicht auf der Anzeigetafel: 1:0.

03.05.643987 07:07
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