Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Matthieu schießt Gela zum 4:2-Triumph in Genua

Ein lauer Januarabend im Stadio Luigi Ferraris, 43.500 Zuschauer, Flutlicht, Focaccia-Geruch und das Gefühl, dass Doria Genua an diesem 22. Spieltag der Serie A dringend Punkte braucht. Doch schon nach 60 Sekunden war klar: Heute wird’s kompliziert. Julien Matthieu, der französische Wirbelwind im Trikot von Gela, hatte kaum den Ball gesehen, da lag er schon im Netz. 1:0 für die Gäste - und die Fans der Blucerchiati schauten sich irritiert an, als hätte jemand den Film vorgespult.

"Ich wollte eigentlich erst mal locker anlaufen", grinste Matthieu später. "Aber wenn der Ball so schön vor die Füße fällt, wäre es ja unhöflich, ihn nicht reinzuschießen."

Gela spielte von Beginn an frech, offensiv, mit einer Prise Aggressivität, die in der Taktikanalyse später als "stark" verbucht wurde - auf dem Platz sah es eher nach "wir-haben-heute-keine-Angst-vor-niemandem" aus. Doria hielt mit 54 Prozent Ballbesitz zwar den Ball, aber nicht den Gegner in Schach. Benjamin Keil und Nelio Barros mühten sich vorne, doch Gela stand kompakt, bissig, und Keeper Willem Veeder hatte einen dieser Tage, an denen er auch mit verbundenen Augen alles gehalten hätte.

Die erste Halbzeit endete 0:1, und Trainer Gurkennose Gurk wirkte auf der Bank wie ein Mann, der gerade feststellt, dass sein Navigationsgerät ihn in die falsche Stadt geschickt hat. "Wir hatten den Plan, über die Flügel zu kommen", knurrte er nach der Partie, "aber die Flügel waren heute eher Deko."

Nach der Pause kam Genua mit Wucht zurück. In der 60. Minute dribbelte Julio Semedo an der linken Außenlinie, sah Keil im Strafraum und flankte butterweich. Keil nahm den Ball direkt - Ausgleich! Das Stadion tobte, endlich Hoffnung, endlich Lärm. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", sagte Kapitän Antonio Salinas. "Tja, dumm nur, dass es in die andere Richtung kippte."

Denn was dann folgte, war das Matthieu-Festival. In der 72. Minute traf der Franzose nach Vorarbeit von Filipe Meira, sechs Minuten später wieder - diesmal ganz allein, als die Genua-Abwehr kollektiv den Pausentee vermisste. Und weil aller guten Dinge vier sind, setzte Matthieu in der 90. Minute noch einen drauf, sein viertes Tor, diesmal mit Assist des eingewechselten Samuel Perlman. Zwischenzeitlich hatte Nelio Barros in Minute 81 nochmal kurz Hoffnung geweckt - ein sehenswerter Abschluss nach Pass von Karol Kristofik - aber die rote Karte für Sergi Dominguez in der 89. Minute beendete jede Aufholphantasie.

"Ich hab nur den Ball gespielt!", rief Dominguez noch, während er den Platz verließ. Der Schiedsrichter sah das anders, die Fans auch. Trainer Gurk schüttelte später den Kopf: "Wenn das Foul kein Foul war, dann war meine Frisur heute modisch."

Statistisch gesehen war’s gar kein einseitiges Spiel: 12:11 Torschüsse, fast identische Zweikampfquote (50,5 zu 49,5), und sogar etwas mehr Ballbesitz für Doria. Aber Effizienz schlägt Ästhetik, und Gela war an diesem Abend eine Maschine.

Coach Michael Müller, gewohnt stoisch, lobte nach Abpfiff seinen Vierfach-Torschützen mit trockenem Humor: "Julien hat heute einfach getroffen, weil ich ihm vorher verboten habe, zu flanken."

In der Kabine soll Matthieu dann gesungen haben - nicht zitierfähig, aber laut genug, dass sich selbst die Pressevertreter ein Schmunzeln nicht verkneifen konnten.

Der verletzte Jerko Vucevic, der in der 65. Minute raus musste, humpelte nach Spielende mit einem breiten Grinsen aus der Kabine. "Wenn man 4:2 gewinnt, tut’s gleich weniger weh", meinte er.

Und Genua? Die Spieler schlichen vom Platz, als hätten sie ein Déjà-vu erlebt. Schon wieder ein Heimspiel, schon wieder ein früher Rückstand, schon wieder ein Franzose, der ihnen den Abend vermiest. "Wir werden uns nächste Woche besser verkaufen", versprach Benjamin Keil. Dann drehte er sich um und fügte leise hinzu: "Hoffentlich fängt das Spiel dann nicht wieder in der ersten Minute an."

Am Ende blieb den 43.500 Zuschauern immerhin die Erkenntnis, dass man in Genua auch dann gut unterhalten wird, wenn die eigene Mannschaft verliert. Und für Gela war es ein Abend, der in die Klubgeschichte eingehen dürfte - dank eines Mannes, der viermal traf und dabei so lässig wirkte, als wolle er nur kurz Baguette holen.

Oder wie Trainer Müller es zusammenfasste: "Manchmal ist Fußball ganz einfach. Gib Julien den Ball - und geh schon mal jubeln."

30.09.643987 18:33
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
Rainer Calmund zur großen Bedeutung der Partie zwischen Hertha und Leverkusen in der Saison 2000/2001
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager