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Es war ein Abend, an dem man sich fragte, ob die "Reds" aus Liverpool versehentlich am falschen Bahnhof ausgestiegen waren. 53.854 Zuschauer im Margate-Stadion sahen eine Heimelf, die ihrem berühmteren Namensvetter aus der Großstadt mit 5:2 den Marsch blies - und das mit einer Mischung aus Spielfreude, Frechheit und taktischer Disziplin, die man bei den Margate Reds so nicht alle Tage sieht. Schon nach neun Minuten zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz der Gäste. Kai Marley, der rechte Wirbelwind, schob nach einer butterweichen Vorlage von Spielmacher Jose Andrade überlegt ein. "Ich hab den Ball einfach so gut bekommen, da hätte selbst meine Oma getroffen", grinste Marley später. Liverpool reagierte kurz darauf mit Wut im Bauch: Giulio Lorusso, der bullige Mittelstürmer, traf nach Vorarbeit von Innenverteidiger Ashton Young (man fragte sich kurz, ob das Absicht oder Verzweiflung war) zum 1:1. Für einen Moment schien das Spiel auf Augenhöhe. Doch Margate hatte an diesem Abend schlicht mehr Ideen, mehr Biss und - man muss es sagen - mehr Spaß. Andrade zog im Mittelfeld die Fäden, als hätte er unsichtbare Joysticks in den Händen, und in der 33. Minute fand er wieder Marley, der eiskalt vollstreckte. Nur sechs Minuten später legte Zivojin Basta noch einen drauf, nach feinem Zuspiel von Didier Marceau. 3:1 zur Pause, und man hatte das Gefühl, dass Liverpool froh war, als der Pausenpfiff endlich kam. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn wir so weiterspielen, bekommen wir zweistellig", gestand Liverpools Trainer Kurt Kaiser später mit einem müden Lächeln. Seine Mannschaft kam zwar mit frischem Mut aus der Kabine, kassierte aber direkt den nächsten Tiefschlag: In der 48. Minute erhöhte Armandos Ardizoglou zum 4:1 - erneut nach einem Pass von, na klar, Andrade. Die Margate-Offensive wirbelte, als gäbe es kein Morgen, und die Gästeabwehr stand da wie ein Kartenhaus im Sturm. Zwar gelang Alessandro Marcedusa im direkten Gegenzug das 4:2 - wiederum bedient von Lorusso -, doch das war nur ein Strohfeuer. Margates Pressing, eigentlich laut Statistik nur "bei knappen Rückständen" vorgesehen, funktionierte an diesem Abend auch im Überfluss. Die Gastgeber gewannen 54 Prozent der Zweikämpfe, hatten fast 58 Prozent Ballbesitz und feuerten doppelt so viele Torschüsse ab wie Liverpool. In der 71. Minute machte Marley mit seinem dritten Treffer den Deckel drauf. Nach Vorarbeit von Marceau drosch er den Ball humorlos in die Ecke - und drehte jubelnd ab. "Ich wusste, dass es mein Tag ist", sagte er später, noch immer mit Grasflecken im Gesicht. "Ata hat gesagt, ich soll einfach machen. Und wenn der Trainer das sagt, dann mach ich eben." Ata Lameck, Margates Coach, grinste nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überrascht: "Wir haben gewusst, dass wir sie über die Flügel knacken können. Kai war heute wie ein junger Wirbelsturm - wenn auch mit besserer Frisur." Liverpool hatte Pech, als Linksverteidiger Callum Hawn in der 63. Minute verletzt raus musste. Ersatzmann Pedro Meireles mühte sich redlich, konnte aber das Chaos hinten nicht mehr sortieren. Young rief mehrmals wütend "Rausrücken!", doch seine Kollegen schienen eher mit dem Gedanken beim nächsten Mannschaftsabend zu sein. Am Ende stand ein 5:2, das auch in dieser Höhe verdient war. Margate zeigte Offensivfußball mit Wucht und Witz. Andrade, der mit drei Torvorlagen glänzte, wurde von den Fans gefeiert, als wäre er der Bürgermeister. "Ich spiele einfach, was ich sehe", sagte er trocken, "und heute hab ich eben viel gesehen." Liverpool, das mit offensiver Grundordnung gestartet war, ließ alles vermissen, was man mit "offensiv" verbindet - außer vielleicht die Löcher in der eigenen Defensive. Trainer Kaiser fasste es mit Galgenhumor zusammen: "Wir wollten das Spiel machen. Leider hat Margate nicht mitgespielt." Die Zuschauer verließen das Stadion mit breitem Grinsen, viele summten auf den Rängen alte Vereinslieder, und einer rief: "So spielt man an der Küste!" Vielleicht war es nur ein Abend, vielleicht ein Statement. Aber wenn Margate weiterhin so auftritt - aggressiv, spielfreudig, mit drei Treffern von Marley und drei Assists von Andrade -, dann wird man in England bald nicht mehr nur über Liverpool sprechen, wenn jemand "die Reds" sagt. Und Trainer Lameck? Der packte nach dem Spiel seine Taktiktafel ein, zwinkerte und meinte: "Ich sag’s euch - das war erst der Anfang." 12.10.643987 08:05 |
Sprücheklopfer
Schiri, pfeif ab. I mog nimmer.
Paul Breitner nach 30 Minuten in einem Europacupspiel beim Stand von 3:0 gegen die Bayern: