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59.000 Zuschauer im Margate-Stadion sahen an diesem kühlen Februarabend eine der bittereren Lektionen des europäischen Fußballs: Wer seine Chancen nicht nutzt, darf sich am Ende über Statistik-Trostpreise freuen. Die Margate Reds führten nach 45 Minuten verdient mit 1:0, verloren am Ende aber 1:2 gegen eiskalte Gäste von Crvena Zvezda Belgrad - ein Resultat, das Trainer Ata Lameck mit einem tiefen Seufzer kommentierte: "Wir haben gespielt wie Künstler und abgeschlossen wie Schreiner." Dabei begann alles nach Plan für die Engländer. Schon in den ersten Minuten drängten sie nach vorn, Lionel Postiga prüfte Belgrads Keeper Alberto Santos mehrfach - in der 2., 14. und 17. Minute rauschte der Ball nur knapp am Pfosten vorbei. Das Publikum sang sich warm, und die Reds kombinierten mit jener Leidenschaft, die man sonst eher bei Pub-Diskussionen über den VAR erwartet. In der 24. Minute platzte der Knoten: Zivojin Basta, der quirlig über links marschierte, bediente Robert Amyot auf der rechten Seite. Amyot nahm Maß und wuchtete den Ball aus 18 Metern ins lange Eck - 1:0! Der Jubel war ohrenbetäubend, Amyot rannte zu Trainer Lameck, der ihn lachend umarmte. "Ich habe ihm gesagt, er soll einfach mal schießen. Er hat mich wohl ausnahmsweise verstanden", grinste der Coach später. Bis zur Pause blieb Margate klar tonangebend: 17 Torschüsse am Ende des Spiels sprechen Bände, und allein in Halbzeit eins hätten es drei Treffer sein können. Doch immer wieder stand Santos im Weg, der mit stoischer Ruhe alles fischte, was rot war und flog. Kurz vor der Halbzeit dann ein Schockmoment: Innenverteidiger Danijel Turina musste verletzt runter, Atilay Demirel kam - und mit ihm schien ein Stück Ordnung zu fehlen. Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, kam Belgrad wie verwandelt aus der Kabine. 46. Minute: Anders Hansen, bis dahin unauffällig, zog nach Zuspiel von Herman Abramson trocken ab - 1:1. Die Heimmannschaft stand noch gedanklich beim Pausentee, als der Ausgleich einschlug. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen wach sein. Offenbar war der Tee zu stark", knurrte Lameck später. Belgrad schaltete nun einen Gang hoch, spielte kontrollierter, lauerte auf Fehler. Margate hingegen verlor etwas von der Leichtigkeit der ersten Halbzeit. Kapitän Noah Eliot versuchte, das Spiel zu ordnen, doch die Serben standen kompakt, aggressiv - und warteten nur auf den richtigen Moment. Der kam in der 69. Minute: Nach einer Ecke stieg Innenverteidiger Dusko Anicic höher als alle anderen und nickte präzise ein. Ari Nieminen hatte die Flanke serviert, als hätte er sie mit dem Lineal gezeichnet. 1:2, und plötzlich war das Stadion still. Trainer Don Dirigente von Crvena Zvezda grinste nach dem Abpfiff verschmitzt: "Wir haben das gemacht, was man in England als ’smash and grab’ bezeichnet. Einbrechen, mitnehmen, verschwinden." Seine Mannschaft hatte nur acht Schüsse aufs Tor - zwei davon drin. Effizienz in Reinform. Margate versuchte alles, brachte Harrison McGeady und später Felipe Espriu, doch der Ball wollte nicht mehr ins Netz. Postiga scheiterte in der 84. Minute freistehend, McGeady drosch in der 87. Minute übers Dach. "Wenn das Tor ein Scheunentor gewesen wäre, hätten wir trotzdem das Dach getroffen", fluchte Amyot nach Spielende, während er sich den Schweiß aus dem Gesicht wischte. Die Schlussphase wurde hitziger: Zivojin Basta sah Gelb nach einem grenzwertigen Einsteigen (74.), und auf der anderen Seite holte sich Belgrads junger Verteidiger Ermin Jarakovic in der Nachspielzeit ebenfalls den obligatorischen Eintrag ins Notizbuch. Bei beiden war der Frust spürbar - der eine über die verpasste Führung, der andere über das späte Zittern. In den letzten Minuten warfen die Reds alles nach vorn, sogar Keeper Hannigan rückte bei einem Eckstoß mit auf. Doch Belgrad verteidigte mit serbischer Sturheit, Santos pflückte die Flanken herunter wie Äpfel im Herbst. Als Schiedsrichter Velasquez abpfiff, sanken mehrere Margate-Spieler auf den Rasen. "Das ist Champions League", sagte Lameck mit bitterem Lächeln. "Du kannst 70 Minuten besser sein und trotzdem verlieren." Dirigente antwortete trocken: "Und genau deshalb liebe ich sie." So stand am Ende ein 1:2, das in die Kategorie "Lehrgeld" fällt. Margate hatte mehr Ballaktionen, mehr Torschüsse, mehr Leidenschaft - und weniger Tore. Crvena Zvezda hingegen zeigte, dass man mit kaltem Kopf und präziser Effizienz in Europa sehr weit kommen kann. Vielleicht tröstet die Reds der Gedanke, dass auch schöne Niederlagen Geschichten schreiben. Und diese wird man in Margate wohl noch oft erzählen - zwischen Pintglas und Pessimismus. 15.10.643990 16:08 |
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