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Es war ein Abend, an dem die 56.349 Zuschauer im Margate-Stadion alles geboten bekamen, was der Fußball hergibt - fast alles jedenfalls. Tore in letzter Sekunde? Fehlanzeige. Dafür Leidenschaft, Drama, eine Prise Chaos und ein Ergebnis, das keinem so richtig schmeckte: Die Margate Reds und die Manchester Devils trennten sich am 22. Spieltag der 1. Liga England 1:1 (1:0). Trainer Ata Lameck hatte seine Reds offensiv ausgerichtet - und das war auch von Beginn an zu sehen. Schon in den ersten Minuten schickte Owen Beaulieu Manchester mit einem Sprint über links in die Realität zurück. "Ich wollte einfach zeigen, dass wir keine Angst vor großen Namen haben", grinste der 23-Jährige nach dem Spiel. Sein Schuss in der 6. Minute zwang Devils-Keeper José Enrique Benito zu einer Glanzparade - und setzte den Ton für die erste Halbzeit. Die Devils, angeführt von Trainer Ronnie Ekström, hielten dagegen, allerdings eher mit der Brechstange als mit Finesse. "Wir wollten früh draufgehen, aber Margate hat uns laufen lassen wie Trainingshütchen", kommentierte Ekström trocken. Und tatsächlich: Die Reds kontrollierten 55 Prozent Ballbesitz, spielten lange Bälle mit chirurgischer Präzision - und warteten auf den Moment, der kam. In der 40. Minute war es soweit: Owen Beaulieu legte im Strafraum quer, Lionel Postiga stand goldrichtig und jagte den Ball humorlos ins Netz. 1:0 für Margate - und das Stadion bebte. Postiga zeigte seinen typischen Jubel, die Fans sangen, und Trainer Lameck brüllte an der Seitenlinie: "Genau so, Jungs!" Doch das Glück der Reds währte nicht lange. Nach der Pause kam Manchester verändert zurück aufs Feld - personell und mental. Ekström hatte umgestellt, das Pressing etwas zurückgenommen, dafür das Mittelfeld gestärkt. In der 50. Minute bewies Mika Kuqi, warum er bei den Devils als "König des Chaos" gilt: Nach einer feinen Kombination über Manuel Pastorino landete der Ball bei Kuqi, der aus zehn Metern trocken vollstreckte. 1:1 - und plötzlich war das Spiel wieder offen. "Ich wusste, dass er den macht, Mika ist eiskalt", sagte Pastorino später mit einem breiten Grinsen. Kuqi selbst sah das anders: "Der Ball kam nicht ideal, aber ich dachte mir: Kopf runter, einfach drauf. Hat geklappt." Kurz darauf kam es zu einer Schrecksekunde: Margates Torschütze Postiga blieb nach einem Zweikampf liegen, musste in der 53. Minute ausgewechselt werden. Für ihn kam Connor Gayheart - und der sorgte gleich für Alarm. "Ich hatte eine halbe Stunde, um mich unsterblich zu machen", witzelte Gayheart. Leider blieb es beim Versuch. Die Schlussphase glich einem offenen Schlagabtausch. Beide Teams feuerten aus allen Lagen - am Ende standen je zehn Torschüsse zu Buche. Margates Kai Marley prüfte Benito gleich dreimal (70., 79., 83.), während Kuqi auf der Gegenseite lieber Gelbe Karten sammelte als Tore (80.). "Er wollte den Ball, nicht den Gegner", verteidigte Ekström seinen Stürmer mit einem Augenzwinkern. Das Publikum lebte mit jeder Szene mit. Als in der 88. Minute ein Distanzschuss von Harold Coeyman nur Zentimeter am Pfosten vorbeirauschte, sprang die halbe Tribüne schon zum Jubeln auf. Doch der Ball blieb draußen - so wie der Sieg. "Wir hätten das zweite machen müssen", grollte Trainer Lameck nach Abpfiff. "Aber wenigstens haben wir gezeigt, dass wir mit den Großen mithalten können." In der Statistik las sich das Ganze wie eine gerechte Punkteteilung: Beide Teams mit jeweils zehn Abschlüssen, Tacklingquote fast pari (51 zu 49 Prozent), Margate mit leichtem Vorteil im Ballbesitz. Und trotzdem blieb nach dem Schlusspfiff das Gefühl, dass hier mehr drin gewesen wäre - besonders für die Reds. "Ein Punkt ist besser als keiner", meinte Devils-Verteidiger Tobias Ludwig lakonisch in der Mixed Zone, während Postiga auf Krücken vorbeiging und flach meinte: "Wenn die mich nicht umhauen, hau ich sie rein." So endete ein intensiver Fußballabend mit einem Ergebnis, das niemandem wehtut - aber auch keinem wirklich hilft. Margate klettert nur minimal, Manchester bleibt im Niemandsland der Tabelle. Und irgendwo in der Pressekonferenz grinste Trainer Ekström: "Ein 1:1 kann manchmal schöner sein als ein 3:0 - wenn man es überlebt." Fazit: Fußball mit allem Drum und Dran, nur ohne Sieger. Aber wer braucht schon Sieger, wenn das Drama so gut inszeniert ist? 21.05.643993 23:03 |
Sprücheklopfer
In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler