// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen der ausverkaufte Margate Park (50.928 Zuschauer) schon beim Einlaufen der Teams vibrierte. Rote Schals, laute Chöre und die Gewissheit, dass man gegen die London Blues nicht nur gewinnen, sondern ein Statement setzen wollte. Am Ende stand ein 2:0, das klarer wirkte, als es die ersten Minuten vermuten ließen - und das die Reds endgültig ins obere Tabellendrittel der 1. Liga katapultiert. Die Blues, von Trainer Guido Träger mit einer mutmaßlich "balancierten" Taktik (so stand’s jedenfalls auf dem Zettel) losgeschickt, begannen forsch. Schon in der 3. Minute prüfte Ophir Arens den Margate-Keeper Joshua Hannigan mit einem satten Schuss. Doch das war’s dann auch fast mit der Londoner Herrlichkeit. Danach übernahmen die Reds das Kommando - angetrieben vom unermüdlichen Zivojin Basta, der auf der linken Seite ackerte, als hätte er drei Lungen. In der 25. Minute kam es dann, wie es kommen musste: Billy Henderson, der gerade einmal 20-jährige Mittelfeldspieler, drosch den Ball aus gut 20 Metern einfach mal drauf - und siehe da: Tor. 1:0. Ausgerechnet Henderson, der sonst eher für das gepflegte Kurzpassspiel bekannt ist. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er nach dem Spiel, "aber ehrlich gesagt - der Wind hat mir geholfen." Trainer Ata Lameck kommentierte trocken: "Wenn das Absicht war, dann hat er sich eine Gehaltserhöhung verdient." London reagierte - zunächst mit einer gelben Karte für Azmi Ehrlich, der sich bei einem rustikalen Zweikampf gegen Didier Marceau wohl zu sehr an Rugby erinnert fühlte. Kurz darauf musste Träger zur Pause gleich doppelt wechseln, brachte Davor Jurcevic für Ehrlich und Nick Kohl für Vazques. "Wir wollten frischen Wind", erklärte der Coach später, "aber irgendwie kam nur ein laues Lüftchen." Margate hingegen blieb im Vorwärtsgang. Ihre offensive Ausrichtung, gepaart mit 51,9 Prozent Ballbesitz und beachtlichen 16 Schüssen aufs Tor (gegen 5 der Blues), zeigte Wirkung. Besonders auffällig: Zivojin Basta, der zwischen der 18. und 80. Minute gefühlt jede Viertelstunde abschloss - mal drüber, mal daneben, mal direkt in die Arme des Torwarts. Doch in der 72. Minute war es endlich soweit: Armandos Ardizoglou legte mustergültig quer, Basta nahm Maß und vollendete trocken ins rechte Eck. 2:0, Deckel drauf. "Armandos hat den Ball perfekt gespielt", schwärmte Basta nach Abpfiff. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - das war fast zu schön, um wahr zu sein." Lameck grinste in der Pressekonferenz: "Ich sag’s mal so - wenn Basta den Fuß hinhalten muss, ist das meistens ein gutes Zeichen für uns." Die Blues versuchten es noch: Arens in der 69., Quaresma in der 78. und Jurcevic in der 84. Minute - allesamt ohne Erfolg. Es fehlte schlicht an Präzision und Biss. Und während London hinten immer offener agierte, konterte Margate nach Belieben. Der eingewechselte Brandon Ashton sorgte für frischen Schwung, während hinten Reacock und Hoffman eiskalt abräumten. Einziger Wermutstropfen für die Reds: In der 87. Minute sah Didier Marceau Gelb, nachdem er einen Londoner Flügelflitzer unsanft stoppte - "taktisches Foul", wie man so schön sagt. Marceau kommentierte später augenzwinkernd: "Wenn’s der Ästhetik dient, darf man auch mal gelb sehen." Am Ende stand ein souveräner Sieg, der nicht nur statistisch (Ballbesitz, Zweikampfquote, Schüsse) klar an die Gastgeber ging, sondern auch atmosphärisch. Die Fans sangen, als gäbe es kein Morgen, und der junge Henderson wurde zum Helden des Abends. "Das war pure Magie", jubelte ein Fan auf der Tribüne, "der Junge kann laufen, denken und schießen - was will man mehr?" Guido Träger wirkte nachdenklich. "Wir haben uns zu spät gewehrt", gab er zu. "Vielleicht haben wir Margate unterschätzt." Und während er das sagte, sah man Ata Lameck bereits mit ausgestrecktem Arm zur Kurve gehen, die Fans applaudierten - und irgendwie schien es, als hätte Margate an diesem Abend nicht nur ein Spiel, sondern ein Stück Fußballseele gewonnen. Ein Abend, der zeigte: Wenn Leidenschaft, Körpereinsatz und ein bisschen jugendlicher Leichtsinn zusammenkommen, dann kann selbst ein 2:0 eine ganze Stadt zum Leuchten bringen. Und Billy Henderson? Der wird morgen wohl in der Schule erklären müssen, dass man auch mit einem "verunglückten" Flankenball Geschichte schreiben kann. 20.03.643990 03:12 |
Sprücheklopfer
Das ist eine Deprimierung.
Andreas Möller