// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Ein kalter Januarabend in Oxford, 47.198 Zuschauer, Flutlicht, Atemwolken und ein Heimteam, das sich redlich mühte - aber am Ende doch den Kürzeren zog. Die Margate Reds gewannen am 17. Spieltag der 1. Liga England bei Oxford City mit 2:0 (0:0). Und das war, man muss es so sagen, ein Ergebnis, das so nüchtern klingt wie der Spielverlauf lange nicht war. Die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel für jene Sorte Fußball, die Trainer als "kontrolliert" und Fans als "zäh" bezeichnen. Oxford City begann forsch, Amaury Semedo prüfte den Gästekeeper Joshua Hannigan schon in der zweiten Minute, Tiago Brito versuchte es acht Minuten später mit einem Schuss, der wohl eher auf den Parkplatz als aufs Tor zielte. Doch auch Margate ließ sich nicht lumpen: Noah Eliot, der Spielmacher mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters, zwang Oxfords jungen Torhüter Dylan Madigan gleich zweimal zu Glanzparaden (12. und 15.). "In der ersten Halbzeit haben wir uns gegenseitig neutralisiert", meinte später Margate-Coach Ata Lameck mit einem trockenen Lächeln. "Oxford wollte, wir wollten - nur das Tor wollte nicht." Das änderte sich nach der Pause - und zwar schrittweise, wie ein gut geöltes Uhrwerk. Oxford versuchte, den Druck zu erhöhen. Adam Kaklamanis, der wohl einen Sprintrekord für Mittelfeldspieler aufstellen wollte, prüfte Hannigan zweimal innerhalb von zwei Minuten (46. und 48.). Aber der Ball wollte einfach nicht rein. "Manchmal ist das Tor wie ein geschlossenes Café nach Mitternacht - du klopfst, aber keiner macht auf", sagte Kaklamanis nach dem Spiel mit einem Schulterzucken. Und dann kam die Stunde der Reds. In der 71. Minute ging ein kollektives Raunen durchs Stadion: Noah Eliot, der bis dahin unermüdlich die Fäden zog, spielte einen Pass, der so präzise war, dass man ihn wohl mit einem Zirkel gemessen hatte. Zivojin Basta nahm den Ball an, schaute kurz - und schob ihn eiskalt ins lange Eck. 1:0 für Margate. Nur fünf Minuten später, in der 76., folgte der endgültige Nackenschlag für die Gastgeber. Finlay Eliot, der jüngere Bruder von Noah und gefühlt doppelt so schnell unterwegs, brach auf der rechten Seite durch, flankte flach in den Strafraum - und Harrison McGeady verwandelte per Direktabnahme. 2:0. Der Jubel der mitgereisten Margate-Fans war ohrenbetäubend, das Schweigen der Oxford-Anhänger fast noch lauter. Trainer David Klockzien versuchte an der Seitenlinie noch, mit einem energischen "Ruhig bleiben, Männer!" seine Spieler aufzuwecken, doch man sah: Die Köpfe waren unten. "Wir haben eigentlich ordentlich gespielt", sagte er später. "Aber Fußball ist manchmal unfair - und wir waren heute das Beispiel im Lehrbuch." Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 49 Prozent Ballbesitz für Oxford, 51 für Margate, 7 zu 13 Torschüsse. Doch die Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Margate war einfach reifer, abgeklärter, ließ sich nicht von kleinen Rückschlägen - oder gelben Karten - aus dem Konzept bringen. David Reacock und Armandos Ardizoglou sahen jeweils Gelb, aber das störte niemanden. "Die Karte war berechtigt", gab Reacock sogar zu. "Ich wollte eigentlich nur den Ball treffen - aber der Ball wollte nicht mich." In der Schlussphase wurde es noch einmal ruppig, Oxforder Verteidiger Alejandro Beto holte sich kurz vor Schluss ebenfalls Gelb ab, weil er McGeady etwas zu deutlich an die physikalischen Grenzen des Körpers erinnerte. Die Fans schimpften, die Zeit verrann, und Margate spielte die Führung souverän herunter. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Gäste in den Armen, während Oxford sich in Trotz übte. "Wir waren nicht schlecht", meinte Torwart Madigan, "nur eben nicht Margate." Ata Lameck grinste in der Mixed Zone: "Zwei Tore, drei Punkte, keine Verletzten - das ist fast schon langweilig perfekt. Vielleicht gönnen wir uns zur Abwechslung mal ein 3:3 nächste Woche." Oxford City dagegen muss sich fragen, warum aus viel Aufwand so wenig Ertrag wurde. Vielleicht lag’s an der fehlenden Kaltschnäuzigkeit, vielleicht an der jugendlichen Nervosität, vielleicht schlicht an einem Gegner, der im richtigen Moment cool blieb. Und so verließ man das Kassam Stadium mit dem Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, das knapp war - aber doch klar. Margate Reds gewannen mit Geduld, Glück und einem Hauch Genie. Und Oxford City? Die hatten wenigstens den besseren Tee in der Halbzeitpause. 23.07.643987 10:47 |
Sprücheklopfer
Bevor wir für einen Torwart 15 bis 20 Millionen Mark bezahlen, stelle ich mich selbst ins Tor.
Rainer Calmund