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Margate Reds ringen Boreham Wood nach Verlängerung nieder

Es war kein Spiel für schwache Nerven, und ganz sicher keines für Fans gepflegter Nervenmassage: Die Margate Reds stehen nach einem 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Boreham Wood im Pokal-Viertelfinale. 54.728 Zuschauer erlebten am Donnerstagabend ein Drama, das irgendwo zwischen Geduldsspiel, Gedränge und Genie pendelte - und das am Ende einem Mann gehörte, der kurz vor Schluss erst Held, dann Sündenbock wurde.

"Ich wusste nicht, ob ich lachen oder mich entschuldigen sollte", sagte Noah Eliot, der zentrale Mittelfeldmotor der Reds, nach Abpfiff mit einem müden Grinsen. Er hatte in der 115. Minute den entscheidenden Treffer erzielt - um sich nur sieben Minuten später mit Rot in die Kabine zu verabschieden. "Ich hab einfach zu spät geschaltet, im wahrsten Sinne", murmelte er. Trainer Ata Lameck legte ihm kurz die Hand auf die Schulter und meinte trocken: "Solange du triffst, darfst du auch mal duschen gehen, bevor es alle anderen tun."

Dabei hatte das Spiel angefangen, als wollten die Gäste aus Boreham Wood den Gastgebern erst einmal demonstrieren, wie man Ballbesitz zelebriert. 54 Prozent der Zeit zirkulierte das Leder in ihren Reihen - meist quer, selten gefährlich. Die Reds dagegen, taktisch ausgewogen und auf Flügelspiel eingestellt, schienen lange so etwas wie den Geduldsfaden des englischen Winters zu spinnen: dünn, aber zäh.

In der 34. Minute platzte der Knoten. Harrison McGeady, der rechte Flügelflitzer mit dem Hang zum Spektakel, vollendete nach Vorarbeit des jungen Finlay Eliot eiskalt zur Führung. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er kam einfach wieder zurück - wie ein Bumerang mit Raketenantrieb", lachte McGeady später. Das Stadion bebte, und Boreham Wood wirkte erstmals nervös.

Doch anstatt die Führung auszubauen, verloren die Reds nach der Pause etwas den Rhythmus. Boreham Wood blieb defensiv, aber bissig - und als der Margate-Abwehrchef Gottfried Hoffman in der 87. Minute Gelb sah, war zu spüren, dass die Partie kippen könnte. In der 80. Minute (ja, das war das Spiel der seltsamen Chronologie) hatte nämlich Ragip Toraman für Boreham Wood bereits ausgeglichen - ein trockener Schuss aus halbrechter Position nach Pass von Benjamin Donovan. Toraman kommentierte später mit einem Schulterzucken: "Ich dachte, ich probier’s einfach, der Ball war so schön rund." Boreham Wood witterte nun Morgenluft, aber Margate schüttelte sich, sammelte sich und rettete sich in die Verlängerung.

Dort begann das große Zittern. Die Reds, trotz 20 Torschüssen mittlerweile spürbar ermüdet, kämpften gegen die Uhr und gegen aufkommende Krämpfe. Trainer Lameck wechselte klug: Kai Marley kam für McGeady, Ricardo Da Cru ersetzte Mario Baiao - frische Beine für müde Köpfe. Und dann, in Minute 115, geschah das, was Pokalgeschichten schreiben lässt: Noah Eliot, der zentrale Mittelfeldmann mit der Ruhe eines Uhrmachers, fasste sich ein Herz. Nach einer präzisen Hereingabe von Robert Amyot nahm er den Ball volley, halb Schuss, halb Gebet - und traf. 2:1.

"Ich hab in dem Moment gar nichts gedacht. Vielleicht war das mein Glück", sagte Eliot später. In der Jubeltraube ging fast unter, dass Trainer Lameck auf der Linie wild gestikulierend in Richtung Himmel deutete. Auf Nachfrage erklärte er: "Ich wollte nur wissen, ob da oben jemand mitspielt - scheint so gewesen zu sein."

Die letzten Minuten hatten es in sich: Boreham Wood warf alles nach vorn, Margate verteidigte mit allem, was noch laufen konnte. Und als Eliot in Minute 122 bei einem Konter zu spät in den Zweikampf ging und Rot sah, hatte das Spiel seine letzte groteske Pointe. Selbst der Schiedsrichter schien kurz zu zögern, bevor er die Karte zückte.

"Das war ein Pokalfight, wie er im Buch steht", resümierte Gästetrainer Sven Schliffke später. "Wir hatten den Ball, sie hatten den Willen - und am Ende reicht manchmal der Wille." Boreham Wood verabschiedete sich erhobenen Hauptes, doch Margate jubelte, als wäre der Pokal schon gewonnen.

Statistisch gesehen war es ein ungleiches Duell: 20 zu 8 Torschüsse, 45 zu 54 Prozent Ballbesitz - und doch das Gefühl, dass jeder Angriff der Reds gefährlicher war als fünf der Gäste zusammen.

Im Stadion hallte noch lange der Gesang der Fans, während auf dem Rasen Noah Eliot, in Trainingsjacke und mit einem leicht beschämten Lächeln, dem Publikum zuwinkte. "Ich hoffe, sie erinnern sich an mein Tor - nicht an die Karte", sagte er zum Schluss.

Man darf wohl davon ausgehen, dass sie genau das tun werden. Pokal eben - da gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft, aber meistens die dramatischere.

19.09.643987 08:35
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