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Ein nasskalter Abend an der englischen Küste, Flutlicht, 58.336 Zuschauer - und ein Spiel, das erst spät so richtig Fahrt aufnahm. Die Margate Reds trennten sich am 19. Spieltag der 1. Liga England mit 1:1 von Barrow AFC. Ein Ergebnis, das beiden irgendwie nicht so richtig schmeckt - und doch irgendwie passt zu einem Abend, an dem mehr Energie in Gesten als in Treffer floss. Von Beginn an war klar: Margate wollte. Trainer Ata Lameck hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, lange Bälle, frühes Pressing, viel Bewegung. Schon in der 2. Minute prüfte Ricardo Da Cru den Barrow-Keeper George Beecroft aus der Distanz - ein Schuss, der wohl mehr als Weckruf denn als echte Torchance gedacht war. Acht Minuten später versuchte es Kai Marley, kurz darauf Zivojin Basta. Drei gute Ansätze - null Zählbares. Barrow hielt dagegen, aber eher mit Pragmatismus als mit Glanz. Trainer Ingo Königs hatte seine Mannschaft auf stabile Flügelangriffe eingeschworen, "solide bleiben und den Moment abwarten", wie er später erklärte. Seine Jungs taten genau das: abwarten. Erst in der 21. Minute setzte Paulo Almeida ein Lebenszeichen, der Ball rauschte knapp über den Querbalken. Dann kam die 28. Minute, und Margates Innenverteidiger Danijel Turina holte sich Gelb - eine Szene, die man in der Fachsprache wohl "unnötig" nennt. Lameck raufte sich die Haare, und man konnte von der Seitenlinie fast hören, wie er murmelte: "Der wollte wohl mal wieder in die Zeitung." Zur Pause stand es 0:0, die Reds hatten mehr Torschüsse (7:2), aber Barrow mehr Ballbesitz (51 Prozent). Es roch nach einem dieser Spiele, die man auch nach 180 Minuten ohne Tor beenden könnte - bis Kai Haddington, Barrows Rechtsverteidiger mit Angriffsdrang, in der 53. Minute plötzlich auftauchte. Nach einer Flanke von Mathieu Dierickx nahm er den Ball volley - und traf. 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Haddington später, "aber der Ball hat wohl eigene Pläne gehabt." Die Margate-Anhänger auf den Rängen verstummten für einen Moment, dann begann das große Anrennen. Trainer Lameck reagierte, brachte Teemu Vuorinen für den abgekämpften David Reacock und später Harrison McGeady als frischen Stürmer. McGeady, der schon beim Aufwärmen aussah, als wolle er den Ball persönlich ins Tor tragen, brachte tatsächlich Schwung. In der 73. Minute war es dann so weit: Lionel Postiga, der zuvor schon mehrmals knapp gescheitert war, drückte den Ball nach einer Kopfballverlängerung von Innenverteidiger Gottfried Hoffman über die Linie. 1:1! Der Jubel war laut, der Ball war endlich drin, und Postiga rannte zur Eckfahne, als hätte er gerade das WM-Finale entschieden. "Ich hab’s ihm vorher gesagt: Der nächste geht rein", grinste Hoffman nach dem Spiel. Die Reds drückten weiter, Postiga scheiterte in der 76. Minute erneut, diesmal an Beecrofts Reflexen. Der Torhüter, sonst eher von der stillen Sorte, brüllte nach der Parade so laut, dass man ihn wohl noch in der letzten Reihe der Haupttribüne hören konnte. Die letzten Minuten waren ein Spiegel des Spiels: Margate mit Herz, Barrow mit Kopf. Beide wollten, keiner konnte mehr. Der Schlusspfiff kam, und Trainer Königs umarmte Lameck mit diesem typischen englischen Lächeln, das irgendwo zwischen Respekt und Schadenfreude liegt. "Wir haben heute Charakter gezeigt", meinte Lameck, der trotz des verpassten Siegs zufrieden wirkte. "Und Lionel hat endlich wieder getroffen. Das ist gut fürs Ego - seines und meines." Königs dagegen blieb nüchtern: "Ein Punkt auswärts ist ein Punkt. Aber ich hätte gern drei gehabt, ehrlich gesagt." Die Statistik stützt beide Sichtweisen: 12:4 Torschüsse für Margate, 51 Prozent Ballbesitz für Barrow, zwei Gelbe Karten, keine unnötigen Dramen. Ein Spiel, das keiner verlieren wollte - und in dem sich beide am Ende glücklich schätzen durften, wenigstens nicht verloren zu haben. Amüsant am Rande: Als Postiga nach dem Spiel gefragt wurde, ob er den Ausgleich noch einmal genauso schießen würde, antwortete er trocken: "Wenn’s wieder 1:0 steht, ja. Sonst bleib ich lieber hinten." Fazit: Ein gerechtes 1:1, das weniger nach Spektakel als nach ehrlicher Arbeit schmeckte. Die Fans gingen zufrieden nach Hause, die Trainer mit gemischten Gefühlen - und die Reds mit dem Gefühl, dass heute mehr drin war. Aber wer weiß, vielleicht hebt sich Margate das Glück fürs nächste Spiel auf. In dieser Liga kann man ja nie wissen - außer, dass der Ball manchmal einfach andere Pläne hat. 04.01.643991 22:53 |
Sprücheklopfer
Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
Rainer Calmund zur großen Bedeutung der Partie zwischen Hertha und Leverkusen in der Saison 2000/2001