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Es war ein kalter, klarer Abend an der englischen Südküste, 20:30 Uhr Anstoß, 48.597 Zuschauer im Margate-Stadion - und die "Reds" entschieden sich offenbar, ihren Fans gleich in den ersten 45 Minuten einen Wärmeschub zu verpassen. 3:0 stand es zur Pause, und genau so blieb es bis zum Schluss. Der FC Sheffield durfte den Ball zwar fast genauso oft sehen wie die Gastgeber (Ballbesitz: 51,8 zu 48,2 Prozent), aber was die Margate Reds mit dem Spielgerät anfingen, war schlicht ein anderes Spiel. Schon in der 14. Minute sorgte Sigurd Carlsson für den ersten Jubelorkan. Nach einem feinen Steckpass des jungen Billy Henderson zog der 24-jährige Schwede aus halblinker Position ab - und traf so trocken, dass der Sheffield-Keeper Vaclav Hromadko nur resigniert den Kopf schütteln konnte. "Ich hab ihn kaum gesehen", murmelte der Torhüter später, "vielleicht war das Flutlicht zu hell, oder Carlsson zu schnell." Sechs Minuten später legte Harrison McGeady nach. Der Routinier auf dem rechten Flügel verwertete eine butterweiche Flanke eben jenes Carlsson - ein Tor, das die Fans der Reds noch in der Halbzeitpause mit einem Lied besangen, das selbst der Stadionsprecher später "etwas zu laut" fand. Margate spielte zu diesem Zeitpunkt wie entfesselt: 20 Torschüsse im gesamten Spiel, davon neun allein in der ersten halben Stunde. Sheffield kam auf ganze sechs - und die meisten davon in sicherer Entfernung zum Tor. Den Schlusspunkt der ersten Hälfte setzte Finlay Eliot in der 44. Minute, als er eine weite Hereingabe von Linksverteidiger Ellis Malfoy mit der Innenseite ins lange Eck schob. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Eliot mit einem Grinsen nach Abpfiff, "aber manchmal hat der Fußball eben Humor." Sheffield versuchte es in der zweiten Halbzeit mit mehr Offensive - Trainer Erich Speithvenne schickte seine Männer mit den Worten "Habt Spaß da draußen!" auf den Platz. Dass keiner lachte, war schnell erklärbar: Die Reds verwalteten ihr komfortables Polster mit stoischer Ruhe. Margate-Trainer Ata Lameck hatte auf eine offensive Ausrichtung umgestellt, dann aber kurz vor Schluss auf "keine Ausrichtung" - wie es der Taktikbogen trocken vermerkte. Übersetzt hieß das: Alle bleiben, wo sie sind, und bitte keine Dummheiten mehr. Einziger Wermutstropfen für die Hausherren war die Verletzung von Mittelfeld-Motor Billy Henderson in der 60. Minute. Der 20-Jährige humpelte vom Platz, winkte aber den Fans zu. "Nur eine Prellung", sagte Lameck später, "er wird morgen schon wieder um den Platz rennen - notfalls hinter dem Physio her." Sheffield hingegen blieb harmlos. Jonas Van Remoortere und Samuel Lithgow versuchten sich an ein paar Distanzschüssen, doch Torhüter Joshua Hannigan im Kasten der Reds hatte mehr Sorge um seine Handschuhe als um Gegentore. "Die waren heute kaum dreckig", witzelte er nach dem Spiel. Die Statistiken unterstreichen das Bild: 55,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Margate, 20 Torschüsse gegen 6, drei Tore in der ersten Halbzeit, null in der zweiten - weil es schlicht nicht mehr nötig war. "Wir haben in der Pause gesagt: Lasst uns mal zeigen, dass wir auch Verwaltung können", erklärte Lameck trocken. Am Rand der Trainerzone ließ sich beobachten, wie Speithvenne nach dem 0:3 in der 44. Minute seinen Notizblock zuklappte. "Da war nichts mehr zu notieren", gab er zu. "Nur noch hoffen, dass das Flutlicht ausgeht." Für Margate war es ein Abend zum Genießen: taktisch diszipliniert, spielerisch reif, und mit einem Hauch Spielfreude, den man in dieser Liga nicht jeden Tag sieht. Carlsson, McGeady und Eliot - drei Namen, die in der Küstenstadt wohl noch eine Weile durch die Pubs hallen werden. Sheffield dagegen steht vor einer unbequemen Trainingswoche. Speithvenne kündigte sie mit den Worten an: "Wir üben Schüsse. Und dann üben wir Schüsse. Und wenn noch Zeit ist, üben wir Schüsse." Zum Schluss witzelte ein Fan der Reds beim Verlassen des Stadions: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald ein viertes Tor pro Halbzeit." Und wer weiß - mit dieser Spielfreude ist das gar nicht so abwegig. Ein Abend, an dem Margate alles richtig machte - und Sheffield alles andere. 27.08.643987 00:50 |
Sprücheklopfer
Natürlich haben die beiden nicht mehr gezeigt als zu sehen war.
Erich Ribbeck