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Ein Freitagabend in Nottingham, 20:30 Uhr, Flutlicht, 49.700 Zuschauer - und eine Heimmannschaft, die nach 90 Minuten am liebsten im Boden versunken wäre. Die Nottingham Magpies verloren am 7. Spieltag der 1. Liga England mit 0:2 gegen die Margate Reds, und wer die Zahlen sieht, der weiß: Das Ergebnis schmeichelt den Gastgebern eher noch. 21 Torschüsse zu 1, 58 Prozent Ballbesitz für Margate, dazu ein Gästetorhüter, der erst nach 75 Minuten überhaupt den Ball anfassen musste - so sieht Überlegenheit in Reinkultur aus. Von Beginn an machten die Reds klar, dass sie nicht zum Sightseeing angereist waren. Bereits nach vier Minuten prüfte Didier Marceau den jungen Magpies-Keeper Marek Szymanowski mit einem Schuss aus der zweiten Reihe - und der 18-Jährige klärte mit zitternden Handschuhen. "Ich hab’ gedacht, der Ball ist heiß", grinste Marceau später. Und heiß blieb es vor dem Nottingham-Tor. Zivojin Basta, Lionel Postiga, Robert Amyot - die roten Angreifer gaben sich die Klinke in die Hand wie Schauspieler beim Vorsprechen. In der 19. Minute fiel dann, was längst in der Luft lag: Noah Eliot zog aus 20 Metern ab, der Ball flatterte unhaltbar ins rechte Eck. Assistiert hatte erneut Marceau, der an diesem Abend zwei Assists sammelte, als wäre er auf einem französischen Weinfest und schenkte großzügig aus. "Das war kein Zufall", sagte Coach Ata Lameck nach dem Spiel mit einem Lächeln. "Didier hat die Freiheit, überall zu sein - manchmal sogar da, wo er gar nicht sein sollte." Nottingham-Trainer Christoffer Reedtz hingegen stand an der Seitenlinie wie jemand, der gerade festgestellt hat, dass die Katze auf der Autobahn ist. Seine Offensivabteilung - bestehend aus Jay Darabont, Egidius Schermerhorn und Dusko Neziri - blieb so harmlos wie ein zahnloser Spatz. Nur einmal, in der 73. Minute, gab es einen echten Torschuss der Magpies, abgefeuert von Neziri, halbherzig und genau in die Arme von Ersatzkeeper Henry Thuringer, der kurz zuvor für Joshua Hannigan eingewechselt worden war. Vorher jedoch hatten die Reds schon alles klar gemacht. In der 64. Minute verlängerte Marceau einen Ball elegant mit der Hacke, und José Andrade, der erfahrene Mittelfeldstratege, zog aus der Distanz ab - 0:2. Szymanowski streckte sich, aber der Ball küsste den Innenpfosten und zappelte im Netz. Andrade rannte jubelnd Richtung Gästefans, Marceau folgte ihm mit einem Lächeln, das sagte: "Told you so." Nach dem zweiten Treffer schaltete Margate einen Gang runter, ohne an Kontrolle zu verlieren. Nottingham versuchte es mit Dreifachwechsel zur Pause, aber weder Marcio Ze Castro noch Iker Velazquez noch Neziri konnten das Spiel nennenswert beleben. Dazu kam Pech: Innenverteidiger Ricardo Mino verletzte sich in der 70. Minute bei einem Rettungsversuch - Muskelprobleme, wie es hieß. Reedtz kommentierte trocken: "Wenn du ständig hinterherläufst, bekommst du irgendwann Krämpfe - und das gilt nicht nur für die Beine." Es gab auch Gelbe Karten - Rafael Leao in Minute 24 und Janos Bodog kurz vor Schluss - beide für Fouls, die mehr aus Frust als aus Notwendigkeit entstanden. "Wir wollten Zeichen setzen", meinte Bodog nach Abpfiff. "Leider waren es die falschen Zeichen." Margate dagegen spielte die letzten Minuten mit einem Lächeln herunter. Lameck brachte die Youngster Lewis Onnington und Kai Edwards, die sich sofort mit frechen Dribblings empfahlen. "Sie sollen lernen, dass Kontrolle Spaß macht", sagte der Coach. Und Spaß hatten die Reds reichlich. Der Schlusspfiff war für Nottingham schließlich eine Erlösung. 0:2, und das Publikum pfiff - nicht aus Enttäuschung, sondern wohl eher aus Ratlosigkeit. Wer 42 Prozent Ballbesitz und nur einen Torschuss in 90 Minuten bietet, der hat seine eigenen Fans nicht gerade mitgerissen. "Wir müssen mutiger werden", murmelte Reedtz in der Pressekonferenz, während Lameck verschmitzt daneben saß. "Mut ist gut", entgegnete der Gästetrainer, "aber besser ist, wenn man auch den Ball hat." Und so verabschieden sich die Magpies aus diesem Spieltag mit gesenktem Kopf, während Margate weiter oben anklopft. Zwei Tore, drei Punkte, jede Menge Selbstvertrauen - die Reds haben in Nottingham nicht nur gewonnen, sie haben eine kleine Fußballlektion erteilt. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne formulierte: "Die Magpies fliegen - aber leider in die falsche Richtung." 17.08.643990 20:52 |
Sprücheklopfer
Darüber muss sich jeder Einzelne ein Urteil machen. Ich mache das jedenfalls nicht.
Oliver Kahn auf die Frage, ob ein Tor auf seine Kappe gegangen sei