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Ein kalter Abend im Januar, doch auf dem Rasen des "Reds Stadium" brannte das Flutlicht wie eine Sonne. 56.749 Zuschauer waren gekommen, um zu sehen, ob die Margate Reds gegen den großen FC Benfica eine Chance hätten. Nach 94 Minuten, zwei Platzverweisen und sechs Toren stand fest: Sie hatten nicht nur eine Chance - sie hatten einen Plan, Mut und vor allem Harrison McGeady. Bereits in der 13. Minute begann das Spektakel. McGeady, der rechte Wirbelwind der Reds, zirkelte nach einem Zuspiel von Robert Amyot den Ball aus halbrechter Position in den Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste McGeady später, "aber manchmal hat der Ball eben andere Pläne." Das Stadion tobte, und Trainer Ata Lameck riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. Doch Benfica, von Wes Morgan mit gewohnt stoischer Miene an der Seitenlinie dirigiert, ließ sich nicht lange bitten. In der 28. Minute traf Chaim Tzwi nach feinem Zuspiel von Corey O’Shea zum Ausgleich. Die portugiesischen Fans jubelten, die Heimkurve murmelte - und kaum war der Lärm verklungen, schlug McGeady erneut zu. Nur eine Minute später, diesmal nach Pass von Herman Pederson, schob er den Ball trocken ins lange Eck. 2:1, und Margate spielte weiter, als gäbe es kein Morgen. Das Spiel wogte hin und her wie ein Schiff im Sturm. In der 36. Minute war es Benficas Joshua Broderick, der nach erneutem Zuspiel von O’Shea den Ball unter die Latte hämmerte - 2:2. Kurz darauf jedoch der nächste Paukenschlag: Armandos Ardizoglou, der Mittelstürmer mit dem Namen eines Opernsängers, setzte in der 42. Minute einen wuchtigen Kopfball ins Netz. 3:2 zur Pause - fünf Tore in einer Halbzeit, die jeden neutralen Zuschauer glücklich machte und jeden Trainer ein paar Jahre älter. "Ich habe in der Kabine gesagt: Mehr davon, aber bitte ohne Herzinfarkt", scherzte Lameck nach dem Spiel. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - mit einem Knall. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Herman Pederson auf 4:2. Nach Vorarbeit von Noah Eliot zog der 32-Jährige mit links ab, und Benficas Keeper Miguel Eusebio sah dem Ball nur noch hinterher. Dann jedoch wurde es ruppig. In der 57. Minute flog Margates Rechtsverteidiger Mario Baiao nach einem rüden Foul mit Rot vom Platz. "Er hat den Ball gespielt - irgendwann mal, in einem früheren Leben", kommentierte ein Fan trocken. Benfica roch Lunte, drückte aufs Tempo, hatte mehr Ballbesitz (55,7 Prozent) und mehr Wut als Geduld. Doch die Reds verteidigten mit allem, was sie hatten - inklusive Herz, Schienbeinschonern und gelegentlichem Chaos. Joshua Broderick prüfte Keeper Hannigan mehrfach (53., 73., 78., 85.), doch der Schlussmann der Reds hatte offenbar magnetische Handschuhe an. "Ich hab einfach die Arme ausgestreckt und gehofft", sagte Hannigan nach Abpfiff lachend. "Manchmal reicht das." Benficas Coach Wes Morgan blieb trotz allem gefasst: "Wir haben stark begonnen, aber Margate hat jede ihrer Chancen genutzt. Das war klinisch - und schmerzhaft." Eine gelbe Karte für Agemar Brito (82.) und zahllose frustrierte Abschlüsse rundeten den portugiesischen Abend ab. Bei den Reds wurde nach dem Platzverweis kräftig umgestellt: Ricardo Da Cru kam für Zivojin Basta, später rückten Billy Henderson und Didier Marceau noch ins Mittelfeld. Selbst mit zehn Mann setzten sie Nadelstiche - Henderson in der 70. Minute mit einem Schuss, der das Tornetz zittern ließ, aber nur von außen. Als Schiedsrichter Grayson in der 94. Minute endlich abpfiff, war das Stadion ein Tollhaus. Die Reds hatten 19 Torschüsse abgegeben, Benfica nur neun. Und obwohl der Ballbesitz klar an die Gäste ging, war es Margate, das die Tore machte und die Punkte - oder besser gesagt: den Play-off-Vorsprung - einfuhr. "Wir haben heute Geschichte geschrieben", jubelte Coach Ata Lameck. "Vier Tore gegen Benfica - das passiert uns nicht zweimal." McGeady grinste daneben und zupfte an seinem Trikot: "Ich hoffe doch, dass es uns noch einmal passiert. Vielleicht im Rückspiel." Ein Stück Fußballtheater, das in Margate noch lange erzählt werden wird - mit Herz, Humor und einem Hauch Wahnsinn. Und vielleicht, wenn man genau hinhört, rauscht der Wind über das leere Stadion noch immer wie der Jubel nach Pedersons Treffer in der 47. Minute. 15.08.643987 06:25 |
Sprücheklopfer
Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit.
Felix Magath