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Es war ein Pokal-Finale, das in die Geschichtsbücher eingehen wird - allerdings wohl eher unter dem Kapitel "Wie man mit 52 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüssen trotzdem verliert". Barrow AFC dominierte das Spiel über weite Strecken, die Margate Reds aber lachten am Ende - und zwar mit Pokal in der Hand. 0:1 hieß es nach 90 umkämpften Minuten vor 79.500 Zuschauern, die alles gesehen hatten: Chancen, Karten, Drama - nur eben keine Tore für die Gastgeber. Von Beginn an machte Barrow klar, dass sie das Spiel in die Hand nehmen wollten. Trainer Ingo Königs ließ offensiv auflaufen, seine Mannschaft presste hoch, kombinierte gefällig und erspielte sich schon in den ersten Minuten Chancen. Thomas Hennessy prüfte Margates Keeper Joshua Hannigan gleich in der ersten Minute, doch der hielt, als hätte er Saugnäpfe an den Handschuhen. Kurz darauf versuchte es Cesar Vazquez von links, wieder nichts. "Wir hätten nach zehn Minuten schon zwei vorne liegen können", knurrte Hennessy später in der Mixed Zone. "Aber der Ball wollte heute einfach nicht rein. Vielleicht war das Tor zu klein - oder die Nerven zu groß." Die Reds dagegen setzten auf Konter über die Flügel. Ihr Trainer Ata Lameck hatte seine Mannschaft defensiv ausgerichtet, aber gefährlich blieb sie immer dann, wenn Zivojin Basta oder Kai Marley Platz bekamen. In der elften Minute rauschte Batas Schuss nur Zentimeter am Pfosten vorbei. Das war das erste Warnsignal für Barrow. Nach einer halben Stunde wurde es hitzig: Kai Haddington von Barrow sah Gelb, nachdem er Basta etwas zu leidenschaftlich an der Eckfahne "begrüßt" hatte. "Er hat gesungen", witzelte Basta später mit einem Grinsen, "aber ich tanze lieber mit dem Ball." Die erste Halbzeit endete torlos, und man spürte, dass die 52,6 Prozent Ballbesitz für Barrow zwar gut fürs Statistikblatt, aber schlecht fürs Ergebnis waren. Trainer Königs gestikulierte wild, versuchte seine Stürmer wachzurütteln. "Wir müssen das Tor treffen, nicht die Tribüne!", soll er in der Kabine gebrüllt haben. Nach Wiederanpfiff blieb das Bild gleich: Barrow rannte, Margate verteidigte. Paulo Almeida scheiterte in der 56. Minute, Hennessy gleich zweimal kurz danach. Dann kam der Moment, der alles veränderte: In der 75. Minute stürmte Margates Linksverteidiger Teemu Vuorinen nach vorne - warum auch immer, vermutlich spontane Eingebung - und nahm eine perfekt getimte Flanke von Luke Featherstone direkt. Der Ball segelte unhaltbar ins rechte Eck. 0:1. Der Block der Margate-Fans explodierte. "Ich wollte eigentlich gar nicht schießen", gab Vuorinen später lächelnd zu. "Aber Luke hat so schön gebrüllt, ich dachte, ich mach ihm die Freude." Wenig später kassierte Didier Marceau von Margate noch Rot - ein übermotiviertes Einsteigen gegen Ari Lampi, das keinen Interpretationsspielraum ließ. Plötzlich spielten die Reds zu zehnt, doch Barrow fand trotzdem kein Durchkommen. Selbst als Königs auf volles Pressing umstellte und alles nach vorne warf, stand Margate wie eine rote Mauer. In der Nachspielzeit hatte Lampi die große Möglichkeit zum Ausgleich, doch sein Schuss in der 93. Minute landete in den Armen von Hannigan. Der Torwart fiel danach theatralisch zu Boden, umarmte den Ball wie ein Relikt - und kaufte seiner Mannschaft wertvolle Sekunden. "Wir haben uns das erkämpft, auch wenn’s manchmal nicht schön war", sagte Margate-Coach Ata Lameck, der sich nach Abpfiff in einer Spielertraube wiederfand. "Ein Finale gewinnt man nicht mit Schönheit, sondern mit Konsequenz - und einem Linksverteidiger, der plötzlich Stürmer spielt." Barrows Kapitän Thomas Fournier wirkte dagegen fassungslos: "So ein Spiel verlierst du einmal im Leben. Hoffentlich." Am Ende blieb Barrow die Erkenntnis, dass Fußball nicht immer gerecht ist. 13 Schüsse, mehr Ballbesitz, mehr Einsatz - aber keine Tore. Margate hingegen traf einmal und schrieb Geschichte. Und während die Reds im Konfettiregen feierten, saß Ingo Königs auf der Bank, blickte ins Leere und murmelte: "Vielleicht hätten wir auch mal den Linksverteidiger schießen lassen sollen." Ein Finale, das man nicht so schnell vergisst - und das zeigt: Manchmal reicht ein Vuorinen, um eine ganze Stadt zum Schweigen zu bringen. 06.10.643993 03:43 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer