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Wenn 44.388 Zuschauer an einem Dienstagabend in Boreham Wood zusammenkommen, dann erwarten sie Dramatik, Leidenschaft - und vielleicht ein bisschen Chaos. Genau das bekamen sie beim 1:2 (1:2) ihrer Mannschaft gegen die Margate Reds geliefert. Ein Spiel, das mit einer Gelben Karte in der ersten Minute begann und mit einem nervenaufreibenden Abwehrkampf der Gäste endete. Schon nach wenigen Sekunden sah Borehams junger Rechtsverteidiger Ewan Lineback Gelb - offenbar wollte er gleich klarstellen, dass die Heimelf an diesem Abend keine Gefangenen machen würde. Trainer Sven Schliffke kommentierte später trocken: "Der Junge war heiß. Vielleicht ein bisschen zu heiß. Aber lieber so als kalt." Die ersten Minuten gehörten dann allerdings den Gästen. Margate, von Trainer Ata Lameck in einer balancierten, aber aggressiven Ausrichtung auf den Platz geschickt, suchte früh den Abschluss. Und das zahlte sich aus: In der 20. Minute erzielte Harold Coeyman nach Vorarbeit von Felipe Espriu das 0:1 - ein sauberer Schuss aus der Zentrale, den man so wohl nur in Lehrvideos über effizientes Mittelfeldspiel sieht. Nur zwei Minuten später wurde es für Boreham Wood noch bitterer. Diesmal hatte Coeyman den Vorlagengeber gemacht, und Linksverteidiger Teemu Vuorinen traf aus vollem Lauf zum 0:2. Der Jubel im Gästeblock war ohrenbetäubend, während Schliffke an der Seitenlinie die Hände über dem Kopf zusammenschlug. "Ich dachte kurz, wir hätten vergessen, dass man auch verteidigen darf", murmelte er später halb im Scherz, halb im Ernst. Doch Boreham Wood wäre nicht Boreham Wood, wenn sie sich einfach ergeben hätten. In der 39. Minute brachte Samuel Harrington die Gastgeber zurück ins Spiel. Nach präzisem Zuspiel von Julien Bethune schob er überlegt ein - 1:2 und plötzlich keimte Hoffnung auf. "Da war wieder Feuer drin", beschrieb Harrington später die Szene. "Wir wussten, dass wir sie knacken können, wenn wir ruhig bleiben." Nach der Pause präsentierten sich die Gastgeber tatsächlich verbessert. Sie hatten nun mehr vom Ball - 48,7 Prozent Ballbesitz gegen 51,3 bei den Reds klingt knapp, aber in dieser Phase gehörte die Initiative klar Boreham Wood. Neun Torschüsse standen am Ende zu Buche, und mehrfach roch es nach dem Ausgleich. Doch dann kam die 57. Minute, und mit ihr der Moment, der die Partie kippen sollte - wieder einmal. Margates Rechtsverteidiger Luke Featherstone, bereits verwarnt, hielt es offenbar für eine gute Idee, einen weiteren rustikalen Zweikampf zu führen. Der Schiedsrichter verstand den Spaß nicht: Gelb-Rot, Feierabend. "Ich hab’ den Ball gespielt!", rief Featherstone noch, während er vom Platz stapfte. Trainer Lameck grinste nach dem Spiel nur und meinte: "Ja, er hat den Ball gespielt - aber leider mit der Sohle voran." Ab da wurde es ein Kampfspiel. Margate zog sich tief zurück, während Boreham Wood anrannte. Taylor Hardin versuchte es gleich zweimal aus der Distanz (46. und 58. Minute), Harrington prüfte den Keeper erneut (60.), und der junge Joseph Adams zwang Hannigan im Tor der Reds zu einer Glanzparade. Doch die Gäste verteidigten mit allem, was sie hatten - und manchmal auch mit etwas Glück. "Ich hab irgendwann aufgehört, die Minuten zu zählen", gab Margates Kapitän Noah Eliot zu. "Es war wie ein Belagerungszustand." In der 74. Minute brachte Schliffke den frischen Rafael Galindo für Harrington, doch auch das letzte Offensivfeuer verpuffte. Stattdessen sorgte Vuorinen, der Torschütze des zweiten Tores, in der 92. Minute noch für einen Schreckmoment, als er nach einem harten Einsteigen Gelb sah - ein Symbol für die ruppige Schlussphase. Als der Schlusspfiff ertönte, sank Ata Lameck kurz auf die Knie. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte er später mit belegter Stimme. "Wir haben 35 Minuten in Unterzahl gespielt und trotzdem gewonnen. Das ist Charakter." Boreham Woods Trainer dagegen suchte Trost im Sarkasmus: "Wenn wir so weitermachen, haben wir bald die schönste Ein-Tor-Niederlagen-Serie der Liga." Statistisch war das Spiel nahezu ausgeglichen: 13:9 Torschüsse für Margate, ein minimal besseres Zweikampfverhältnis der Gäste (51 zu 49 Prozent) und kaum Unterschiede im Ballbesitz. Doch auf der Anzeigetafel zählte nur das 1:2 - und das bedeutete drei Punkte für Margate. Vielleicht war es kein technisches Fußballfest, aber ganz sicher ein emotionales. Ein Abend, an dem Boreham Wood viel probierte, Margate Reds clever verteidigte - und der Schiedsrichter wohl froh war, als das Spektakel vorbei war. Oder, wie es ein älterer Zuschauer auf der Tribüne zusammenfasste: "Ich hab schon langweiligere Opern gesehen - aber da wird wenigstens keiner vom Platz gestellt." 14.09.643993 08:00 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002