// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 36.019 Zuschauer im Stadion - und am Ende ein Spiel, das die Fans der London Blues wohl am liebsten schnell vergessen würden. Mit 0:2 (0:1) unterlagen die Hausherren den bissig auftretenden Margate Reds, die mit einer erstaunlichen Leichtigkeit und klarerem Plan auftraten. Zwei Tore, viele Chancen und ein Gegner, der in 90 Minuten nur einmal wirklich aufs Tor schoss - das sagt fast alles über die Kräfteverhältnisse dieses 13. Spieltags der 1. Liga England. Schon nach zehn Minuten war die Londoner Hoffnung auf einen ruhigen Abend dahin. Kai Marley, der rechte Flügelstürmer der Reds, traf eiskalt nach Vorarbeit von Robert Amyot. Der Ball schlug flach ins Eck, Torwart Cameron Callahan streckte sich vergeblich. "Ich hab’ ihn kommen sehen, aber der Ball war einfach zu präzise. Vielleicht war’s auch der Wind - oder mein Karma", grinste Callahan später mit Galgenhumor. Die Blues wirkten danach wie ein Boxer, der früh einen Haken kassiert und fortan nur noch klammert. Zwar hielt man den Ball knapp zur Hälfte der Zeit in den eigenen Reihen (50,5 % Ballbesitz), doch gefährlich wurde es nie. Trainer Guido Träger brüllte sich an der Seitenlinie heiser, als sein Team erneut den langen Ball schlug, der postwendend zurückkam. "Wir wollten eigentlich kontern", erklärte er hinterher. "Aber um zu kontern, braucht man auch mal den Ball - das war heute schwierig." Margate hingegen spielte, als hätten sie den Platz gemietet. 13 Torschüsse, einer schöner als der andere, und dabei noch das Gefühl, jederzeit die Kontrolle zu haben. Ihre offensive Ausrichtung zahlte sich aus: In der 52. Minute war es Connor Gayheart, der nach feiner Vorarbeit von Linksverteidiger David Reacock das 2:0 erzielte. Trocken, unaufgeregt, typisch Gayheart. "Ich hab einfach den Instinkt gehabt - und ehrlich gesagt, war’s schwerer, daneben zu schießen", meinte der Stürmer hinterher, als wüsste er selbst nicht so recht, warum er schon wieder getroffen hat. Danach war das Spiel im Grunde entschieden. London versuchte es mit Einsatz, manchmal auch mit der Brechstange - was sich in zwei späten Gelben Karten für Carlos Vazques (68.) und Jose Enrique Rueda (80.) niederschlug. Die Margate Reds hielten dagegen, allerdings mit deutlich mehr Stil. Auch wenn sie sich ihrerseits drei Verwarnungen in Serie fingen (Eliot, Amyot, Turina in der 23.-26. Minute), ließ Coach Ata Lameck keine Nervosität aufkommen. Er wechselte klug, brachte nach der Pause erst Jose Andrade, später Gottfried Hoffmann in die Innenverteidigung und zum Schluss den jungen Erik Lydersen für den ausgepowerten Gayheart. "Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts dominieren können", sagte Lameck nach dem Schlusspfiff und klopfte mit einem breiten Lächeln auf die Schulter seines Torschützen. "Die Jungs haben verstanden, dass Offensivgeist nicht bedeutet, blind nach vorne zu rennen. Wir haben Balance gefunden - und London hat sie verloren." Die Blues hatten ihre einzige nennenswerte Chance in der 85. Minute, als Ophir Arens aus spitzem Winkel abzog. Doch Margates Keeper Joshua Hannigan war zur Stelle - und grinste danach in Richtung der Fans, die den Ball schon im Tor gesehen hatten. "Ich hab ihm einfach in die Augen geschaut - und dann wusste er, dass er nicht trifft", witzelte der Torwart nach dem Spiel. Die Statistik spricht Bände: 13:1 Torschüsse für Margate, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das alles mit nur 49 Prozent Ballbesitz. Eine Lehrstunde in Effizienz und Kompaktheit. Die London Blues dagegen wirkten ideenlos, fast apathisch - als hätten sie den Trainingsplan mit dem Wetterbericht verwechselt. Trainer Träger versprach Besserung: "Wir müssen mehr Mut haben, mehr Risiko. Und vielleicht auch mal aufs Tor schießen - das hilft erfahrungsgemäß." Ein Satz, der im Presseraum für verhaltenes Lachen sorgte. Am Ende jubelten die 500 mitgereisten Margate-Fans, während die Blues-Spieler mit hängenden Köpfen in die Kabine schlichen. Ein Abend, der den Gästen Selbstvertrauen und den Gastgebern Kopfschmerzen brachte. Und wenn man ehrlich ist: Selbst der Rasen sah am Ende zufriedener aus als die Londoner Defensive. 07.06.643987 00:25 |
Sprücheklopfer
Bei uns kann jeder Spieler eine Rolex tragen, Ferrari fahren und Gucci-Unterhosen tragen. Doch wenn er sich auszieht und spielt, muss er Dreck fressen.
Rainer Calmund