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Es war angerichtet für einen dieser europäischen Abende, an denen das kleine Haka-Stadion in Valkeakoski zu einer brodelnden Arena wird. 27.000 Zuschauer, ein Flutlicht, das so hell strahlte wie die Hoffnungen der Heimfans - und am Ende doch ein Ergebnis, das sich eher wie ein kalter Eimer Wasser anfühlte: FF Haka verliert zum Start der Champions-League-Qualifikation mit 1:3 gegen die Margate Reds. Dabei schien zunächst alles nach Plan zu laufen. Schon in der 9. Minute brachte David Naot die Finnen in Führung - nach schöner Vorarbeit von Aki Ylönen, der den Ball mit chirurgischer Präzision in den Lauf seines Mitspielers legte. Naot nahm Maß, zog ab, und ehe Reds-Keeper Joshua Hannigan die Hände richtig sortiert hatte, zappelte der Ball im Netz. 1:0, und das Stadion bebte. "Da dachte ich, jetzt brechen wir sie", grinste Naot später, "aber anscheinend haben die Engländer noch einen extra Gang gefunden, von dem wir nichts wussten." Tatsächlich hatte Margate-Coach Ata Lameck seine Elf auf Angriff gebürstet. Die Statistik sprach Bände: 19 Torschüsse der Gäste gegenüber nur sieben von Haka. Und das, obwohl die Finnen mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz hatten - was man allerdings als "Ballhalten ohne Nutzen" bezeichnen könnte. Haka-Coach Holter Kos brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Ich weiß, was mir lieber ist." Die Engländer wirkten in der zweiten Halbzeit wie ausgewechselt - und das lag wohl auch an Lamecks Halbzeitansprache. "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen aufhören, höflich zu sein", verriet der Trainer mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und leichter Schadenfreude pendelte. In der 56. Minute war es dann soweit: Finlay Eliot, frisch eingewechselt und offenbar mit einem Espresso zu viel im Blut, setzte sich auf der rechten Seite durch und legte quer. Gardar Kristinsson, der bullige Isländer im Sturmzentrum, staubte eiskalt ab - 1:1. Und während Haka noch versuchte, sich neu zu sortieren, kam Margate erst richtig in Fahrt. Die Szene des Abends folgte in der 69. Minute: Karl Riedel, erst 23, aber schon mit der Ruhe eines alten Hasen, tänzelte am Strafraum entlang, passte in den Lauf von Kristinsson - und der traf wieder. 1:2, und diesmal sah Haka-Keeper Özer Saglik nur hinterher. "Wenn du zweimal denselben Typen frei stehen lässt, musst du dich nicht wundern", knurrte Verteidiger Antonio Ronaldo, der sich den Namen offenbar nicht nur aus Marketinggründen ausgesucht hat. Sieben Minuten später dann der endgültige Todesstoß: Der 19-jährige Kai Edwards, gerade erst eingewechselt, sprintete über links und legte zurück auf - richtig geraten - Karl Riedel. Der drückte den Ball aus 14 Metern trocken ins Eck. 1:3, und die Margate Reds feierten auf finnischem Rasen eine Party, die an ein englisches Pub erinnerte. Zwischendurch hatte der Schiedsrichter alle Hände voll zu tun. Gleich fünf Gelbe Karten, vier davon für die Gäste, deren Spielweise man wohlwollend als "robust" bezeichnen konnte. Besonders Atilay Demirel und Ellis Malfoy fielen durch rustikale Grätschen auf, die mehr nach Rugby als nach Fußball rochen. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Touristen sind", lachte Malfoy nach dem Spiel. FF Haka versuchte zwar, mit langen Bällen auf Timm Renner und Jefim Filatow noch einmal Druck aufzubauen, doch die Margate-Abwehr stand wie eine englische Steinmauer. Und wenn doch mal ein Ball durchrutschte, war Keeper Hannigan da - manchmal mit den Fäusten, manchmal mit vollem Körpereinsatz. Nach Abpfiff stand Holter Kos mit verschränkten Armen in der Coachingzone und blickte auf die Anzeigetafel. "1:3 - das sieht schlimmer aus, als es war", meinte er trotzig. "Aber wenn man ehrlich ist: Margate hat uns in der zweiten Halbzeit einfach überrollt." Die Engländer hingegen sangen in der Kabine bereits vom "Red Storm", wie sie sich selbst nennen. Kristinsson, der Doppeltorschütze, fasste es nüchtern zusammen: "Wir haben einfach weitergemacht. Es war kein Hexenwerk - nur Fußball." Ein Abend also, der zeigt, dass Ballbesitzstatistiken keine Spiele gewinnen und dass die Margate Reds vielleicht mehr sind als nur ein Außenseiter in dieser Qualifikationsrunde. FF Haka dagegen muss sich fragen, wo die Energie der ersten Halbzeit geblieben ist. Vielleicht im Kabinengang, vielleicht in den Köpfen. Und irgendwo in Margate wird man heute Nacht noch ein Pint auf diesen Sieg heben - während in Valkeakoski die Lichter ein wenig früher ausgehen. 09.06.643990 03:56 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs