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Wenn man an einem kalten Februarabend ins Old Trafford - pardon, ins "Devils Stadium" - pilgert, erwartet man Leidenschaft, Kampf und ein bisschen Drama. Was die 41.104 Zuschauer am 21. Spieltag der 1. Liga England allerdings geboten bekamen, war eine rot-schwarze Gala, die selbst die eingefleischtesten London-Fans sprachlos machte. 4:0 hieß es am Ende für die Manchester Devils gegen die London Blues - und ehrlich gesagt: Das Ergebnis schmeichelt den Gästen. Trainer Ronnie Ekström hatte sein Team von Beginn an offensiv eingestellt. "Wir wollten zeigen, dass der Ball uns gehört", grinste der Schwede nach dem Spiel, und der Ball gehorchte tatsächlich: 54 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse, vier Treffer - eine Statistik, die klingt, als hätte sie ein PR-Berater der Devils persönlich geschrieben. Schon nach neun Minuten bebte das Stadion. Rechtsverteidiger Alen Rajic, sonst eher für rustikale Grätschen als für feine Treffer bekannt, überraschte Freund und Feind mit einem platzierten Schuss ins linke Eck. Stürmer Mika Kuqi hatte den Ball vorher mustergültig aufgelegt - so mustergültig, dass Rajic später schmunzelnd zugab: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte andere Pläne." Die Blues? Nun ja. Trainer Guido Träger hatte seine Mannschaft defensiv eingestellt, auf Konter lauernd, mit "starker Aggressivität" in den Daten und auf dem Platz. Doch jeder Versuch, Ordnung in die Defensive zu bringen, zerbröselte wie ein schlecht gebackener Butterkeks. Einziger Lichtblick: Taylan Cetin prüfte in der 19. Minute den Devils-Keeper Amram Hanegbi mit einem satten Fernschuss - einer von insgesamt zwei Torschüssen der Gäste im gesamten Spiel. In der 41. Minute setzte Logan Nolan den nächsten Stich. Nach feiner Vorarbeit von Jamie Kirwan traf der linke Flügelstürmer trocken ins lange Eck. 2:0 zur Pause, verdient und hochverdient. Träger reagierte, brachte zur zweiten Hälfte den jungen Luca Grisolia für Nick Landry und hoffte wohl auf Stabilität. Stattdessen sah er zu, wie seine Mannschaft immer tiefer in die eigene Hälfte gedrückt wurde. "Wir wollten kontern, aber man braucht dazu den Ball", sagte Träger hinterher trocken. Ironischerweise hatte er damit den Spielverlauf perfekt zusammengefasst. In der 61. Minute durfte dann der frisch eingewechselte Agafon Swetlow jubeln. Nach einem perfekten Pass von Vicente Peyroteo tanzte der 31-Jährige den London-Keeper Leo Wyler aus und schob locker zum 3:0 ein. Ekström nutzte die komfortable Führung, um Nachwuchsstürmer Marcus Steffens ins Spiel zu bringen - der 20-Jährige wirbelte mit jugendlichem Übermut, als wolle er beweisen, dass die Zukunft der Devils schon längst begonnen hat. Den Schlusspunkt setzte in der 82. Minute Rafet Kisa, der sich nach Flanke von Jean-Pierre Bettencourt in die Torschützenliste eintrug. 4:0, und die Blues baten innerlich wohl schon um den Abpfiff. Bettencourt lachte später: "Rafet hat gesagt, ich solle ihn einfach treffen - den Ball, nicht ihn. Hat funktioniert." Statistisch gesehen war das Ganze eine Demonstration: 20 zu 2 Torschüsse, 57 Prozent Zweikampfquote, 54 Prozent Ballbesitz. Die Devils spielten mit einer Unbekümmertheit, die man in Manchester lange vermisst hatte. Ekström lobte sein Team überschwänglich: "Wir haben endlich wieder Spaß am Fußball. Und wenn wir Spaß haben, wird’s gefährlich für den Gegner." Während die Fans der Devils fröhlich "We are top again" sangen (oder zumindest davon träumten), verabschiedeten sich die Blues mit hängenden Köpfen. Guido Träger blieb sachlich: "Das war heute Männerfußball - leider nur von einer Mannschaft." Ein kleines Bonmot am Rande: Als Rajic in der Mixed Zone gefragt wurde, ob er jetzt öfter treffen will, antwortete er trocken: "Nur, wenn’s so leicht bleibt." Am Ende war es ein Abend, wie ihn die Devils lieben: laut, rot, dominant. Und für die Blues einer dieser Tage, an denen man sich wünscht, es gäbe im Fußball so etwas wie eine "Snooze"-Taste - kurz drücken, noch mal versuchen. Doch die Realität bleibt: 0:4, klare Sache. Vielleicht könnte man sagen: Die Devils spielten wie der Teufel, die Blues wie vom Glauben abgefallen. Und irgendwo in Manchester polierte ein Fan schon mal den Pokal - nur für alle Fälle. 28.01.643991 00:00 |
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Wir spielen hinten Mann gegen Mann, und ich spiel gegen den Mann.
Olaf Thon