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Es war ein englischer Fußballabend, wie ihn selbst die altehrwürdige Tribüne von Old Trafford nicht jeden Sonntag erlebt: 51.584 Zuschauer, sieben Tore, zwei Gelbe Karten und ein wütender Trainer, der nach dem Schlusspfiff mit verschränkten Armen in die Kabine stapfte. Am Ende jubelte der FC Southampton über ein 4:3 beim favorisierten Manchester Devils - ein Ergebnis, das sich liest wie ein Krimi und sich auch so anfühlte. Schon nach fünf Minuten begann das Drama. Danijel Jarakovic, eigentlich linker Verteidiger, entschied sich spontan, die Jobbeschreibung etwas kreativer auszulegen. Nach einem Doppelpass mit Mittelfeldmotor Manuel Pastorino zog er aus vollem Lauf ab - 1:0! "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der 22-Jährige später und fügte trocken hinzu: "Vielleicht sollte ich öfter vergessen, dass ich Verteidiger bin." Die Devils setzten nach. In der 21. Minute legte Logan Nolan nach, eiskalt nach Vorlage von Jean-Pierre Bettencourt. 2:0 - und die Tribüne sang bereits von der Tabellenführung. Doch wer die Devils kennt, weiß: Wenn sie früh führen, ist das Spiel noch lange nicht entschieden. Southampton schüttelte sich kurz und begann, an sich zu glauben. In der 39. Minute donnerte Charles Bail, ebenfalls ein Linksverteidiger, den Ball nach Vorarbeit des jungen Gabriel Beecroft ins Netz. 2:1 - der Anschlusstreffer zur besten Zeit. "Da wussten wir, dass hier noch was geht", meinte Saints-Coach Michael Böning später, mit einem Lächeln, das zwischen Genugtuung und Erschöpfung schwankte. Die zweite Hälfte begann, wie sie in jedem Lehrbuch über Momentum beschrieben wird - nur ohne Lehrbuch, dafür mit Chaos. 46. Minute: Jan Ovesen trifft nach Flanke von Gabri Yanez zum 2:2. Drei Minuten später: Manuel Tiago, ganz Mittelstürmer, verwandelt eine abgefälschte Hereingabe eiskalt - 2:3. Die Devils schauten sich gegenseitig an, als hätten sie den Wetterbericht von gestern gelesen. Doch das Spiel war noch nicht fertig mit ihnen. In der 52. Minute zog Bettencourt selbst ab, nach Zuspiel von Christopher Bancroft - 3:3! Der Jubel war groß, die Hoffnung zurück. Trainer Reto Klopfenstein brüllte: "Jetzt bleiben wir dran!" - und Southampton antwortete prompt mit einem weiteren Nadelstich. Nur zwei Minuten später drosch Gabri Yanez den Ball aus zwanzig Metern ins Eck. 3:4. "Ich habe einfach gespürt, dass er reingeht", sagte Yanez später und zuckte mit den Schultern. Solche Sätze hört man meist nur von Siegern. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Zehn Torschüsse auf jeder Seite, 55 Prozent Ballbesitz für Manchester - und doch schienen die Gäste immer das letzte Wort zu haben. Die Devils versuchten es mit langen Bällen, mit Flanken, mit Wut. Jacob Ross scheiterte in der 61. Minute, Bettencourt in der 70. - und als Klopfenstein in der 78. Minute Rafet Kisa vom Platz nahm und Routinier Aad Putnam brachte, war klar: Jetzt oder nie. Stattdessen: Gelbe Karte für Jarakovic (78.), Gelbe Karte für Yanez (79.) und betretenes Schweigen auf den Rängen. "Wir haben alles reingehauen, aber manchmal ist Fußball einfach gemein", murmelte Nolan nach dem Abpfiff, während er sich die Schienbeinschoner auszog. Southampton verteidigte clever, ließ die Uhr laufen, wechselte in der 85. Minute noch einmal, um Zeit zu gewinnen. Böning grinste: "Manchmal muss man eben auch hässlich gewinnen." Klopfenstein dagegen war nicht nach Lachen zumute. "Vier Gegentore zu Hause? Das ist ein Witz", knurrte er auf der Pressekonferenz. "Wir haben 55 Prozent Ballbesitz, also offenbar 55 Prozent Ball - aber null Prozent Kontrolle." Die Statistik untermauert das Drama: Gleichstand bei Torschüssen (10:10), leichtes Übergewicht bei Ballbesitz für die Devils - und trotzdem kein Punkt. Southampton spielte zielstrebig, aggressiv, mit jugendlicher Furchtlosigkeit. Drei ihrer Torschützen - Bail, Ovesen und Beecroft - sind kaum älter als 22. Am Ende blieb den Devils nur der Applaus der eigenen Fans, die trotz allem weiter sangen. Southampton feierte ausgelassen in der Gästekurve - vier Tore auswärts, drei Punkte im Gepäck und ein Trainer, der sich ein Grinsen kaum verkneifen konnte. "Wenn man in Manchester gewinnt, darf man ruhig mal drüber nachdenken, das Stadion umzubenennen", witzelte Böning auf dem Weg in den Mannschaftsbus. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb das Gefühl, Zeuge eines jener Spiele gewesen zu sein, die man Jahre später noch mit einem Kopfschütteln erzählt: "Weißt du noch, als die Devils 2:0 führten - und trotzdem verloren?" Englischer Fußball eben: laut, wild, unvernünftig - und verdammt unterhaltsam. 22.02.643987 20:00 |
Sprücheklopfer
Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
Felix Magath