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37285 Zuschauer im altehrwürdigen Stadio Mario Rigamonti sahen am Sonntagabend ein Spiel, das man wohl unter der Rubrik "Ballbesitz ist nicht alles" ablegen darf. US Brescia dominierte die Kugel, Manchester Devils aber das Ergebnis - 1:3 hieß es am Ende, und das war so verdient wie ernüchternd für die Italiener. Schon in der sechsten Minute zeigte Jamie Kirwan, warum die Engländer ihn "The Metronome" nennen. Nach einem schnellen Vorstoß über rechts legte Alen Rajic quer, Kirwan nahm Maß - und traf eiskalt ins lange Eck. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", schmunzelte Brescias Keeper Nicola Degano später, "aber offenbar dachte der Ball anders." Das frühe 0:1 war ein Schock für die Gastgeber, die bis dahin offensiv begonnen hatten, und Trainer Patras Egomanis brüllte an der Seitenlinie so laut, dass selbst die Tauben auf der Haupttribüne kurz verstummten. Doch Brescia wäre nicht Brescia, wenn sie sich nicht zurückkämpfen würden. Nach rund einer halben Stunde lief der Ball wie an der Schnur gezogen durch die Reihen, Carles Derlei schickte den pfeilschnellen Mario Coviello, und der 23-Jährige vollendete in der 34. Minute mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck. 1:1 - verdient, stimmungsvoll, und Egomanis ballte beide Fäuste in den Abendhimmel. "Das war genau der Fußball, den wir spielen wollen", sagte er später, "aber leider dauert ein Spiel länger als 35 Minuten." Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, schlug wieder Jamie Kirwan zu - diesmal nach Vorarbeit des agilen Asen Christow. 46. Minute, 1:2, und Brescia wirkte, als habe jemand den Stecker gezogen. Statt weiter mutig zu kombinieren, verloren sie sich in Querpässen. Die Engländer dagegen rochen Blut. "Wir wussten, dass sie viel Ballbesitz haben würden", grinste Devils-Coach Ronnie Ekström nach der Partie, "aber wir nehmen lieber Tore als Prozentzahlen." Und so fiel in der 59. Minute die Vorentscheidung: Mika Kuqi, bisher eher unauffällig, verwertete eine präzise Flanke Kirwans zum 1:3. Während die Devils jubelten, diskutierte Egomanis wild mit seinem Assistenten - angeblich über die Frage, ob man Kuqi wirklich so frei stehen lassen durfte. Die Antwort: Nein. Statistisch war das Ganze ein Kuriosum: Brescia kam auf stolze 58 Prozent Ballbesitz, aber nur sechs Torschüsse. Manchester dagegen schoss 19-mal aufs Tor - also dreimal so oft, und das mit weniger vom Ball. "Manchmal ist weniger eben mehr", meinte Kirwan trocken, als er die Auszeichnung zum "Man of the Match" entgegennahm. In der Schlussphase wurde es noch hitzig. Arnaud Van der Elst sah Gelb in der 57. Minute, Marek Dobias folgte in der Nachspielzeit - beide Male für Frustaktionen, die man sonst eher von Kreisliga-Sonntagen kennt. Auf der anderen Seite sammelte Ivica Dordevic gleich zwei Verwarnungen (72. und 82. Minute) und durfte nach Gelb-Rot in der 87. früh duschen. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte der serbische Innenverteidiger, "aber der Ball war halt... sehr beweglich." Sein Trainer Ekström kommentierte das mit einem schiefen Lächeln: "Ivica hat Leidenschaft. Manchmal etwas zu viel." Egomanis versuchte mit frischen Kräften - Tiago Suero kam für den müden Coviello - noch einmal das Ruder herumzureißen, doch die Musik spielte längst in Rot-Schwarz. Die Devils verteidigten clever, ließen Brescia anlaufen und konterten mit der stoischen Ruhe einer Mannschaft, die weiß, dass sie an diesem Abend einfach besser war. Nach dem Schlusspfiff standen die Brescia-Spieler enttäuscht im Mittelkreis, während die Engländer zu ihren Fans tanzten. "Wir müssen lernen, effizienter zu sein", sagte Egomanis, "wir haben das Spiel eigentlich in der Hand gehabt - aber leider auch die falschen Hände." Und auch Kapitän Emiliano Castrovillari klang resigniert: "Wenn man 58 Prozent Ballbesitz hat und trotzdem verliert, sollte man vielleicht mal fragen, was die anderen 42 Prozent so machen." Die Antwort gaben die Devils auf dem Platz - vier Torschützen, pardon: drei Tore, zwei Vorlagen Kirwan, ein Statement. So startet Manchester furios in die Gruppenphase der Conference League, während Brescia trotz schöner Kombinationen wieder einmal an der eigenen Harmlosigkeit scheitert. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne murmelte: "Wir haben den Ball geliebt, und der Ball hat uns verraten." Ein Satz, der wohl noch ein paar Tage in Brescia nachhallen dürfte. 19.01.643994 21:37 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler