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An einem kühlen Montagabend in Manchester, Flutlicht an, Rasen leicht feucht, 28.748 Zuschauer im Stadion - und eine Partie, die alles hatte: Spannung, Karten, jugendliche Unbekümmertheit und einen Trainer, der nach Abpfiff mehr gestikulierte als während der 90 Minuten. Am Ende stand ein 2:1-Sieg der Manchester Blues gegen tapfere Gäste aus Swindon, die sich lange nicht geschlagen geben wollten. Es begann wie so oft in dieser Saison: Die Blues kombinierten gefällig, hielten den Ball, schoben ihn geduldig durch die eigenen Reihen - laut Statistik besaßen sie stolze 56 Prozent Ballbesitz - doch der erste Jubel gehörte den Gästen. In der 13. Minute nutzte Swindons Routinier Joseph Greenwald eine kleine Schlafmützigkeit in der Blues-Abwehr und traf nach Vorarbeit von John Valentine zur überraschenden Führung. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Innenverteidiger Ruben Östergaard später mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Schuldbewusstsein und Ratlosigkeit schwankte. Doch lange durften die Gäste nicht träumen. Nur 14 Minuten später, in der 27. Minute, zappelte der Ball auf der anderen Seite im Netz: Yannik Gancarczyk, gerade einmal 20 Jahre alt, drosch die Kugel nach feinem Zuspiel von Riley Bosworth trocken ins Eck. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu viel denkst, geht’s daneben", grinste der Nachwuchsstürmer hinterher. Trainer Daniel Kontsch nickte zufrieden, aber nicht ohne den obligatorischen Nachsatz: "Junge Spieler dürfen Fehler machen - nur nicht zweimal denselben in einem Spiel." Zur Pause stand es 1:1, und die 28.748 Zuschauer wärmten sich mit Tee, Gesängen und leichten Diskussionen über den Schiedsrichter auf. Swindon-Trainer Barney Cheep dagegen kochte innerlich. "Wir haben zu tief gestanden. Das 1:1 war verdient, aber wir hätten mehr Mut zeigen müssen", sagte er später. Nach Wiederbeginn waren es dann wieder die Blues, die den Takt angaben. Nur vier Minuten nach dem Pfiff zur zweiten Halbzeit schlug es erneut ein: Ophir Naot, der unermüdliche Mittelfeldmotor, traf in der 49. Minute nach Vorarbeit von Bradley Thuringer. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - schnelles Flügelspiel, flache Hereingabe, direkter Abschluss. 2:1. Der Stadionsprecher hatte Mühe, gegen das Jubelgewitter anzukommen. Swindon versuchte sich zu wehren, kam auf neun Torschüsse insgesamt, aber spätestens ab der 69. Minute wurde es richtig zäh. Denn Louis Graysmark, der ohnehin schon Gelb gesehen hatte, ließ sich zu einem taktisch wenig klugen Foul hinreißen - Gelb-Rot, und Swindon musste in Unterzahl weiter. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich Graysmark, bevor er in der Kabine verschwand. Sein Trainer schüttelte den Kopf: "Er hat tatsächlich etwas getroffen - aber leider nicht das Richtige." Die Blues kontrollierten fortan das Geschehen, auch wenn sie am Ende nervös wurden. In der Schlussphase holte sich gleich doppelt Gelb ab: Östergaard (89.) und Linares (90.) - offenbar war die Konzentration schon bei der Siegesfeier. Doch Keeper Knud Gruber, sonst kaum gefordert, blieb ruhig, pflückte die letzten hohen Bälle herunter und streckte die Faust in den Nachthimmel, als der Schlusspfiff ertönte. Statistisch war es ein verdienter Sieg: 12 Torschüsse zu 9, leichtes Übergewicht in den Zweikämpfen (51,8 Prozent), mehr Ballbesitz, und zwei sauber herausgespielte Tore. Doch das Ergebnis täuscht etwas über die Nervosität hinweg, die das Heimteam zwischenzeitlich zeigte. Nach dem Spiel sagte Trainer Kontsch trocken: "Wir haben’s spannend gemacht - aus reiner Höflichkeit gegenüber den Zuschauern." Swindon-Coach Cheep konterte mit einem bitteren Lächeln: "Wenn Höflichkeit so aussieht, möchte ich unhöfliche Gegner lieber nicht sehen." Und so gingen beide Teams in die Nacht: die Blues mit drei Punkten und einem Lächeln, Swindon mit viel Frust, aber auch der Gewissheit, dass man selbst gegen einen Favoriten mithalten kann - zumindest bis zum nächsten Gelb-Roten. Vielleicht fasste es der junge Gancarczyk am besten zusammen, als er beim Rausgehen zu einem Fan sagte: "2:1 klingt knapp, aber ehrlich - das reicht mir völlig." Ein Satz, der bleibt. Wie der Sieg selbst. 18.06.643987 00:30 |
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Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht.
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