// Startseite
| Marca |
| +++ Sportzeitung für Spanien +++ |
|
|
|
Manchmal fragt man sich, ob Fußballer Drehbuchautoren heimlich beneiden. Wenn man das 3:2 von RSO Mallorca gegen CA La Coruna am 20. Spieltag der 2. Liga Spanien gesehen hat, könnte man meinen: Hier war einer am Werk, der Spannung, Drama und ein Happy End liebt. 23 281 Zuschauer im Estadio Son Moix sahen am Mittwochabend einen Film in fünf Akten - mit einem 19-jährigen Hauptdarsteller namens Julio Salinas. Mallorca begann verhalten, aber nicht schüchtern. Trainer Ciriaco Sforza hatte seine Elf, wie gewohnt, ausgewogen eingestellt - kein wildes Pressing, kein Chaos, einfach geduldiger Ballbesitz (am Ende 53 Prozent). "Wir wollten nicht gleich den Helden spielen", sagte Sforza danach mit einem Grinsen. Dennoch durfte das Publikum schon in der 28. Minute jubeln: Agustin Djalo flankte präzise von rechts, Salinas nahm den Ball direkt - 1:0. Ein Tor, das so sauber war, dass selbst der Rasen kurz errötete. Doch La Coruna, trainiert vom stets gestenreichen Reti Retinho, reagierte wie ein beleidigter Gast: energisch. Die Galicier setzten auf Offensive, riskierten viel und hatten mit Dmitri Golikow (18 Jahre jung und offenbar ohne Nerven) ihren eigenen Shootingstar. In der 38. Minute drosch er den Ball nach feiner Vorarbeit von Hugo Vazques unter die Latte - 1:1. Nur eine Minute später musste La Coruna allerdings den ersten Dämpfer verkraften: Jakob Schwarz verletzte sich bei einem Sprintduell, humpelte vom Platz, und Tord Brun kam. Kurz vor der Pause dann der Moment, in dem Mallorcas Defensive kollektiv den Kaffee verschüttete: Daniel Albu stand nach einem Pass durch die Gasse völlig frei und schob zum 1:2 ein (45.). "Ich dachte, der Schiedsrichter pfeift ab. Hat er aber nicht", murmelte Mallorcas Innenverteidiger Xavi Romero später und grinste verlegen. Mit dem Rückstand ging es in die Kabine - und die Heimfans suchten Trost in der Pausenlimonade. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel ruppiger, aber nie unfair. Djalo sah in der 44. Minute (nachträglich notiert) Gelb für ein taktisches Foul, das er selbst als "künstlerische Interpretation der Defensive" bezeichnete. La Coruna hatte mehr Torschüsse (9:6 insgesamt), doch das Glück verließ sie in der Schlussphase. Mehrmals prüfte Albu Mallorcas jungen Keeper Miguel Figo, der an diesem Abend die Reflexe eines Katzenbabys auf Energy-Drink zeigte. Und dann kam die 81. Minute. Wieder Salinas. Diesmal nach einem langen Pass von Innenverteidiger Romero - ja, genau der, der vor der Halbzeit noch gegrinst hatte. Salinas nahm den Ball, drehte sich, schob ein. 2:2. Die Tribünen bebten, Sforza riss die Arme hoch, und Retinho trat gegen eine Wasserflasche, als wäre sie schuld. Eine Minute später, als La Coruna noch sortierte, spielte Antonio Exposito quer auf Harrison Forsythe. Der Engländer zog aus 18 Metern ab, der Ball zischte ins Eck - 3:2, 82. Minute. Das Stadion explodierte. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte Forsythe später, als würde er über einen Sonntagsschuss im Park reden. Sforza ergänzte trocken: "Das war kein Zufall, das war Training. Also… manchmal wenigstens." Auf der anderen Seite rang Retinho mit Worten: "Wir waren das bessere Team - bis die Tore fielen." Man kann es ihm kaum verdenken. Seine Mannschaft hatte alles versucht, sogar in der Nachspielzeit (92.) noch durch Golikow, doch Figo hielt wieder überragend. Statistisch blieb das Spiel ausgeglichen: Mallorca mit leicht mehr Ballbesitz, La Coruna mit mehr Abschlüssen, beide mit jugendlichem Sturmgeist und gelegentlicher taktischer Naivität. Die Zuschauer bekamen dafür das, was man in der Liga selten bekommt - fünf Tore, Emotionen, und keine Spur von Langeweile. Die letzten Minuten spielten sich wie ein Rausch: Mallorca verteidigte mit allem, was Beine hatte, und Sforza brüllte so laut, dass selbst die Ersatzspieler zusammenzuckten. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Salinas seinem Trainer um den Hals. "Das war das beste Spiel meines Lebens - bisher", sagte er. Und wer weiß, vielleicht schreibt der Junge ja noch ein paar Kapitel dazu. Ein kleines Schlusswort für die Statistikfreunde: Drei Tore für Mallorca (zwei Salinas, eins Forsythe), zwei für La Coruna (Golikow, Albu), 3:2-Endstand, 1:2 zur Pause. Sechs Schüsse aufs Tor für die Gastgeber, neun für die Gäste, ein Herzinfarkt für jeden neutralen Zuschauer. Und für alle Romantiker: Wieder einmal hat der Fußball gezeigt, dass Drehbücher überflüssig sind - zumindest, wenn 19-Jährige die Hauptrollen übernehmen. 07.09.643987 14:49 |
Sprücheklopfer
Durch unsere Reihen konnte man locker mit einem LKW fahren und bequem drehen.
Klaus Toppmöller zur mangelhaften Raumaufteilung seiner Mannschaft