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Es war einer dieser Abende, an denen Fußball seine unberechenbare Seele zeigt: 16.000 Zuschauer im Estadio Federativo Malagueño sahen beim 2:2 gegen UD Elche ein Spiel, das zwischen jugendlicher Unbekümmertheit und taktischem Kalkül pendelte - garniert mit zwei Doppeltorschützen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Elche begann, als sei die Uhr noch gar nicht richtig angelaufen. Gerade drei Minuten waren gespielt, als der 19-jährige Caio Chalana, ein drahtiger Stürmer mit einem Lächeln wie aus einer Waschmittelwerbung, plötzlich durch war. Ein kurzer Blick, ein flacher Schuss - 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Chalana später, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Malagueño brauchte ein paar Minuten, um sich zu sortieren. Trainer des Heimteams? Nicht überliefert - aber wer immer es war, er dürfte in der 24. Minute erleichtert aufgeatmet haben. Denn da jagte Raffaello Villa, der elegante Linksaußen mit der Frisur eines Operntenors, den Ball nach feinem Zuspiel des 17-jährigen Albert Varela in die Maschen. 1:1 - und der Jubel war so laut, dass selbst die Möwen über dem Stadion kurz die Flugbahn änderten. Doch Elche ließ sich davon nicht beirren. Genau in der letzten Minute der ersten Halbzeit, als viele schon in der Schlange für die Pausen-Bocadillos standen, schlug wieder Chalana zu. Diesmal nach Pass von Emilio Molina: ein trockener Schuss, halbhoch ins Eck. Die Gäste führten 2:1 - und Trainer Mike Johnson klatschte so dezent, als habe er gerade eine besonders knifflige Excel-Tabelle abgeschlossen. "Wir wollten kompakt bleiben und Nadelstiche setzen", erklärte Johnson später sachlich. "Zwei Stiche, zwei Treffer - das war okay." Malagueño kam mit Wut und Ballbesitz aus der Kabine. Am Ende standen 54,6 Prozent Ballkontrolle und 13 Torschüsse zu Buche - statistische Dominanz, die sich lange nicht im Resultat zeigte. Villa prüfte Elches Keeper Artjom Kutschewski mehrfach (75., 77.), während der junge Xavi Fontàs auf rechts mit jeder Flanke ein kleines Abenteuer begann. Nur der Ball wollte nicht hinein. Bis zur 84. Minute. Dann trat der Jüngste auf der Wiese ins Rampenlicht: Albert Varela, 17 Jahre, Mittelfeldmotor und - glaubt man seinen Mitspielern - der Einzige, der in der Kabine noch Hausaufgaben macht. Nach einem abgeblockten Schuss von Gallardo reagierte er blitzschnell und schob den Abpraller zum 2:2 über die Linie. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Varela später schüchtern. "Coach meinte, Mut wird belohnt." Elche wechselte danach defensiv: In der 87. Minute ging Torschütze Chalana runter, für ihn kam Abwehrmann Albin Karlsson - ein klares Signal. Johnson wollte den Punkt sichern. Doch Malagueño drückte weiter, Gallardo zwang Kutschewski noch einmal zu einer Glanztat (86.), ehe Schiedsrichter Ruiz die Partie abpfiff. Das Publikum verabschiedete die Teams mit Applaus, der sich anhörte wie ein kollektives "Na gut, wenigstens kein Ärger". Denn so recht wusste keiner, ob das Ergebnis nun gerecht war. Die Statistiken sagten: Malagueño aktiver, Elche effizienter. Die Emotionen sagten: ein Spiel, das keinem weh tat, aber auch keinem so richtig schmeckte. "Wir hätten gewinnen müssen", knurrte Villa in der Mixed Zone. "Aber wenn du vorne drei Chancen liegen lässt, darfst du dich hinten nicht beschweren." Sein Trainer - nennen wir ihn der Einfachheit halber Mister Taktik - sah das ähnlich: "Wir haben die Balance gehalten, aber manchmal fehlt uns der Killerinstinkt. Vielleicht sollten wir Caio mal ausleihen." Caio Chalana lachte, als er das hörte. "Ich bleibe lieber, wo ich bin", meinte er und setzte sich mit einem Schokoriegel auf die Bank. "Zwei Tore sind schön, aber drei wären besser gewesen." Am Ende blieb es beim 2:2 - ein Resultat, das beide Teams wohl in die Kategorie "kann man mit leben" einordnen dürften. Malagueño hatte Moral, Elche hatte Chalana, und das Publikum hatte einen Abend, über den man beim Frühstück noch kurz spricht, bevor man wieder den Wetterbericht liest. Und irgendwo in Málaga wird heute Abend ein Jugendtrainer einem 17-Jährigen auf die Schulter klopfen und sagen: "Albert, so fängt’s an." 07.09.643987 14:50 |
Sprücheklopfer
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Rudi Assauer auf die Frage, wann die Entscheidung zur Entlassung von Frank Neubarth gefallen sei