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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die man sich nicht trauen würde zu erfinden: Ein Innenverteidiger trifft in der 84. Minute, im eigenen Stadion, nach einer Flanke des Rechtsaußen - und löst damit ein kollektives Freudentaumeln unter fast 39.000 Zuschauern aus. SK Pruszkow gewinnt am 13. Spieltag der 1. Liga Polen mit 1:0 gegen Zielona Gora. Verdient, dominant, aber mit reichlich Nervenflattern bis zum Schluss. Von Beginn an war klar, wer Herr im Haus war. Pruszkow griff an, als gäbe es kein Morgen. Schon in der ersten Minute prüfte Domenik Szymkowiak den gegnerischen Keeper mit einem satten Schuss aus 16 Metern. Trainer Stefan Petruck hatte seine Elf klar offensiv eingestellt - Flügelspiel, schnelle Kombinationen, viele Abschlüsse. Zehn Torschüsse standen am Ende auf dem Konto der Hausherren, Zielona Gora brachte es auf exakt null. Man könnte also sagen, Torwart Humberto Miguel hatte einen ruhigen Abend - ein seltener Luxus für einen 18-jährigen Keeper. Doch so einfach war es dann doch nicht. "Wenn du so oft schießt und der Ball will einfach nicht rein, fängst du an, an höhere Mächte zu glauben", grinste Mittelfeldmotor Philip Szamotulski nach Abpfiff. Er selbst hatte in der 13. und 47. Minute beste Chancen, scheiterte aber jeweils an Esteban Nunez im Tor der Gäste, der an diesem Abend der einzige Grund war, warum die Partie nicht früh entschieden war. Zielona Gora dagegen wirkte, als wolle man lieber den Ball streicheln, statt ihn Richtung Tor zu bringen. Trainer Gregor Golski sah das naturgemäß etwas anders: "Wir wollten kontrolliert spielen, nicht kopflos rennen", erklärte er mit stoischer Ruhe. In der Praxis bedeutete das: 38 Prozent Ballbesitz, kaum Offensivaktionen, dafür eine Gelbe Karte für den 17-jährigen Arkadiusz Cyron, der sich in der 72. Minute ein rustikales Einsteigen leistete. Pruszkow drückte weiter, die Zeit lief - und dann kam Minute 84. Nach einer Druckphase über rechts schlug Angelo De Santis eine präzise Flanke in den Strafraum. Dort stieg - man glaubt es kaum - Innenverteidiger Ilja Malachow am höchsten und köpfte den Ball wuchtig ins Netz. Das Stadion explodierte. "Ich wollte eigentlich nur hinten absichern", lachte Malachow später. "Aber wenn Angelo flankt, weißt du, dass du besser mitläufst." Trainer Petruck feierte das Tor so ausgelassen, dass ihm kurz die Brille von der Nase rutschte. Die letzten Minuten wurden zur Zitterpartie - weniger, weil Zielona Gora gefährlich wurde, sondern weil Pruszkow das 2:0 nicht machte. Zbigniew Spizak, der quirlig-junge Stürmer, verzog in der 88. Minute knapp. "Ich hab den Ball gesehen, der Ball hat mich gesehen - und dann haben wir beide beschlossen, getrennte Wege zu gehen", witzelte Spizak anschließend. Statistisch war die Sache eindeutig: 61,5 Prozent Ballbesitz, fast 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, zehn Schüsse aufs Tor. Zielona Gora? Null. Ein Spiel, das eher an Handball erinnerte, nur dass die Gäste das Tor weiträumig mieden. "Wir müssen lernen, mutiger zu spielen", gab Golski zu. "Aber vielleicht fangen wir damit nächste Woche an." Für Pruszkow war der Sieg ein wichtiger Schritt nach vorn - nicht nur tabellarisch, sondern auch mental. "Wir haben Geduld bewiesen", lobte Petruck. "Und Ilja hat uns belohnt." Der Trainer war sichtlich zufrieden mit seiner Offensivphilosophie über die Flügel, die an diesem Abend konsequent umgesetzt wurde. "Offensiv bleiben, auch wenn’s weh tut", fasste er zusammen. Als die Mannschaft nach Abpfiff eine Ehrenrunde drehte, blieb Malachow kurz am Mittelkreis stehen, schaute in die jubelnde Kurve und klopfte sich auf die Brust. Vielleicht dachte er an die vielen Spiele, in denen Abwehrspieler nur auffallen, wenn etwas schiefgeht. Diesmal war er der Held - und das völlig zurecht. Zielona Gora dagegen wird die Heimfahrt wohl schweigend antreten. Kein einziger Torschuss, kein Funken Gefahr - das ist schwer schönzureden. "Wir haben heute vieles richtig gemacht", meinte Golski zum Schluss trotzdem, "nur leider nichts nach vorne." Und so endete dieser kalte Februarabend in Pruszkow mit einem Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine ganze Menge Wärme im Stadion hinterließ. 1:0 - knapp, aber klar. Ein Spiel, das zeigte, dass Fußball manchmal einfach ist: Wer öfter aufs Tor schießt, gewinnt. Auch wenn es am Ende ein Innenverteidiger richten muss. 16.10.643990 03:52 |
Sprücheklopfer
Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.
Andreas Möller