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Ein nasskalter Februarabend, Flutlicht über dem City Ground, 54.523 Fans mit warmem Tee in der Hand - und dann das: 2:2 zwischen den Nottingham Magpies und dem FC Millwall, ein Spiel, das alles hatte, was ein englischer Fußballabend braucht: frühe Euphorie, jugendlichen Leichtsinn, späte Dramatik und dazwischen jede Menge Rasen-Getrete. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da flogen die ersten Tropfen - und die ersten Torschüsse. Keine zwei Minuten waren gespielt, als Gianmarco Arena, eigentlich Rechtsverteidiger, beschloss, dass er nicht länger nur verteidigen wolle. Nach Vorlage von Alen Boksic zog der 22-Jährige ab, und Millwalls Keeper Samuel Catrall sah den Ball wohl nur im Rückspiegel: 1:0 für Nottingham. Trainer Christoffer Reedtz grinste später: "Ich wollte eigentlich, dass er hinten bleibt. Aber gut, vielleicht sollte ich ihn öfter mal verwechseln." Doch wer dachte, die Magpies würden das nun locker nach Hause spielen, hatte die Rechnung ohne Joseph Lockwood gemacht. Der 23-jährige Rechtsaußen von Millwall, der schon in der Anfangsphase dreimal gefährlich geworden war, bekam in der 22. Minute einen Pass von Youngster Ellis Roades - und zimmerte den Ball humorlos ins lange Eck. 1:1. "Ich hab einfach draufgehauen", erklärte Lockwood nach dem Spiel mit einem Schulterzucken, als hätte er gerade einen Pfosten getroffen und nicht den Ausgleich erzielt. Die erste Halbzeit blieb danach ein wilder Austausch von Halbchancen. Nottingham hatte etwas mehr Ballbesitz (53 Prozent), Millwall aber die klareren Gelegenheiten - 13 Torschüsse insgesamt sprechen eine deutliche Sprache. In der 37. Minute sah Magpies-Verteidiger Janos Bodog Gelb, nachdem er Lockwood auf eine Art stoppte, die man nur als "ungarisch kompromisslos" bezeichnen kann. Der Schiedsrichter zückte die Karte, Bodog grinste, und von der Tribüne kam Applaus - englisches Fairplay eben. Zur Pause reagierte Reedtz gleich dreifach: Torwartwechsel (Szymanowski für Jordao), Frischzellenkur auf der rechten Seite (Herreros und Futre kamen). Millwall-Coach Sonny Crocket, dessen Mannschaft bis dahin eher defensiv agiert hatte, brachte den erfahrenen Alfie Callahan und flüsterte ihm zu: "Mach’s einfach wie in den guten alten Tagen." Die zweite Halbzeit begann mit viel Tempo und einer Portion jugendlicher Unbekümmertheit. Nottingham drückte, und in der 59. Minute wurde das belohnt: Der eingewechselte 18-jährige Domingo Herreros, nach einem klugen Pass des ebenfalls 18-jährigen Rafael Mascarenhas, traf überlegt zum 2:1. Jubel, Feuerwerk, Bierduschen auf der Tribüne. "Ich hab nicht mal gesehen, dass er den Ball bekommt", staunte Trainer Reedtz später. "Ich war zu sehr damit beschäftigt, meinen Kaffee nicht zu verschütten." Millwall antwortete mit wütenden Angriffen, doch Szymanowski im Magpies-Tor hielt, was zu halten war - bis zur 90. Minute. Als die Fans schon "We are Magpies" anstimmten, schlug Ellis Roades, der 18-Jährige, noch einmal zu. Nach einer Ecke von Joshua Leachman sprang er höher als alle anderen und köpfte den Ball in die lange Ecke. 2:2. Stille im Stadion - außer im Gästeblock, wo 3.000 Londoner Fans ihr Bier auf die Trainerbank verteilten. "Das war Millwall pur", grinste Crocket später. "Wir warten 89 Minuten, um dann den Spaß zu verderben." Reedtz hingegen starrte ins Leere: "Wenn du in der 90. Minute so ein Ding kassierst, willst du einfach in den Bus steigen und vergessen, dass dich jemand kennt." Statistisch gesehen war’s ein gerechtes Unentschieden: Magpies mit leichtem Ballbesitzvorteil, Millwall mit mehr Torschüssen. Taktisch blieb’s gegensätzlich - Nottingham mutig und aggressiv, Millwall defensiv-diszipliniert. Und so war auch das Resultat ein Spiegelbild des Abends: kein Sieger, aber jede Menge Geschichten. In der Mixed Zone scherzte Lockwood: "Ich glaub, ich hab heute mehr geschossen als sonst in einem Monat." Und Herreros, der jüngste Torschütze des Abends, fragte frech: "Zählt das jetzt als Premier-League-Tor, oder muss ich noch warten?" Am Ende trennten sich beide Teams mit einem Lächeln - die einen, weil sie gerettet hatten, was zu retten war, die anderen, weil sie immerhin nicht verloren. Und irgendwo zwischen den Tribünenblöcken summte ein Fan: "Typisch Magpies - schön anfangen, schön nachlassen." Ein klassischer englischer Fußballabend also: nass, ehrlich, dramatisch - und mit einem Ergebnis, das keiner wollte und doch jeder akzeptierte. 04.01.643991 22:54 |
Sprücheklopfer
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Fritz Walter Junior auf die Frage, wie denn seine Frau heißt