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Ein nasskalter Februarabend, 49.070 Zuschauer im St. Mary’s Stadium - und ein Spiel, das so viel Tempo, Chaos und Tore bot, dass selbst der Kaffee auf der Pressetribüne nervös vibrierte. Der FC Southampton und die Nottingham Magpies lieferten sich am 17. Spieltag der 1. Liga England ein Offensivfeuerwerk, das am Ende mit 3:5 (2:4) zugunsten der Gäste endete. Wer zu spät kam, hatte Pech: Nach einer Viertelstunde stand es bereits 1:3. Southampton-Coach Michael Böning hatte sein Team gewohnt mutig eingestellt, offensiv, mit Pressing und vollem Einsatz - und so dauerte es nur fünf Minuten, bis Manuel Tiago nach Vorlage von Jan Ovesen den Ball ins Netz drosch. "Da dachten wir, das wird heute unser Abend", sagte Böning hinterher trocken. Leider irrte er sich. Denn Nottingham antwortete wie eine beleidigte Rockband auf der Zugabe: laut, präzise und gnadenlos. In der 9. Minute traf Matthew Cabell zum Ausgleich, vier Minuten später schlenzte Filipe Bischoff den Ball zum 2:1 ins lange Eck. Und kaum hatte der Stadionsprecher den Namen fertig ausgesprochen, legte Cabell nach - 3:1 für die Magpies nach 15 Minuten. Southampton wirkte konsterniert, die Defensive so offen wie die Stadiontore beim Einlass. "Wir wollten früh draufgehen, aber dann standen wir plötzlich überall - nur nicht da, wo der Ball war", gestand Kapitän Kai Whitman später. Immerhin: Die Saints gaben nicht auf. Jan Ovesen verkürzte in der 24. Minute auf 2:3 und rannte jubelnd zur Eckfahne, als wolle er sie persönlich umarmen. Doch Nottingham, angetrieben vom unermüdlichen Jay Darabont, hatte die passende Antwort parat: Cabell vollendete in der 32. Minute seinen Hattrick - 4:2 für die Gäste. Zur Pause sah Böning aus, als überlege er, ob er sich selbst einwechseln solle. Stattdessen gab er die Parole "Alles nach vorn!" aus - und tatsächlich: Nach dem Seitenwechsel rannte Southampton, kämpfte, biss. Liam Allington belohnte den Einsatz in der 60. Minute, nachdem Whitman ihn mit einem cleveren Pass bedient hatte. Nur eine Minute später allerdings bremste sich der Linksverteidiger selbst, als er Gelb sah. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte er, "aber der Ball wollte offensichtlich nicht." Nottingham blieb eiskalt. Während Southampton in der zweiten Hälfte 15 Torschüsse abfeuerte, konterten die Magpies mit chirurgischer Effizienz und 12 Abschlüssen - fünf davon im Netz. Den Schlusspunkt setzte Egidius Schermerhorn in der 78. Minute nach Vorlage von Mittelfeldmotor Matthew Barthez. Das 5:3 war so etwas wie das Siegel unter einer wilden Partie, die nie langweilig wurde. "Wir haben das Pressing der Saints erwartet", sagte Nottinghams Trainer Christoffer Reedtz nach dem Spiel, "aber wir wussten auch, dass hinter ihrer letzten Linie viel Platz ist. Diesmal haben wir ihn genutzt." Gelassen, fast amüsiert stand er in der Mixed Zone, während Böning ein paar Meter weiter mit finsterer Miene in sein Notizbuch kritzelte. Southampton warf in den Schlussminuten noch einmal alles nach vorne, brachte Mike Keil für Tiago, Bailey Kendall für Ovesen - frische Beine, aber kein neues Glück. Statt eines Wunders hagelte es noch Gelbe Karten: Whitman (61.), Yanez (67.) und Broderick (72.) sahen Gelb für etwas zu leidenschaftliche Zweikampfführung. Auf der anderen Seite erwischte es in der Nachspielzeit Filipe Bischoff - sinnbildlich für ein Spiel, das in Sachen Intensität keine Wünsche offenließ. Die Statistik erzählte am Ende eine kuriose Geschichte: Mehr Schüsse (15:12) und fast gleich viele gewonnene Zweikämpfe (50,9 zu 49,1 Prozent) für die Saints, aber das bessere Ende für Nottingham, das mit 54 Prozent Ballbesitz und gnadenloser Effizienz glänzte. "Manchmal ist Fußball einfach unfair", murmelte Böning auf dem Weg in die Kabine. Vielleicht. Aber für die Zuschauer war es ein Fest. Jubel, Frust, Gelb und fünf gegnerische Tore - ein Abend, über den man in Southampton wohl noch länger sprechen wird. Und wer weiß: Vielleicht übt der FC schon morgen wieder das Verteidigen. Nur zur Sicherheit - falls die Magpies irgendwann nochmal vorbeifliegen. 01.12.643990 05:55 |
Sprücheklopfer
Unter den Einäugigen ist der Dreibeinige der König.
Rainer Calmund