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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum man bei vier Grad, Nieselregen und Flutlicht im Stadion steht - und dann fällt in der 62. Minute ein Tor, und plötzlich weiß man’s wieder. Zukunft Magdeburg besiegte am 4. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) die Gäste von AWO Hagenow mit 1:0. Ein knappes Ergebnis, aber ein verdienter Sieg für eine Mannschaft, die 16 Torschüsse abfeuerte, während Hagenow sich mit vier begnügte. 9 663 Zuschauer sahen eine Partie, die sich zunächst wie ein klassischer Montagsabend-Krimi entwickelte: viel Ballbesitz, wenig Handlung. Magdeburg hatte 56,9 % der Kugel, aber in der ersten Halbzeit fehlte das letzte Quäntchen Zielstrebigkeit. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, wir könnten noch drei Stunden weiterspielen, ohne dass was passiert", grinste Trainer FC Zukunft nach dem Spiel selbstironisch. Dabei gab’s Chancen genug: Wilhelm Gerlach, der später zum Matchwinner werden sollte, prüfte Hagenows Torwart Helmut Schultz gleich mehrfach - in der 16., 38., 45., 46., 48. Minute und gefühlt in jedem zweiten Angriff. Doch der Ball wollte nicht rein. "Ich dachte schon, das Ding ist verhext", sagte Gerlach später. "Aber Christopher Wimmer meinte in der Pause zu mir: ’Mach’s einfach wie im Training, aber diesmal bitte nicht auf den Torwart.’" Die Gäste aus Hagenow hielten wacker dagegen, ohne wirklich gefährlich zu werden. Liam Pedersons Schuss in der 29. Minute war die erste und lange einzige ernsthafte Annäherung. In der 11. Minute hatte Verteidiger Agafon Grebennikow bereits Gelb gesehen - eine Art Vorwarnung, dass es kein Kuschelspiel werden würde. Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig. Magdeburg kombinierte, Hagenow verschob, das Publikum fror. Dann, in der 62. Minute, endlich Erlösung: Christopher Wimmer setzte sich im Mittelfeld durch, steckte clever auf Gerlach durch, und der traf - flach, trocken, unhaltbar. 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Gerlach später bescheiden. Trainer Zukunft lachte: "Das war kein einfach, das war endlich!" Hagenows Coach Martin Schmittel reagierte sofort, brachte frische Beine: Deha Parlak kam für den müden Luka Münch (58.), später Peter Sestak für Nils Kirsch (65.) und Marco Giorgio für Daniel Greiner (72.). Doch all diese Wechsel änderten wenig am Spielverlauf. Zukunft Magdeburg blieb dominant, sicher in den Zweikämpfen (55,3 % gewonnen) und ließ kaum noch etwas zu. Es war allerdings nicht alles eitel Sonnenschein: In der 70. Minute musste Luis Benitez verletzt vom Platz, nachdem er bei einem Pressschlag unglücklich umknickte. Joshua Hahn kam - und wurde sechs Minuten später selbst wieder ausgewechselt. "So viele Wechselpläne hatte ich gar nicht vorbereitet", murmelte Trainer Zukunft kopfschüttelnd, während er den 19-jährigen Volker Scholz einwechselte. Der junge Mann bedankte sich prompt mit zwei beherzten Torschüssen (86.) und einem Sprint über den halben Platz, der den Applaus der Tribüne einbrachte. Ein kleines Schmankerl am Rande: In der 85. Minute wechselte Magdeburg den Torwart. Predrag Trkulja, 34, machte Platz für den 21-jährigen Helmut Hinz. "Ich wollte ihm einfach mal die Atmosphäre gönnen", erklärte Zukunft später süffisant. "Und außerdem stand’s ja nur 1:0 - da kann man ruhig etwas Spannung reinbringen." Die letzten Minuten gehörten noch einmal Hagenow. Liam Pederson versuchte es in der 73. Minute aus der Distanz, aber sein Schuss ging ebenso vorbei wie die Hoffnung auf einen Punkt. Magdeburg verteidigte das knappe Ergebnis mit der Gelassenheit eines Teams, das wusste: Heute geht hier nichts mehr schief. Nach Abpfiff zogen die Spieler zu den Fans, Gerlach klatschte jeden einzeln ab. "So ein Tor und dann noch der Sieg - das fühlt sich einfach gut an", sagte er. Wimmer grinste daneben: "Ich sag’s ja: Einfach nicht auf den Torwart schießen!" Trainer Schmittel von AWO Hagenow wirkte gefasst: "Wir haben diszipliniert verteidigt, aber im Angriff fehlte der Mut. Vielleicht hätten wir mal mehr Risiko gehen sollen - oder einfach auch einen Gerlach im Team haben." Ein Spiel also ohne Glanz, aber mit Charakter. Zukunft Magdeburg zeigte, dass man auch mit taktischer Disziplin (defensive Grundordnung, kein Pressing, aber kontrolliertes Passspiel) Spiele gewinnen kann. Hagenow blieb bemüht, aber ideenlos - das statistische 43 % Ballbesitz sprach Bände. Und so endete dieser kalte Januarabend mit einem warmen Applaus. Magdeburg jubelte, Hagenow fror, und irgendwo zwischen den Flutlichtmasten schwebte das Gefühl, dass Fußball manchmal gar nicht schön sein muss, um zu gefallen. Oder wie Torhüter Trkulja es beim Verlassen des Platzes mit einem Augenzwinkern sagte: "Ich hab heute kaum was zu tun gehabt - das ist auch mal schön. Aber das nächste Mal bitte 2:0, damit ich nicht so zittern muss." 23.02.643987 01:21 |
Sprücheklopfer
Wir sind zu stark um da unten wieder rauszukommen.
Klaus Toppmöller