Cardiff Sports
+++ Sportzeitung für Wales +++

Madigan erlöst die Blues - 1:0-Arbeits­sieg gegen tapfere Reds

Es war einer dieser windigen Abende in Holyhead, an denen der Regen von der Seite kommt und die Chips in der Papiertüte vom Wind fast so schnell verschwinden wie die Hoffnung des Gegners auf Punkte. 36.941 Zuschauer im altehrwürdigen Seaside Ground sahen eine Partie, die weniger mit fußballerischer Eleganz als mit Zähigkeit und Geduld glänzte - und am Ende jubelten die Holyhead Blues über einen knappen, aber verdienten 1:0-Erfolg gegen die Llanelli Reds.

Trainer Jürgen Steinmetz, sonst ein Mann der leisen Worte, grinste nach Abpfiff breit. "Wir wollten geduldig bleiben und unsere Chancen erzwingen. Henry hat das perfekt gemacht", sagte er - und meinte damit Henry Madigan, den Mann des Abends. Madigan war es, der in der 49. Minute nach einem Pass von Mathias Daens den Ball aus gut 18 Metern trocken in die linke Ecke drosch. Der Torjubel war halb Erlösung, halb Explosion. Zuvor hatten die Blues nämlich alles versucht - nur getroffen hatten sie eben nicht.

Schon in der ersten Minute prüfte Andrew Callahan den Llanelli-Keeper Faas Dag, der sich mit einer spektakulären Flugparade gleich in Szene setzte. Callahan, Dauerdrucker im Mittelfeld, schoss in den ersten sechs Minuten gleich zweimal aufs Tor, als wollte er sicherstellen, dass die Statistik stimmt: Am Ende 18 Torschüsse für Holyhead, nur 5 für die Gäste. Der Ballbesitz - 58 zu 42 Prozent - sprach ebenfalls eine deutliche Sprache.

"Manchmal hatte ich das Gefühl, wir spielen Handball am Strafraum", scherzte Daens nach dem Spiel. "Nur dass beim Handball wenigstens jemand wirft."

Die Reds, von Anfang an mit offensiver Grundordnung unterwegs, blieben über weite Strecken harmlos. Billy Bloomfield versuchte es früh (7.), und Youngster Max Bostwick hatte kurz vor der Pause die beste Gelegenheit, doch Blues-Keeper Quinter Lambrechts, 19 Jahre jung und mit Nerven aus Stahl, parierte glänzend.

Nach der Pause kam dann das, was in Holyhead schon fast zum Ritual geworden ist: ein kurzer Moment der Verwirrung, gefolgt von einem Geniestreich. Daens legte quer, Madigan zog ab - und das Stadion bebte. Der Torschütze blieb cool: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du so viele Chancen liegen lässt, darfst du irgendwann nicht mehr nachdenken."

Danach wurde das Spiel ruppiger. Igor Skrtel sah in der 58. Minute Gelb, Max Combe folgte fünf Minuten später. Bei den Reds traf es Dylan Forsythe (71.), der sich wenig später für ein rustikales Einsteigen entschuldigte - allerdings nur beim Schiedsrichter, nicht beim Gegner. "Ich hab den Ball gesehen, aber der Ball mich nicht", sagte Forsythe mit einem Grinsen.

In der 60. Minute mussten die Blues dann kurz zittern: Linksverteidiger Charlie Browning blieb nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie und wurde unter Applaus durch Oliver Dunne ersetzt. Trainer Steinmetz winkte sofort ab: "Sieht nicht schlimm aus, Charlie wollte nur seine neuen Schienbeinschoner testen."

Während die Reds weiter bemüht, aber planlos anrannten, verlegten sich die Blues aufs Kontern. Skrtel prüfte Dag noch zweimal (60., 65.), Callahan setzte in der 67. Minute einen Schlenzer knapp über das Tor. Und weil Llanelli zwar offensiv, aber ohne Pressing spielte, plätscherte die Partie in der Schlussphase dahin - mit Ausnahme der 90. Minute, als Madigan fast noch das 2:0 nachlegte.

In der Nachspielzeit sah Mathias Daens noch Gelb - ein taktisches Foul, das man in Wales wohl als "professionell" bezeichnet. Llanelli hatte in der 94. Minute durch Bostwick die letzte Chance, doch Lambrechts hielt auch diesen Versuch und sicherte den Blues die drei Punkte.

"Ein Arbeitssieg, aber einer mit Charakter", bilanzierte Steinmetz. Sein Gegenüber, Reds-Coach (dessen Name lieber ungenannt blieb - vielleicht aus Selbstschutz), schüttelte nur den Kopf: "Wir hatten den Plan, Holyhead früh zu stören. Leider hatten die den Ball zu oft."

Die Fans feierten trotzdem: ein Heimsieg, ein zu-null-Spiel, ein Torschütze, der wieder trifft. Und irgendwo auf der Tribüne murmelte ein alter Blues-Anhänger: "Früher hätten wir das 3:2 verloren. Heute gewinnen wir 1:0. Fortschritt, mein Junge."

Fazit: Es war kein Fußballfest, aber ein Fest für die Statistikfreunde - 18:5 Torschüsse, 58 Prozent Ballbesitz, drei Gelbe Karten und ein Tor, das in Holyhead wohl noch lange besungen wird. Nur Madigan selbst blieb gewohnt trocken: "Ich hab schon schlechter getroffen - aber selten so wichtig."

Und so endete der 26. Spieltag der 1. Liga Wales mit einem Sieg der Blues, die sich mit diesem 1:0 endgültig in die Herzen ihrer Fans und vielleicht auch in die obere Tabellenhälfte geschossen haben. Ein Abend, der zeigte: Manchmal reicht ein einziger Treffer, um eine ganze Stadt glücklich zu machen.

07.07.643993 06:35
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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