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Ein kühler Februarabend an der Côte d’Azur, 32.000 Zuschauer im Allianz Riviera-Stadion, Flutlicht, ein Hauch von Salz in der Luft - und am Ende ein bittere Erkenntnis für den AC Nice: Gegen die Gones de Lyon reicht Ballbesitz allein nicht zum Glück. 57 Prozent Spielanteile, 15 Torschüsse - aber das Ergebnis leuchtet unbarmherzig auf der Anzeigetafel: 1:2 (1:1). Dabei begann alles so vielversprechend. Nizzas Trainer Mario Roth hatte sein Team ausgewogen eingestellt, "nicht zu wild, aber mit klarer Idee", wie er später sagte. Und diese Idee schien in der 13. Minute aufzugehen, als David Girard nach einem langen Ball von Innenverteidiger Yves Boissieu eiskalt vollstreckte. "Ich hab’ ihn einfach perfekt erwischt", grinste Girard, der die linke Seite an diesem Abend fast im Alleingang beackerte. Doch die Freude währte nur kurz. Lyon, unter Coach El Schlenza berüchtigt für sein unerschütterliches Selbstvertrauen, antwortete mit jugendlicher Frechheit: Der erst 19-jährige René Belanger traf in der 26. Minute nach feinem Zuspiel von André Schwab. "Ich dachte, ich sei im Abseits", gestand Belanger später lachend, "aber der Linienrichter hatte offenbar Mitleid mit mir." Von da an entwickelte sich ein Schlagabtausch zwischen Ideenreichtum und Effizienz. Nizza kombinierte, passte, verpasste. Girard, Henriksson, Vladoiu - ein Feuerwerk an Abschlüssen, aber Lyon-Keeper Lucas Chevalier, kaum älter als die Schulferien, wurde zur Spinne im Netz. "Einmal hab ich den Ball gar nicht gesehen", gab er zu, "aber ich hab die Hand einfach irgendwohin gehalten - und da war er dann." Kurz vor der Pause kassierte Nizzas Roman Varga Gelb - ein taktisches Foul, das so offensichtlich war, dass selbst der Schiedsrichter grinste. "Ich wollte ihn ja nur kurz festhalten", rechtfertigte sich Varga, "aber anscheinend war das zu ehrlich." Dann, kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, kam der Moment, der das Spiel kippte: 46. Minute, Lyon im Angriff, Schwab erneut der Strippenzieher, und Robert Bergeron - mit der Coolness eines Mannes, der schon im Kopf das Jubelinterview vorbereitet - schiebt flach ein. 1:2, eiskalt wie ein Pastis auf Eis. Roth reagierte entsetzt, raufte sich die Haare, die ohnehin schon im Sturm des Mittelmeerwindes kämpften. "Das war der Plan nicht", murmelte er in Richtung der Ersatzbank, während El Schlenza sich genüsslich zurücklehnte. "Wir haben den Ball einfach dorthin geschossen, wo keiner stand - und dort war Platz", erklärte der Lyon-Coach später süffisant. Nizza versuchte alles. Vladoiu prüfte Chevalier in Minute 49, Tiago donnerte in der 59. und 77. Minute nur Zentimeter vorbei, und in der 87. Minute versuchte es Girard nochmals mit der Brechstange. Vergebens. Lyon verteidigte mit einer Mischung aus jugendlichem Leichtsinn und taktischer Abgebrühtheit, während die Gastgeber zunehmend verzweifelten. Statistisch gesehen hätte Nizza das Spiel gewinnen müssen: Mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe, mehr Torschüsse - aber Lyon war schlicht klinischer, präziser, effizienter. Und vielleicht auch ein bisschen frecher. Denn als der Schlusspfiff ertönte, drehte sich Belanger zu den Fans und rief: "Wer braucht schon Ballbesitz, wenn man Tore hat?" Trainer Roth nahm es mit Galgenhumor: "Wir haben heute bewiesen, dass man auch mit 57 Prozent Ballbesitz verlieren kann. Das ist moderne Kunst." Neben ihm nickte Kapitän Shepherd müde. "Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach weniger schön spielen und mehr treffen." El Schlenza dagegen tippte sich auf die Stirn. "Taktik ist wie ein guter Rotwein - man braucht Geduld. Und manchmal hilft ein bisschen jugendlicher Wahnsinn." So endete ein Spiel, das alles bot: Tempo, Emotionen, ein paar Lacher - und das Gefühl, dass Fußball manchmal einfach ein launischer Freund ist. Und irgendwo auf der Promenade des Anglais rauschte das Meer, als wollte es flüstern: "Schön gespielt, Nizza. Aber Schönheit allein schießt keine Tore." 12.12.643990 17:50 |
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