// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende im Hawthorns-Stadion, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott vielleicht Luton-Fan ist. 5000 Zuschauer, ein kalter Februarmittwoch, Flutlicht - und ein West Bromwich, das sich redlich mühte, aber am Ende doch 1:2 gegen die Luton Hatters verlor. Es war das Spiel des jungen Luke Corraface, der mit zwei Treffern in der 22. und 55. Minute zum Mann des Abends avancierte. West Bromwich begann unter Trainer - nennen wir ihn den "ewig optimistischen Taktiker" - mutig offensiv, wie es die Aufstellung versprach. Dylan Hartshorn prüfte Lutons Keeper Jack Lancaster bereits in der sechsten Minute mit einem satten Schuss aus 20 Metern. Der Ball rauschte knapp vorbei, und der Trainer an der Seitenlinie rief: "So will ich euch sehen, Männer!" - was in der Folge ironisch klang, denn danach sah man seine Elf lange nicht mehr in dieser Entschlossenheit. Luton, angeführt von ihrem auffällig spielfreudigen Mittelfeldmotor Eduardo Mino, übernahm schnell das Kommando. Mehr Ballbesitz (am Ende 58,6 Prozent) und deutlich mehr Torschüsse (12:7) sprachen eine klare Sprache. In der 22. Minute war es dann soweit: Rafael Fuchs flankte präzise von links, und Luke Corraface stieg zwischen zwei Verteidigern höher als erlaubt und köpfte zum 0:1 ein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball mich findet", grinste Corraface später - der Ball fand ihn tatsächlich, und West Bromwich fand danach keinen Rhythmus mehr. Die Gastgeber kamen erst nach der Pause wieder in Schwung. Jacob Morrison, der rechte Mittelfeldmann, traf in der 53. Minute nach schöner Vorarbeit von Tyler Patton zum Ausgleich. Ein Tor, das den 41,4 Prozent Ballbesitz der Hausherren schmeichelte. Morrison jubelte ausgelassen, Patton grinste: "Ich hab nur gezielt, dass Jacob nicht wieder übers Netz schießt." Doch die Euphorie hielt kaum zwei Minuten. Denn Luton antwortete prompt: Wieder Corraface, diesmal nach einem schnellen Gegenstoß, schob eiskalt ins lange Eck - 1:2, die West-Bromwich-Abwehr sah dabei aus wie in Zeitlupe. "Wir waren in der Rückwärtsbewegung einfach zu höflich", murrte Verteidiger Ewan Leech später, der die Partie nicht beendete: Erst Gelb in der 69., dann Gelb-Rot in der 81. Minute. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte er, "aber der Ball war irgendwie nicht da." Mit einem Mann weniger und einem Rückstand auf der Anzeigetafel blieb West Bromwich zwar bemüht, aber harmlos. Fabrizio Domenica versuchte es zweimal aus der Distanz (67. Minute), doch Lutons Keeper Lancaster hielt, als ginge es um den Weltfrieden. Spätestens nach Leechs Platzverweis war klar: Hier wird nichts mehr gedreht. Das Schlusskapitel schrieb dann die Tragikomödie des Spiels: In der 86. Minute verletzte sich Lewis Hennessy bei einem Sprint, musste raus, während Trainer und Physio wild gestikulierten. "Er wollte unbedingt weitermachen", erzählte der Coach, "aber er war näher am Hotdog-Stand als am Ball." Freddie Chamberlain kam für ihn - ein Wechsel, der mehr Symbolcharakter als Wirkung hatte. Luton brachte die Partie souverän über die Zeit. Corraface sah bei Abpfiff aus, als hätte er gerade einen Spaziergang im Park hinter sich. "Ich hab Spaß, wenn der Ball läuft", sagte er mit einem Grinsen, das man sonst nur bei Spielern sieht, die wissen, dass sie heute Geschichte geschrieben haben - zumindest ein kleines Kapitel davon. West Bromwich dagegen wird sich fragen müssen, warum man zwar offensiv eingestellt war, aber defensiv so höflich blieb. Die Statistiken sind gnadenlos: 41 Prozent Ballbesitz, sieben Torschüsse, eine Rote Karte - das sieht auf dem Papier so aus, wie es sich auf dem Platz anfühlte. "Wir müssen lernen, dass man Spiele nicht mit schönen Pässen gewinnt, sondern mit Toren", sagte der Heimtrainer nachdenklich. Neben ihm schüttelte Morrison den Kopf: "Wir hatten unsere Chancen, aber Luke hatte einfach einen besseren Abend." So einfach kann Fußball sein. Und so endete ein Spiel, das kaum ein neutraler Zuschauer vergessen wird - nicht, weil es Glanzlichter setzte, sondern weil es eine dieser ehrlichen Drittliga-Partien war: Kampf, Chaos, Karten und ein junger Held namens Luke Corraface. Vielleicht hätte West Bromwich einfach mehr Pressing spielen sollen - oder wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Ein bisschen weniger nett, ein bisschen mehr Tor." 06.05.643990 00:43 |
Sprücheklopfer
Es ist schon verrückt, was der Fußball aus mir macht.
Oliver Kahn