Außenseiter
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Lüdenscheid trotzt Pirmasens mit Glück, Geschick und Henry-Power ein 2:2 ab

Ein nasskalter Februarabend, Flutlicht, Atemwolken über 3397 Zuschauern - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst. Lüdenscheid und der FK Pirmasens trennten sich im Oberliga-C-Schlager des 12. Spieltags mit 2:2 (1:0). Ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet ein Punkt für jeden bedeutet - aber emotional war es eine kleine Achterbahnfahrt.

Die Gastgeber begannen abwartend, mit dieser typisch westfälischen Mischung aus Gelassenheit und latentem Trotz. Und gerade, als sich die Pirmasenser auf einen lauen Abend einzustellen schienen, setzte Lüdenscheids Henry Warriner in der 27. Minute ein Zeichen: Nach feinem Zuspiel von Tomas Penicka drosch der 34-Jährige den Ball in die Maschen. "Ich hab’s einfach mal probiert. Im Training klappt das nie, aber heute stand wohl der Fußballgott daneben", grinste Warriner später.

Pirmasens, das mit einer offensiven Grundordnung und insgesamt 25 Torschüssen (!) angetreten war, reagierte mit Wut, Wille und - leider - wenig Zielwasser. Schon in der ersten Halbzeit hämmerte Archie MacAlister den Ball mehrfach aus der zweiten Reihe auf das Tor, aber Lüdenscheids Keeper Patrick Schade wuchs über sich hinaus. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zukam", sagte der 21-Jährige. "Aber solange ich was zu halten hab, frier ich wenigstens nicht."

Die Halbzeitführung von 1:0 war, freundlich formuliert, schmeichelhaft. Pirmasens hatte 53 Prozent Ballbesitz, kontrollierte das Geschehen, doch Lüdenscheid verteidigte zäh und mit jener rustikalen Hingabe, die man in den unteren Ligen liebt - und fürchtet.

Nach der Pause kam, was kommen musste. In der 63. Minute traf David Bernier nach perfektem Querpass von Marcel Fuhl zum längst überfälligen Ausgleich. Das 1:1 war verdient, logisch, fast mathematisch folgerichtig. Trainerin Gudrun Schweitzer ballte die Faust und rief ihren Jungs zu: "Jetzt kippen wir das!" - doch es kam anders.

Nur sechs Minuten später setzte Lüdenscheids anderer Henry, Edgecomb, ein Zeichen in Sachen Effizienz: Ein schneller Gegenzug, Warriner legt quer, Edgecomb trifft - 2:1. Zwei Chancen, zwei Tore. Die Effektivität eines Schweizer Uhrwerks, nur mit Bier statt Zahnrädern.

Während Schweitzer an der Seitenlinie tobte ("Wir spielen hier Powerplay und die machen aus jeder Flanke ein Tor!"), blieb Lüdenscheids Abwehrchef Marvin Lee cool - bis zur 51. Minute, als er sich eine Gelbe Karte abholte. "Ich wollte ja nur zeigen, dass wir auch zupacken können", murmelte er danach mit einem Grinsen. Kurz darauf folgte der nächste gelbe Karton für Mateusz Niedzielan - offenbar war Lüdenscheid entschlossen, wenigstens in der Statistik mitzuhalten.

Pirmasens warf in der Schlussphase alles nach vorn. Schweitzer wechselte in der 81. Minute den unermüdlichen Dani Tabenkin aus und brachte Müjdat Öztürk - eine Eingebung, wie sich herausstellen sollte. In der 87. Minute schlug der Joker zu: Kornej Babinow steckte durch, Öztürk zog ab, und der Ball zappelte im Netz. 2:2 - und das Stadion vibrierte vor Erleichterung, Wut und Begeisterung zugleich.

"Wir hätten das Ding gewinnen müssen", knurrte Schweitzer nach Schlusspfiff. "Aber wenigstens haben wir gezeigt, dass wir Fußball spielen können - auch wenn der Torwart des Gegners heute offenbar Spiderman war."

Lüdenscheids Trainer - der offiziell nichts sagte, aber inoffiziell hinter der Tribüne mit einem Pils in der Hand selig grinste - dürfte sich über den Punkt gefreut haben wie über einen Sieg. "Wir haben 6 Schüsse, 2 Tore - besser geht’s nicht", flüsterte ein Betreuer, während er die müden Beine der Spieler mit Eisspray traktierte.

Die Zuschauer verabschiedeten ihre Helden mit Applaus und einem Schuss Ironie. "Wenn wir so weitermachen, steigen wir nie ab - aber auch nie auf", meinte ein älterer Fan, der seit 40 Jahren jede Heimpartie besucht.

Unterm Strich: Pirmasens war das deutlich aktivere Team, Lüdenscheid das glücklichere. 25 zu 6 Torschüsse sprechen eine klare Sprache - aber Fußball ist keine Statistik, sondern eine Laune des Moments. Und die gehörte an diesem Abend den beiden Henrys in Rot.

Ein Punkt, der sich für Lüdenscheid wie ein Sieg anfühlt - und für Pirmasens wie ein Rätsel, das keiner lösen kann. Oder, wie Warriner beim Verlassen des Platzes sagte: "Manchmal reicht’s, wenn man einfach dran glaubt - und die Latte hilft ein bisschen mit."

So blieb es beim 2:2 - einem Spiel, das keiner wirklich gewonnen, aber niemand je vergessen wird.

04.10.643990 06:58
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