Elfmeter
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Lüdenscheid dreht das Spiel und stürzt Lurup ins späte Drama

Verbandsliga F | 31. Spieltag | 11.09.26 | SV Lurup - Lüdenscheid 2:3

Was für ein Abend in Lurup: 3016 Zuschauer waren am Freitagabend zum 31. Spieltag der Verbandsliga F gekommen, viele davon vermutlich in der Hoffnung auf einen gemütlichen Heimsieg. Stattdessen bekamen sie ein Fußballspiel, das sich aufführte wie ein schlecht erzogener Krimi: erst träge, dann hektisch, am Ende mit einem Sieger, den nach der Pause kaum noch jemand auf dem Zettel hatte.

SV Lurup unterlag Lüdenscheid mit 2:3 (1:0). Die Gäste hatten am Ende zwar die besseren Zahlen auf ihrer Seite - 16 Torschüsse gegenüber zwölf der Gastgeber -, doch zunächst sah es ganz anders aus. Lurup kontrollierte den Ball mit 53,6 Prozent, spielte aus einer ausgewogenen Ordnung und wartete geduldig auf die passende Gelegenheit. Lüdenscheid besaß weniger Ball, dafür offenbar mehr Lust, ihn irgendwann gefährlich in Richtung Tor zu befördern.

In der 27. Minute belohnte sich Lurup. Bernt Weise, der bereits zuvor zweimal auf das Tor geschossen hatte, traf zur Führung. Phillip Kunze lieferte die Vorarbeit. "Ich habe nur gedacht: Bitte diesmal nicht wieder knapp vorbei", soll Weise später mit einem Grinsen gesagt haben. Diesmal war der Wunschzettel erfolgreich. 1:0, und auf den Rängen nahm man bereits jene besondere Haltung ein, die Fußballfans bei einer Führung gerne einnehmen: Brust raus, Blick nach vorne, vorsichtshalber aber noch nicht zu laut jubeln.

Lüdenscheid blieb trotz des Rückstands gefährlich. Laurent Rushton, Jens Baier, Stefan Böhme und Georg Weiss prüften Lurups Defensive wiederholt. Weiss war dabei besonders hartnäckig - und sollte später noch eine Hauptrolle übernehmen. Zur Pause führte Lurup dennoch verdient. "Wir waren ruhig, vielleicht zu ruhig", lautete der angebliche Halbzeitkommentar aus dem Lüdenscheider Kreis. Eine bemerkenswerte Einschätzung, wenn man bedenkt, dass Fußballmannschaften selten durch übermäßige Gelassenheit in Rückstand geraten. Meist ist es eher das Gegenteil.

Nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel innerhalb weniger Minuten. In der 65. Minute glich Stefan Böhme für Lüdenscheid aus, Laurent Rushton hatte den Treffer vorbereitet. Nur eine Minute später stand es 1:2: Georg Weiss vollendete nach Zuspiel von Luis Stumpf. Lurup hatte plötzlich das Problem, das viele Mannschaften kennen: Der Ball war weiterhin häufiger in den eigenen Reihen, aber das Spiel gehörte dem Gegner.

"Wir hatten den Ball, Lüdenscheid hatte die besseren Nachrichten", soll Lurups Trainer nach der Partie gesagt haben. Ein Satz, der statistisch schwer zu widerlegen ist.

Lurup antwortete in der 72. Minute. Swen Wahl traf zum 2:2, Luka Jones legte auf. Für einen kurzen Moment war die Partie wieder offen, die Zuschauer sprangen auf, und irgendwo auf der Tribüne dürfte bereits jemand "Jetzt drehen wir das!" gerufen haben. Der Fußball hörte offenbar aufmerksam zu - und entschied sich dann für eine andere Pointe.

In der 75. Minute sah Lüdenscheids Ralf Lorenz nach seiner zweiten Verwarnung die Gelb-Rote Karte. Die Gäste mussten also in Unterzahl zu Ende spielen. Eigentlich der ideale Zeitpunkt für Lurup, den Druck zu erhöhen. Doch Georg Weiss hatte andere Pläne. In der 81. Minute erzielte der 20-Jährige nach Vorarbeit von Marvin Lee sein zweites Tor des Abends und brachte Lüdenscheid erneut in Führung.

Lurup warf sich noch einmal nach vorn, kam aber trotz weiterer Abschlüsse nicht mehr zum Ausgleich. Lüdenscheid verteidigte mit Leidenschaft, während Lurup am Ende wohl lieber noch ein paar Minuten Ballbesitz gegen einen Treffer eingetauscht hätte. Nach 90 Minuten plus Nachspielzeit war Schluss: 2:3.

"Wir haben heute nicht aufgegeben, auch als es unangenehm wurde", soll Georg Weiss gesagt haben. Das klingt nach einer jener Fußballweisheiten, die man auf ein T-Shirt drucken kann. In diesem Fall stimmt sie allerdings. Lüdenscheid nahm drei Punkte mit - und Lurup die Erkenntnis, dass eine Führung zur Pause noch lange kein gemütlicher Abend ist.

11.09.2026 21:11
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