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Das Stadion von Generalena bebte am Sonntagabend - 33.099 Zuschauer brüllten, als die Lions unter Flutlicht ein kleines Fußballfest feierten. Am Ende stand ein klares 4:1 gegen CD Alajuela, und Trainer Gerd Hauser grinste nach Abpfiff so breit, dass man fast Angst bekam, er würde gleich die Eckfahne umarmen. "Das war heute einfach Hunger, purer Hunger", sagte er später, während sein Gegenüber Fritz Brause so aussah, als hätte man ihm gerade den letzten Kaffee des Tages weggetrunken. Dabei begann das Spiel gar nicht so einseitig, wie das Ergebnis vermuten lässt. Schon in der vierten Minute prüfte Ernesto Muñoz den Lions-Keeper Javier Montanes mit einem strammen Schuss, und nur zwei Minuten später setzte derselbe Stürmer noch einen Ball knapp vorbei. "Da dachte ich kurz: Das wird ein langer Abend", gab Montanes später zu, "aber dann haben wir uns die Zähne angespitzt." Die erste Löwen-Beute gab es in der 14. Minute: Tiago Barros, der bullige Mittelstürmer, verwandelte nach feiner Vorarbeit des wieselflinken Alexander Yeates zum 1:0. Die Fans fielen sich in die Arme, und Barros breitete die Arme aus, als wolle er sagen: "Seht her, ich bin euer König." Doch Alajuela antwortete prompt. Nur drei Minuten später zog Rechtsverteidiger Alfonso Rocha von außen nach innen, bekam den Ball von Julian Santos und hämmerte ihn unhaltbar ins lange Eck. 1:1 - und das völlig verdient, denn die Gäste hatten zu diesem Zeitpunkt 55 Prozent Ballbesitz und wirkten frischer. Generalena aber hat das, was gute Mannschaften auszeichnet: die Fähigkeit, im richtigen Moment zuzubeißen. In der 33. Minute fasste sich Mittelfeldlenker Andres Gonzalo ein Herz und donnerte das Leder aus 20 Metern unter die Latte - wieder nach Vorlage von Yeates. 2:1 zur Pause, und der Heimblock sang schon vom Titelrennen, obwohl noch eine Halbzeit zu spielen war. In der Kabine muss Hauser die passende Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche gefunden haben, denn nach dem Seitenwechsel verwandelten sich seine Löwen in eine Raubkatzen-Operette. Alajuela kam kaum noch über die Mittellinie, und der arme Keeper Dag Asmussen bekam plötzlich so viel zu tun, dass er vermutlich noch heute Nacht von Flankenbällen träumt. In der 54. Minute dann der Doppelschlag: Thomas Satchmore, der schnelle Rechtsaußen, traf erst aus spitzem Winkel zum 3:1 und legte zwei Minuten später noch einen drauf - diesmal nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Humberto Costinha. 4:1, und das Stadion stand Kopf. "Ich habe einfach nur instinktiv draufgehalten", grinste Satchmore nach dem Spiel. "Der Trainer sagte später, das sah geplant aus - aber ehrlich, das war pures Chaos im schönsten Sinn." Von Alajuela kam danach kaum noch etwas. Zwar hielt man den Ball länger in den eigenen Reihen (am Ende 54 Prozent Ballbesitz), aber gefährlich wurde es selten: nur fünf Schüsse auf das Tor, gegenüber 16 bei den Lions. Stattdessen hagelte es Gelbe Karten: Hugo Martins (53.), Jamie Forsythe (63.) und Ben Shum (66.) sammelten Verwarnungen wie Souvenirs. Auch Generalenas Ingo Pauleta und Costinha sahen früh Gelb, aber das war mehr Ausdruck von Leidenschaft als von Übermut. In der Schlussphase durfte der junge Pal Szabo noch zwei Mal aufs Tor schießen - ohne Erfolg, aber mit Applaus. "Wenn der Junge so weitermacht, steht der bald bei den Großen auf dem Zettel", orakelte Hauser. Coach Brause von Alajuela suchte nach Worten. "Wir wollten vorne früh pressen, aber irgendwie haben wir nur uns selbst unter Druck gesetzt", murmelte er. Seine Mannschaft spielte offensiv, aggressiv, mit viel Aufwand - aber ohne Ertrag. Die Lions dagegen wirkten, als hätten sie den Rhythmus gefunden, den man braucht, um im Titelrennen eine Duftmarke zu setzen. "Wenn wir so weiterfressen, dann wird’s schwer, uns zu stoppen", lachte Barros, der mit seinem Treffer den Stein ins Rollen gebracht hatte. Ein bisschen Selbstironie durfte am Ende nicht fehlen: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen nicht alles auf einmal geben", witzelte Trainer Hauser, "aber sie haben mich mal wieder nicht verstanden." So endete ein Abend, an dem die Löwen von Generalena ihre Krallen zeigten - und Alajuela schmerzhaft lernte, dass Ballbesitz zwar schön ist, Tore aber schöner sind. Und irgendwo auf der Tribüne, zwischen Popcorn und Plastikbechern, sagte ein älterer Fan trocken: "Vier zu eins? Ach, das war doch gnädig." (600 Wörter) 12.04.643990 16:48 |
Sprücheklopfer
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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