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London United dreht das Spiel: Später Doppelschlag gegen Vancouver

Premier League | 10. Spieltag | 14.07.26 | London United - Vancouver Blues 2:1

Ein lauer Sommerabend in London, 20.000 Zuschauer im Stadion, ein Gegner aus Kanada und ein Heimteam, das sich in der ersten Halbzeit so schwer tat wie ein Tourist auf der falschen U-Bahn-Linie. London United gewann am Ende mit 2:1 gegen die Vancouver Blues, doch der Weg dorthin war ein kleiner Nervenkrimi, garniert mit jugendlichem Übermut, gelben Karten und einer Prise typisch britischer Selbstironie.

Schon nach acht Minuten schien das Drehbuch des Abends festgeschrieben. Didier Featherstone, der 21-jährige Wirbelwind der Blues, nahm einen Pass von Uwe May auf, drehte sich elegant um seinen Gegenspieler und schob den Ball trocken ins linke Eck. 0:1 - und auf den Rängen war erst einmal betretenes Schweigen zu hören. "Ich dachte, das wird ein langer Abend", murmelte United-Kapitän Bruno Turcotte später mit einem sardonischen Lächeln.

London United schien in der Folge zwar bemüht, aber nicht inspiriert. Bruno Turcotte selbst prüfte den Keeper der Gäste gleich mehrfach (13., 17., 54. und 62. Minute), doch Arnaldo Napolitano zwischen den Pfosten der Blues hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend nichts anbrennen zu lassen. "Ich habe mich gefühlt wie ein Magnet - nur dass der Ball mich nicht mochte", scherzte Turcotte nach dem Spiel.

Bis zur Pause blieb es beim 0:1, und Coach Michel Luick von den Vancouver Blues dürfte sich in der Kabine leise auf die Schulter geklopft haben. Seine Mannschaft spielte abgeklärt, fast routiniert. London dagegen wirkte wie eine Band, die zwar alle Instrumente hat, aber noch nicht weiß, welches Lied sie eigentlich spielt.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig - bis zur 66. Minute. Da kombinierten sich Turcotte und der junge Vicente Futre durch das Zentrum, und Futre fackelte nicht lange: ein satter Schuss aus 18 Metern, Napolitano ohne Chance. 1:1 - und plötzlich war das Stadion wieder hellwach. "Ich habe einfach gedacht: Wenn Bruno den Ball will, soll er ihn kriegen - aber diesmal wollte ich ihn selbst versenken", grinste Futre, der mit 21 Jahren die Reife eines alten Hasen zeigte.

Mit dem Ausgleich kippte die Partie. London United hatte nun fast 51 Prozent Ballbesitz, was statistisch kaum nach Dominanz klingt, aber auf dem Platz sah es ganz anders aus. 20 Schüsse aufs Tor gegenüber 9 der Gäste sprechen eine deutlichere Sprache. Die Blues verloren ihre spielerische Leichtigkeit, während United endlich so wirkte, als hätte jemand den Pausen-Tee mit Espresso gestreckt.

In der 79. Minute kam dann der Moment des Abends. Sergio Yaguez, kaum 20 Jahre alt, setzte sich über links durch und flankte punktgenau auf Tahsin Kücükandonyadis - ein Name, der so lang ist, dass man fast vergisst, wie elegant er den Ball per Kopf ins Netz beförderte. 2:1! Der Jubel war ohrenbetäubend, und auf der Bank von London United explodierte die Freude.

"Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass ich den Ball treffe", bekannte Kücükandonyadis hinterher lachend. Trainer Luick der Blues sah das naturgemäß anders: "Wir haben 80 Minuten kontrolliert, dann 10 Minuten geschlafen - das reicht in dieser Liga nicht."

Die Schlussphase brachte noch ein paar Schreckmomente: Vancouver drängte, Featherstone feuerte in der 86. Minute noch einmal knapp vorbei, und in der Nachspielzeit verzog der 17-jährige John O’Brien, der sich sonst durch jugendliche Furchtlosigkeit auszeichnete, aus aussichtsreicher Position.

London verteidigte den Sieg, auch dank Torwart Mike Richter, der in der 91. Minute den Ausgleich spektakulär verhinderte. "Ich hab den Ball gar nicht gesehen, nur gehört - und dann gespürt", meinte er später augenzwinkernd. Zwei Gelbe Karten für die Gastgeber - Louis Caron (48.) und Aad Comstock (73.) - blieben die einzigen dunklen Flecken in einem insgesamt fairen Spiel.

Am Ende jubelte London United über einen hart erkämpften, aber verdienten 2:1-Sieg. Ein Sieg der Moral, des Durchhaltevermögens - und vielleicht auch des jugendlichen Ungestüms. "Wir haben gezeigt, dass wir auch nach einem Rückschlag Charakter haben", fasste Bruno Turcotte zusammen.

Trainer Luick nickte anerkennend: "Wenn man in London verliert, kann man sich wenigstens sicher sein, dass man Teil einer guten Geschichte war."

Und so verließen 20.000 Zuschauer das Stadion mit einem zufriedenen Lächeln - und dem Gefühl, dass sie Zeugen eines Spiels waren, das zwar nicht immer schön, aber ganz sicher lebendig war. Manche flüsterten beim Gehen, halb im Scherz, halb im Ernst: "Vielleicht hat London endlich wieder Blut geleckt."

Ein Abend also, an dem London United nicht nur drei Punkte gewann, sondern auch ein bisschen Selbstvertrauen zurück. Und das, so sagt man auf der Insel, ist manchmal wertvoller als jedes Torverhältnis.

15.07.2026 10:04
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Ich hoffe, dass die deutsche Mannschaft auch in der 2. Halbzeit eine runde Leistung zeigt, das würde die Leistung abrunden!
Günter Netzer
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