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London Gunners verspielen Sieg - Southampton schlägt spät zurück

Ein 2:2 kann sich manchmal anfühlen wie eine Niederlage. So ging es wohl den London Gunners an diesem frostigen Abend im Emirates Stadium, als der FC Southampton in der 87. Minute eiskalt zuschlug und einen sicher geglaubten Punkt aus der Hauptstadt entführte. 40.000 Zuschauer sahen ein packendes Spiel, das alles bot: frühe Tore, eine Verletzung, Gelbe Karten - und ein Ende, das die Heimfans ratlos zurückließ.

Schon nach einer Viertelstunde schien alles nach Plan für Trainer Mario Roth zu laufen. Seine Gunners kombinierten sich mit 56 Prozent Ballbesitz elegant durchs Mittelfeld, ließen den Ball surren wie eine gut geölte Maschine. In der 16. Minute bediente Niclas Brinkmann den flinken Jose Suarez auf dem rechten Flügel. Der zog nach innen und schlenzte den Ball mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der morgens wohl auch den Toaster perfekt einstellt, ins lange Eck - 1:0.

Noch bevor Southampton überhaupt wusste, welcher Londoner eigentlich wo stand, rappelte es erneut. Nur eine Minute später dribbelte sich Lewis MacLaren auf links durch, bekam von Lionel Manu den Ball in den Lauf und vollendete eiskalt - 2:0. Der Jubel war laut, der Optimismus grenzenlos.

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn das so bliebe. "Wir dachten wohl, das Spiel sei schon entschieden", gab Roth später mit bitterem Lächeln zu. "Aber in dieser Liga bekommst du für Nachlässigkeit sofort die Quittung."

In der 17. Minute kam dann der erste Dämpfer: Rechtsverteidiger Georges Jürgens verletzte sich ohne Gegnereinwirkung, musste vom Platz, und Yusuf Balta kam rein - eigentlich Stürmer, jetzt als improvisierter Außenverteidiger. "Ich hab einfach gemacht, was der Trainer geschrien hat", grinste Balta später. "Ich glaube, das war irgendwas auf Deutsch und Spanisch gleichzeitig."

Southampton nutzte die Unordnung. In der 37. Minute flankte Gabriel Beecroft von links, Bailey Kendall rauschte heran und köpfte wuchtig ein - 2:1. Trainer Michael Böning sprang an der Seitenlinie so hoch, dass man kurz um seine Achillessehne fürchten musste. "Wir leben noch!", brüllte er Richtung Tribüne, und seine Mannschaft glaubte ihm.

Nach der Pause rieben sich die Zuschauer verwundert die Augen: Statt die Führung zu verwalten, griffen die Gunners weiter munter an - 13 Torschüsse am Ende, aber viele davon eher dekorativ als gefährlich. Suarez prüfte Keeper Alberto Mancuso mehrfach, MacLaren drosch den Ball in der 69. Minute fast in den Oberrang, und Adam Ross sah Gelb, weil er nach einem vergebenen Freistoß den Ball etwas zu temperamentvoll in die Werbebande drosch.

Southampton hingegen schlich sich langsam zurück. Mit aggressivem Pressing und jugendlichem Übermut - der 19-jährige Liam Allington wirbelte im Mittelfeld - setzten sie die Londoner zunehmend unter Druck. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur zum Tee trinken hergekommen sind", grinste Böning nachher.

In der 87. Minute passierte es dann: Der eingewechselte Sebastiano Carlucci, gerade fünf Minuten auf dem Feld, sprintete nach einem langen Ball von Linksverteidiger Kai Whitman davon, ließ Ellis Stokes alt aussehen und schob zum 2:2 ein. Ausgerechnet Stokes, der schon in der 62. Minute Gelb gesehen hatte, stand völlig falsch. "Ein Schritt zu spät - und du bist der Depp des Abends", murmelte er selbstkritisch in der Kabine.

Die letzten Minuten waren ein einziger Londoner Sturmlauf. MacLaren versuchte es in der 89. und 94. Minute noch einmal, verzog aber jeweils knapp. "Wir hätten das dritte Tor machen müssen", schimpfte Trainer Roth. "Aber vielleicht war der Ball einfach zu rund."

Am Ende blieb ein Spiel, das keiner so richtig glauben wollte. 56 Prozent Ballbesitz, mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote - und doch nur ein Punkt. Southampton dagegen feierte den Ausgleich wie einen Sieg. "Wenn du beim Favoriten in der letzten Minute triffst, darfst du ruhig ein bisschen tanzen", meinte Carlucci mit einem Augenzwinkern.

So trennten sich die Teams 2:2 - ein Ergebnis, das die Gunners ärgern und Southampton beflügeln dürfte. Vielleicht war es kein schönes Fußballmärchen, aber ein ehrliches: mit Helden, Pechvögeln und einer Moral, die jeder Premier-League-Trainer kennt. Wer zu früh jubelt, hat am Ende meist nur noch den Ball in den Händen - und den Gegner auf den Schultern feiern sehen.

Und irgendwo im leeren Stadionflutlicht seufzte ein Balljunge: "Wenigstens war’s nicht langweilig." Da hatte er recht.

30.06.643987 07:53
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Otto Rehhagel
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