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Es lief kaum die zweite Spielminute, da schien das Schicksal der Tiverton-Abwehr bereits besiegelt: Akin Memis, der flinke Rechtsaußen der London Blues, stürmte nach einem präzisen Zuspiel von Azmi Ehrlich in den Strafraum, legte sich den Ball einmal zu viel und drosch ihn dann doch eiskalt unter die Latte. 1:0, das Stadion tobte, Trainer Guido Träger pumpte die Faust in die kalte Januarluft. "So will ich das sehen - früh draufgehen, früh belohnen!", rief er später lachend in die Mikrofone. Doch wer glaubte, dass der Favorit aus London nun einen gemütlichen Abend verbringen würde, sah sich getäuscht. Die Blues legten los wie die Feuerwehr - 14 Schüsse aufs Tor bis zum Abpfiff, allein sieben davon in der ersten halben Stunde. Memis, Galindo, Linares - sie alle prüften Tivertons jungen Keeper Zoltan Filkor, der sich mit jeder Parade ein Stück größer machte. "Ich habe gar nicht nachgedacht", sagte der 21-Jährige nach dem Spiel schüchtern. "Der Ball kam - ich war halt im Weg." Ein Satz, den man sich tätowieren lassen könnte, wenn man bei Tiverton Town Fan ist. Zur Pause führte London verdient, aber nicht beruhigend. 47,5 Prozent Ballbesitz verrieten: ganz so dominant war das nicht. Tiverton, mit einem Durchschnittsalter knapp über 20, ließ sich vom frühen Rückstand nicht einschüchtern. Trainer Andi Lipa, der an der Seitenlinie eher wie ein gemütlicher Musiklehrer als ein Coach wirkte, grinste nach dem Seitenwechsel nur und rief seinem Team zu: "Jetzt zeigt ihnen mal, dass man auch mit Pickeln Fußball spielen kann!" Und tatsächlich - in Minute 51 war es Christian Dubois, der die Blues-Abwehr alt aussehen ließ. Nach einem feinen Pass des 18-jährigen Cesar Meireles stand der französische Linksaußen frei und schob lässig ins lange Eck - 1:1! Dubois rannte jubelnd in Richtung Gästeblock, wo ganze 312 Tiverton-Fans ihren Helden feierten, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Von da an begann das, was man ein "offenes Spiel" nennt - oder, je nach Temperament, ein Nervenkrieg. London drückte, Tiverton hielt dagegen. Akin Memis schoss in der 80. Minute noch einmal haarscharf vorbei, Alberto Linares prüfte Filkor in der Nachspielzeit mit einem Strahl aus 25 Metern. Doch das Tor fiel nicht mehr. Stattdessen gab’s reichlich Gelb: Francois Kinmont (37.) und Bruno Parent (82.) bei den Blues, Filipe Sousa (84.) bei Tiverton - jeder durfte sich ein Andenken vom Schiedsrichter abholen. "Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz", meinte Blues-Trainer Guido Träger nachdenklich. "Du machst das Spiel, du hast die Chancen, und am Ende stehst du da - mit einem Punkt und kalten Füßen." Sein Gegenüber Andi Lipa grinste nur: "Wir nehmen den Punkt, wickeln ihn in Alufolie und hängen ihn uns unter den Weihnachtsbaum. So glänzt er länger." Das Publikum im ausverkauften "Blue Garden" - 32.723 Zuschauer - hatte jedenfalls seinen Spaß. Ein älterer Fan fasste es beim Verlassen des Stadions so zusammen: "Die Jungs hätten noch drei Stunden spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht wieder reingegangen. Aber hey - wenigstens friert man sich hier mit Stil!" Statistisch gesehen war das Remis fast gerecht. London hatte mehr Schüsse (14:8) und bessere Zweikampfwerte (53 zu 47 Prozent), Tiverton dafür etwas mehr Ballbesitz (52 Prozent) und den längeren Atem. In der Schlussphase versuchten die Blues mit aktivem Pressing alles, doch Filkor und seine jugendliche Hintermannschaft blieben cool wie Schnee auf dem Tribünendach. Und so endete ein Spiel, das mit einem Paukenschlag begann und mit einem Schulterzucken schloss. 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Seiten irgendwie schmeckt und keinem wirklich hilft. Akin Memis, der Mann des Abends (und der frühen Minuten), sagte zum Abschied: "Wenn du so früh triffst, denkst du, heute läuft’s. Aber manchmal läuft nur der Schweiß." Vielleicht ist das die Essenz dieses Spiels: viel Einsatz, wenig Ertrag - aber jede Menge Geschichten fürs nächste Pub-Gespräch. Oder, um es mit Trägers letzten Worten zu sagen: "Wir haben Tiverton unterschätzt. Nächstes Mal fangen wir einfach in der 89. Minute an." Ein gerechtes Unentschieden also, das sich anfühlt wie ein Sieg für die jungen Wilden aus Tiverton - und wie ein kalter, feuchter Händedruck für die London Blues. Doch der Fußballgott hat Humor, und an diesem Abend lachte er leise - vermutlich über die 32.723, die dachten, sie würden ein 3:0 sehen. 21.02.643987 04:30 |
Sprücheklopfer
Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
Felix Magath