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Lok Neuruppin stolpert gegen Linx - jung, wild, unglücklich

Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem Neuruppiner Parkstadion, 4007 Zuschauer mit heißem Tee und Hoffnung im Herzen - und am Ende wieder diese eine, bittere Erkenntnis: Fußball kann grausam sein. Lok Neuruppin verliert am 25. Spieltag der Regionalliga A mit 2:3 (1:2) gegen den SV Linx. Ein Spiel, das mit einem Feuerwerk begann, zwischendurch in taktische Statik verfiel und in den letzten Minuten beinahe noch zur Heldengeschichte für die Gastgeber geworden wäre.

Die Partie hatte kaum begonnen, da wurde es ungemütlich für die Lok-Abwehr. Gerade fünf Minuten waren gespielt, als Linx’ junger Wirbelwind Detlev Miller (18) sich auf der rechten Seite durchtankte. "Ich hab einfach draufgehalten, weil keiner kam", grinste Miller später. Der Ball flog - und schlug ein. 0:1 in der sechsten Minute, und die Neuruppiner Defensive sah kurz so orientierungslos aus wie ein Navi im Funkloch.

Vier Minuten später dann der nächste Schock: Wolfgang Seitz (22) nutzte einen kapitalen Stellungsfehler nach einer Ecke, legte den Ball trocken ins lange Eck - 0:2. Auf der Gästebank rieb sich Trainer Michal Dickschat die Hände. "Genau so wollten wir starten. Nur, dass wir danach eigentlich weiter Fußball spielen sollten", witzelte er später.

Lok-Trainer Timo Reuters hingegen starrte minutenlang auf den Rasen, als suche er nach einer versteckten Reset-Taste. Doch seine Mannschaft rappelte sich auf. Nach 22 Minuten endlich das Lebenszeichen: Miguel Caneira flankte von rechts butterweich, Erik Andersen stand goldrichtig und köpfte zum 1:2 ein. "Da war plötzlich wieder Leben in der Bude", sagte Reuters. Und tatsächlich: Die 4007 Fans, bis dahin eher eingefroren, tauten schlagartig auf.

Der Rest der ersten Halbzeit gehörte Lok Neuruppin - zumindest statistisch. Mehr Ballbesitz (55 Prozent), mehr Pässe, aber Linx blieb gefährlich. Detlev Miller tauchte gleich mehrfach vor Keeper Leon Lustig auf, der seinem Namen alle Ehre machte und mit glänzenden Reflexen Schlimmeres verhinderte. Kurz vor der Pause sah Linx’ Mark Fritsch Gelb, nachdem er Franck Boulanger elegant die Stutzen poliert hatte. "War nix, der fällt gern", meinte Fritsch - was Boulanger mit einem französischen "Pardon?" beantwortete.

Zur zweiten Hälfte kam Linx mit frischen Kräften: Karl Schwab und Bernt Prinz ersetzten die müde wirkenden Fritsch und Gebhardt. Und kaum waren die Wechsel durch, klingelte es erneut. Bernt Kühne (51.) zog aus 20 Metern ab - ein Strich wie mit dem Lineal, unhaltbar. 1:3, und die Lok stand wieder auf dem Abstellgleis.

Doch die jungen Wilden aus Neuruppin - gleich vier 17-Jährige standen auf dem Platz - gaben nicht auf. Walter Schubert und Luis Haag wirbelten auf der rechten Seite, als hätten sie nie etwas anderes getan. Haag, blutjung und furchtlos, prüfte Keeper Dietz gleich mehrfach (80., 90., 91.). Erst in der Nachspielzeit belohnte er sich selbst: Schubert flankte, Haag stieg hoch - 2:3! Ein Tor mit Symbolwert. "Ich wollte einfach zeigen, dass wir leben", sagte Haag danach mit glühenden Wangen.

Linx musste die Schlussphase in Unterzahl überstehen: Innenverteidiger Hermann Grimm sah in der 81. Minute glatt Rot, nachdem er den durchstartenden Haag mit einem rustikalen Tritt stoppte. "Ich wollte nur den Ball spielen", rechtfertigte sich Grimm, was selbst seine Mitspieler mit einem Lächeln quittierten.

Die letzten Minuten waren ein einziger Neuruppiner Sturmlauf - zehn Torschüsse insgesamt, aber das Leder wollte kein drittes Mal über die Linie. Linx zitterte, kämpfte, rettete. Trainer Dickschat war nach Abpfiff dennoch erleichtert: "Am Ende haben wir mehr geschwitzt als gespielt. Aber drei Punkte sind drei Punkte."

Timo Reuters hingegen nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn wir so beginnen wie wir aufgehört haben, dann schlagen wir nächste Woche sogar Real Madrid."

Die Statistik sprach am Ende Bände: Linx hatte 14 Torschüsse, Neuruppin 10, der Ballbesitz lag leicht bei den Gastgebern - aber die Effizienz, nun ja, die blieb auf der Gästeseite.

Ein bitterer Abend für Lok Neuruppin, aber einer, der Mut macht. Denn wer mit 17 Jahren in der Nachspielzeit trifft, hat noch viele Geschichten vor sich. Vielleicht schon nächste Woche - hoffentlich mit einem Ende, das weniger weh tut.

Und irgendwo in der Kabine summte Luis Haag leise vor sich hin: "Nächstes Mal sind wir dran." Man möchte es ihm fast glauben.

04.11.643987 09:00
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