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Tournai - 27.000 Zuschauer sahen an einem kalten Januarabend ein Spiel, das weniger durch fußballerische Brillanz als durch zähe Leidenschaft und gelegentliche Dramen in der Defensive bestach. Am Ende trennten sich die Tournai Royals und Preußen Münster mit 1:1 - ein Ergebnis, das keiner Seite wirklich wehtut, aber auch niemanden in Begeisterungsstürme versetzt. Schon nach drei Minuten ließ Vicente Zapatero die Heimfans kurz aufhorchen, als er aus spitzem Winkel abzog - Münster-Keeper Gilles De Wilde lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Das war das Startsignal für eine erste halbe Stunde, in der Tournai das Geschehen leicht dominierte und die Preußen so wirken ließ, als hätten sie den belgischen Rasen noch nicht ganz verstanden. In der 17. Minute dann das, was man in Belgien wohl "Effizienz" nennt: Joseph Locklear, bis dahin eher unauffällig, stand nach einem abgefälschten Pass plötzlich goldrichtig und schob den Ball eiskalt ins rechte Eck. 1:0 für die Royals - und das Stadion bebte. "Ich hab’ einfach instinktiv geschossen. Wenn du nachdenkst, ist es schon zu spät", grinste Locklear nach dem Spiel mit einem Schulterzucken, das so aussah, als würde er täglich solche Tore erzielen. Preußen-Coach Waldemar Reger dagegen wirkte an der Seitenlinie schon da wie ein Mann, dem jemand den Autoschlüssel in den Rhein geworfen hatte. Er gestikulierte wild, schrie Anweisungen über den Platz - und musste zusehen, wie seine Mannschaft bis zur Pause zwar den Ball häufiger verlor, aber immerhin keinen zweiten Gegentreffer kassierte. In der Kabine muss es dann laut geworden sein. Denn kaum lief die zweite Halbzeit, hatte Münster ein neues Gesicht. Kaum zwei Minuten nach Wiederanpfiff passte Jason Van Moer von der linken Seite scharf in den Strafraum - und Xavier Silfredo, der zuvor bereits viermal mehr oder weniger erfolglos aufs Tor geschossen hatte, traf endlich. 47. Minute, 1:1. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte mich heute einfach nicht finden", sagte Silfredo später lachend. "Dann hat Jason ihn mir einfach vor die Füße gelegt. Danke dafür." Ab da entwickelte sich eine Partie, die irgendwo zwischen Taktikduell und Nervenkrimi pendelte. Münster presste nun höher, spielte über die Flügel, wie es ihr Trainer offenbar schon die ganze Woche gepredigt hatte. Tournai blieb bei seiner ausgewogenen Ausrichtung, vertraute auf Ballbesitz und ruhiges Passspiel - manchmal so ruhig, dass die Zuschauer aus der Westkurve begannen, rhythmisch zu gähnen. Der Abend brachte noch weitere Episoden: Kevin Block sah in der 58. Minute Gelb, weil er meinte, er könne das Trikot seines Gegenspielers als Souvenir behalten. Pekka Nurmela und Jason Van Moer holten sich später ebenfalls Verwarnungen ab - beide in Situationen, die weniger mit Härte als mit Ungeduld zu tun hatten. Münster verbuchte insgesamt neun Torschüsse, Tournai kam auf sechs - eine Statistik, die den Gästen leichte Überlegenheit zuschreibt, doch wirklich zwingend wirkte das selten. Besonders bitter: Torhüter De Wilde musste zur Halbzeit wegen einer Blessur raus; der 20-jährige Thomas Van Guyse feierte sein Liga-Debüt und hielt sich wacker. "Ich hatte kaum Zeit, nervös zu sein", meinte er nach der Partie. "Reger hat einfach gesagt: ’Rein da, Junge.’ Und dann war ich plötzlich drin." In der Schlussphase drückte Tournai noch einmal - Locklear prüfte in der 80. und 92. Minute den jungen Van Guyse mit wuchtigen Schüssen, doch der Nachwuchskeeper parierte spektakulär. Ein Raunen ging durchs Stadion, als der Ball in der Nachspielzeit an den Pfosten klatschte - allerdings von außen. "Ein gerechtes Unentschieden", resümierte Reger später, "auch wenn ich mir gewünscht hätte, wir hätten die ersten 45 Minuten nicht verschlafen." Sein Tournai-Kollege, der schweigsame Señor Zapatero, murmelte dagegen nur: "Wir spielen schönen Fußball, aber Schönheit gewinnt keine drei Punkte." So endete der 15. Spieltag der belgischen Liga mit einer Partie, die für Statistiker ein Fest war, für Ästheten eher weniger. 52,9 Prozent Ballbesitz für Tournai, 47,1 für Münster - Zahlen, die so eng beieinanderliegen wie die beiden Tore, die am Ende zählten. Vielleicht war es kein Spiel, das in die Geschichtsbücher eingeht, aber eines, das zeigte, dass auch ein 1:1 seinen Charme haben kann - vor allem, wenn man auf der Tribüne sitzt, eine heiße Schokolade in der Hand hält und weiß: Andere müssen bei dieser Kälte rennen. 30.06.643987 07:46 |
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