// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
52670 Zuschauer an der Anfield Road erlebten am Freitagabend ein Fußballspiel, das alles hatte: Tempo, Drama, junge Helden - und am Ende eine bittere Lektion für die Liverpool Reds. Trotz einer 2:1-Führung zur Pause verlor das Team von Kurt Kaiser gegen die Ewood Rovers mit 2:3. Ein Last-Minute-Tor in der 93. Minute durch Außenverteidiger Milan Sidorczuk ließ die Gäste jubeln - und Anfield verstummen. Dabei sah zunächst alles nach einem souveränen Abend für die Hausherren aus. Nach einer Viertelstunde übernahmen die Reds die Kontrolle, ließen den Ball laufen und wirkten entschlossen, den Anschluss an die Tabellenspitze zu halten. Der 19-jährige William Ross, gerade erst in die Startelf gerückt, krönte seine erste starke Phase in der 23. Minute mit einem sehenswerten Treffer. Nach Vorarbeit von Roberto Marquez zog Ross aus 20 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. "Ich hab’ einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste der Youngster nach dem Spiel. "Ich dachte, der Trainer schreit gleich, weil ich nicht abgespielt hab." Doch die Rovers, trainiert von Stephan Trajes, ließen sich kaum beeindrucken. Nur fünf Minuten später kombinierten sie schnell durchs Zentrum, wo Samuel Dunne den Ball in den Lauf von Nicolae Buzanszky steckte. Der bullige Mittelstürmer blieb eiskalt und schob zum 1:1 ein. Ein Tor aus dem Lehrbuch: drei Kontakte, null Schnörkel. Was dann folgte, war eine Antwort mit Wucht. Nur eine Minute nach dem Ausgleich schlug Matthias Van Hoost zurück - und wie! Der rechte Mittelfeldspieler zog nach innen, ließ zwei Verteidiger stehen und drosch den Ball in die linke obere Ecke. 2:1, Anfield tobte. "Da war’s richtig laut", erinnerte sich Van Hoost später. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mir die Ohren zuhalte." Mit dieser Führung gingen die Reds in die Pause, hatten 54 Prozent Ballbesitz und die klareren Chancen (10:11 Torschüsse, aber deutlich gefährlicher). Trainer Kaiser wirkte zufrieden, aber gewarnt. "Wir dürfen kein zweites Mal so offen stehen", mahnte er an der Seitenlinie - Worte, die sich als prophetisch erweisen sollten. Nach Wiederanpfiff legten die Rovers die Zurückhaltung ab. Pedro Corcoles, der auffällig agile Linksaußen, wirbelte die rechte Abwehrseite der Gastgeber durcheinander. In der 66. Minute belohnte er sich selbst: Nach feinem Doppelpass mit Buzanszky traf er zum verdienten 2:2. Kaiser reagierte mit Wechseln, brachte den jungen Leon Ross für Janos Zele, doch die Stabilität blieb aus. Während Liverpool in der Schlussphase alles nach vorn warf - Pressing auf Anschlag, Einsatz auf Maximum -, lauerten die Rovers auf den einen Moment. Und der kam, als alle schon mit der Nachspielzeit haderten. In Minute 93 segelte ein langer Ball von Innenverteidiger Finlay Haddington in den Strafraum. Milan Sidorczuk, eigentlich Linksverteidiger, rauschte heran, nahm den Ball volley - und traf. 3:2. Der Gästeblock explodierte. "Ich wollte eigentlich nur klären", lachte Sidorczuk später ungläubig. "Aber wenn der Ball so schön fliegt, dann machste halt mit." Trainer Trajes, der sonst kaum Emotionen zeigt, rannte nach dem Schlusspfiff quer über den Platz und umarmte seinen Torschützen. "Wir haben nie aufgehört zu glauben", sagte er. "Und Milan hat heute Geschichte geschrieben - zumindest für uns." Liverpool hingegen stand fassungslos da. 53,9 Prozent Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Einsatz - und doch null Punkte. "Es ist fast tragisch, wie oft wir gut aussehen und am Ende verlieren", seufzte Kaiser. "Fußball ist manchmal grausam. Heute war er Shakespeare." Während die Rovers jubelnd in die Kabine verschwanden, diskutierten die Reds-Spieler mit gesenkten Köpfen. Der junge James Masse, zur Halbzeit eingewechselt, versuchte es mit Galgenhumor: "Nächste Woche gewinnen wir halt 4:3 in der 93. Minute. Irgendwann muss das Glück ja zurückkommen." So endete ein Abend, an dem Liverpool alles tat, um als Sieger vom Platz zu gehen - und doch als tragischer Held dastand. Die Rovers dagegen bewiesen, dass Mut, Geduld und ein gut getimter langer Ball manchmal mehr wert sind als 54 Prozent Ballbesitz. Und irgendwo in der Kabine summte Milan Sidorczuk leise vor sich hin. Vielleicht eine Melodie des Triumphs. Vielleicht auch nur der Soundtrack eines Spiels, das er so schnell nicht vergessen wird. 09.12.643987 04:09 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer