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Liverpool verspielt Führung - Millwall dreht das Spiel in drei Minuten

59.000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion an der Anfield Road sahen ein Fußballspiel, das zunächst nach einem gemütlichen Abend für die "Reds" aussah - und dann zu einem jener Abende wurde, über die man in Londoner Pubs noch tagelang sprechen wird. Liverpool führte, dominierte, und verlor am Ende doch mit 1:2 gegen den FC Millwall. Drei Minuten reichten den Gästen, um das Spiel auf den Kopf zu stellen.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Liverpool-Trainer Kurt Kaiser ließ seine Mannschaft offensiv anlaufen, Ballbesitzfußball in Reinform: 52 Prozent Spielanteile, sicheres Passspiel, elf Torschüsse. "Wir wollten zeigen, dass wir hier das Spiel machen", sagte Kaiser hinterher mit einem Tonfall, der ahnen ließ, wie sehr ihn das Ergebnis nervte. Seine Spieler hielten sich anfangs vorbildlich an diese Ansage. In der 43. Minute belohnte sich das Team: Bo Kristensen, der technisch feinfühlige Däne im Mittelfeld, zog nach einem Doppelpass mit Jordi Xavier aus 18 Metern ab - und der Ball zischte unhaltbar ins linke Eck. 1:0. Jubel, Bierduschen auf den Rängen, "You’ll never…" - na ja, Sie wissen schon.

Zur Pause war die Welt in Liverpool noch in Ordnung. Millwall-Trainer Sonny Crocket schien dagegen eine andere Vorstellung vom Spiel zu haben: Sein Team stand tief, verteidigte mit Biss (manche würden sagen: mit leichter Brutalität) und hoffte auf Konter. "Wir wussten, dass Liverpool irgendwann Räume öffnet", grinste Crocket später, "und Riley war heute einfach heiß."

Mit "Riley" meinte er Riley Charpentier, den 29-jährigen Mittelfeldmann, der im zweiten Durchgang plötzlich beschloss, das Spiel persönlich in die Hand zu nehmen. 48. Minute: Joseph Lockwood tankt sich auf rechts durch, legt flach in den Rückraum - Charpentier trifft trocken zum 1:1. Liverpool war noch damit beschäftigt, sich zu sortieren, da schlug Millwall erneut zu. Nur zwei Minuten später, 50. Minute: Ecke von John Bancroft, wieder Charpentier, wieder drin. 1:2. Drei Minuten, zwei Tore, ein Schock.

"Ich dachte kurz, das Stadion wäre eingefroren", erzählte Millwalls Keeper Ethan Caviness lachend. "Man hörte nur noch das Rascheln der Fahnen." Und tatsächlich: Die sonst so lautstarke Anfield-Kurve verstummte für einen Moment - jener Moment, in dem die Reds begannen, hektisch zu werden.

Liverpool rannte an, aber Millwall verteidigte, wie man es von einer Mannschaft erwartet, deren Trainer das Wort "Defensiv" als Kompliment versteht. Daniel Darabont und der eingewechselte Tyler Boyle setzten Nadelstiche, während hinten Bancroft und Satchmore alles wegräumten, was nach rotem Trikot aussah. Einmal klatschte ein Schuss von Robert Warriner an den Pfosten, ein anderes Mal rettete Caviness mit den Fingerspitzen gegen Lucas Ward.

In der 72. Minute musste Millwall dann doch zittern: Rechtsverteidiger George Clancy verletzte sich nach einem harten Zweikampf und humpelte vom Platz. Ersatzmann Noah Clancy (kein Verwandter, aber offenbar ebenso grimmig) übernahm - und machte die rechte Seite dicht. Sonny Crocket kommentierte trocken: "Clancy für Clancy - das nenne ich Kontinuität."

Die letzten Minuten gehörten wieder den Reds, die alles nach vorne warfen. Trainer Kaiser brachte den erfahrenen Giulio Lorusso, später auch den jungen Luke Greenwald und in der Schlussminute den 18-jährigen Freddie Madigan, der prompt eine Gelbe Karte sah. "Der Junge wollte ein Zeichen setzen", sagte Kaiser. "Leider war es das falsche."

Am Ende blieb es beim 1:2. Millwall jubelte ausgelassen, während Liverpool ratlos dreinschaute. Die Statistik sprach eigentlich für die Hausherren - mehr Ballbesitz, gleich viele Torschüsse, kaum schlechtere Zweikampfquote. Aber Fußball wird bekanntlich nicht nach Prozenten entschieden.

Riley Charpentier wurde zum Helden des Abends. "Ich habe einfach geschossen", meinte er bescheiden. "Beim ersten dachte ich noch: Wenn der drübergeht, bin ich der Depp. Beim zweiten wusste ich: Der geht rein."

Liverpool-Coach Kaiser hingegen suchte Trost in der Ironie: "Wir haben das Spiel kontrolliert, bis wir es verloren haben. Das ist ja auch eine Form der Dominanz."

Ein bitterer Abend für die Reds, ein Triumph für Millwall - und ein Beweis dafür, dass Fußball manchmal wie das Wetter in England ist: man weiß nie, wann der Sturm kommt.

27.12.643993 19:38
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