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Es war ein frostiger Abend im Stadion von Donezk, aber die Liverpool Reds brachten genug Feuer mit, um den Rasen gleich mit aufzutauen. 20.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das sich schon früh in eine Richtung neigte - nämlich nach Westen, wo die Engländer unter Trainer Kurt Kaiser ihre Taktik "ruhig bleiben, Tore machen" nahezu perfekt umsetzten. Am Ende stand ein klares 0:3 (0:2) auf der Anzeigetafel, das für die Hausherren so schmeichelhaft war wie ein schwacher Trostkaffee nach einer langen Nacht. Schon in der 11. Minute begann das Unheil für die Gastgeber. Innenverteidiger Henry Badham, sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Abschlüsse bekannt, wuchtete nach einer Ecke von William Ross das Leder per Kopf in die Maschen. "Ich dachte zuerst, das sei ein Abwehrspieler von uns", stöhnte Donezk-Keeper Tyler McAteer später. "So frei stand der!" Es war der Auftakt zu einem Spiel, das für Donezk zunehmend zur Geduldsprobe wurde. Die Ukrainer hatten eigentlich mehr vom Ball - rund 52,5 Prozent Ballbesitz -, aber Liverpool machte mehr draus. Während die Hausherren ihre sieben Torschüsse eher als Zeichen guten Willens verstanden, zielten die Reds zwölfmal gefährlich auf das Tor. Besonders auffällig: der junge Robert Warriner. Der 22-jährige Rechtsaußen war mit seiner Schnelligkeit und seinem Mut zum Risiko der Schrecken jeder Donezker Verteidigungslinie. In der 37. Minute belohnte er sich selbst, als er nach einem Abpraller eiskalt zum 0:2 einschob. "Robert war heute wie ein Kind auf dem Jahrmarkt - überall und immer mit einem Lächeln", schwärmte Trainer Kurt Kaiser hinterher, während er seinen Spielern auf die Schultern klopfte. "Wenn du so einen Jungen hast, brauchst du keine komplizierte Taktiktafel." Donezk versuchte es in der zweiten Hälfte mit mehr Druck, aber es blieb beim Versuch. Leonardo Pozzi und Anatoli Skworzow hatten jeweils gute Szenen, doch Torhüter Carl Rodrigo stand sicher, als wäre er mit Sekundenkleber auf der Linie festgeklebt. Und jedes Mal, wenn die Ukrainer sich in den Strafraum kombinierten, kam ein englisches Bein dazwischen - meist das von Aaron Simpson, der später durch den 17-jährigen Freddie Madigan ersetzt wurde. In der 66. Minute machte Liverpool endgültig den Deckel drauf. Wieder war es Warriner, der nach feiner Vorarbeit von Ryan Winston den Ball trocken ins rechte Eck setzte. Donezks Verteidiger schauten sich gegenseitig an, als hätten sie gerade einen Zaubertrick gesehen. "Ich weiß nicht, wie er da durchkam", murmelte Kapitän Simen Iversen. "Vielleicht sollten wir ihm einfach applaudieren." Danach war die Partie gelaufen. Trainer Kaiser nutzte die komfortable Führung, um seine Teenager aufs Feld zu schicken - Christopher Roades, Freddie Madigan und Christopher Cort durften Conference-League-Luft schnuppern. Cort allerdings verletzte sich kurz vor Schluss leicht, humpelte aber tapfer vom Platz. "Er wollte unbedingt weiterlaufen, bis ich ihm den Schuh ausgezogen habe", erzählte Kaiser und grinste. Bei Donezk hingegen herrschte Ratlosigkeit. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber irgendwie nie das Gefühl, dass wir das Spiel kontrollieren", gab Mittelfeldroutinier Sigfrid Afzelius ehrlich zu. Trainerstimmen blieben aus - vermutlich, weil der Pressesprecher das Mikro lieber an die Wand als an seinen Coach weitergab. Statistisch war es ein Spiel, das vieles über den modernen Fußball erzählt: Ballbesitz ist schön, aber Tore sind besser. Liverpool spielte abgeklärt, effizient und mit einem Hauch jugendlicher Unbekümmertheit. Selbst die Gelbe Karte für Pedro Meireles in der 16. Minute passte ins Bild - ein kleiner Schönheitsfehler in einem ansonsten glänzenden Auftritt. Am Ende applaudierten selbst einige Donezk-Fans den Gästen. Vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung, dass es nicht schlimmer wurde. Die Reds feiern unterdessen ausgelassen in der Kabine. "Wir haben einfach Spaß am Spiel", sagte Doppeltorschütze Warriner, während er sich ein kaltes Getränk öffnete. "Und wenn du Spaß hast, fliegt der Ball halt rein." Ein Satz, der wohl auch als Motto für diesen Abend taugt: Spaß, Effizienz und ein wenig britischer Humor - die perfekte Mischung für einen 0:3-Auswärtssieg in der Conference League Quali. Und Donezk? Die müssen sich neu sortieren. Vielleicht hilft eine alte Fußballweisheit: Der Ball ist rund, aber manchmal eben auch gnadenlos eckig - vor allem, wenn man ihn ständig am Tor vorbeischießt. 10.06.643990 14:08 |
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Aus der Ferne betrachtet ist es alles nur eine Frage der Distanz.
Klaus Toppmöller