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Wenn ein Innenverteidiger nach 60 Sekunden trifft, weiß man: Entweder brennt hinten der Baum - oder vorne das Stadion. Im Fall der Liverpool Reds galt Letzteres. 41.870 Zuschauer im heimischen Stadion sahen am Sonntagabend eine rot leuchtende Frühschicht, in der Boreham Wood kaum wusste, wie ihnen geschah. Am Ende stand ein standesgemäßes 4:0 für die Reds - und die Erkenntnis, dass Trainer Kurt Kaiser seine Mannschaft zum Jahresauftakt hellwach präsentiert hatte. Schon die erste Minute brachte ein Raunen, das in Jubel explodierte: Henry Badham, sonst eher als Abwehrfels bekannt, nutzte eine Hereingabe von Heikki Tihinen und drosch den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. "Ich wollte eigentlich nur klären, ehrlich!", grinste Badham nach dem Spiel. Boreham Woods Torwart Rhys Boyle konnte nur ungläubig den Kopf schütteln - und hatte da schon eine Ahnung, dass es ein langer Abend werden würde. Denn kaum hatte sich der Gast in der Defensive sortiert, klingelte es schon wieder. Drei Minuten waren gespielt, da zeigte sich der 21-jährige Lucas Ward mit einem trockenen Abschluss nach Vorlage von Alessandro Marcedusa - 2:0. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht im Winterschlaf sind", erklärte Ward später mit einem Lächeln und einem Schweißtropfen, der vermutlich mehr vom Jubel als von Arbeit kam. Boreham Woods Trainer Sven Schliffke stand derweil regungslos an der Seitenlinie, die Hände tief in den Manteltaschen vergraben. Seine Spieler versuchten, mit robustem Zweikampfverhalten dagegenzuhalten - die Statistik spricht Bände: 41 Prozent gewonnene Zweikämpfe, eine Gelbe Karte (Benjamin Donovan, 61.) und exakt zwei Torschüsse. "Wir wollten kompakt stehen", murmelte Schliffke nach dem Abpfiff, "es war nur schwer herauszufinden, wo vorne und hinten ist." Nach 18 Minuten setzte Alessandro Marcedusa selbst einen drauf. Nach einem schnellen Vorstoß über Rechtsverteidiger Janos Zele zog der Italiener humorlos ab - 3:0. Das Publikum stand, die Reds spielten sich in einen Rausch. "Da hat man gemerkt, dass sie Spaß am Fußball haben", kommentierte ein Fan mit Bier in der Hand und Gänsehaut auf dem Arm. Zur Pause war das Spiel längst entschieden. Kaiser nutzte den komfortablen Vorsprung, um durchzuwechseln: Björn Lindemann kam für den jungen Luke Greenwald. "Luke hatte heute den Auftrag, zu laufen, bis ihm schwindlig wird - das hat er bravourös gemacht", sagte Kaiser trocken. Doch auch in Halbzeit zwei blieb Liverpool torhungrig. Direkt nach Wiederanpfiff markierte Ryan Winston das 4:0 (47.), nach schöner Vorarbeit von - wer sonst - Lucas Ward. Winston, eigentlich ein Arbeitstier auf der rechten Seite, feierte das Tor so ausgelassen, dass Mitspieler Ward ihn lachend bremste: "Ruhig, Ryan, wir haben noch 43 Minuten!" Boreham Wood versuchte es derweil mit kosmetischen Eingriffen: Harrington kam für Haupt, später Lineback für den gelbverwarnten Donovan. Doch am Spiel änderte das wenig. Liverpool dominierte, auch wenn der Ballbesitz mit 49 zu 51 Prozent kurioserweise leicht zugunsten der Gäste ausfiel - ein Beweis dafür, dass Statistiken nicht alles sind. Denn während Boreham Wood den Ball im Mittelfeld kreisen ließ, schossen die Reds aufs Tor, als gäbe es Prämien für jeden Versuch: 17 Schüsse zählte die Statistik. "Irgendwann hat’s geknallt", fasste Coach Kaiser lakonisch zusammen. In der Schlussphase durfte Nachwuchsmann Aki Hjelm (19) Henry Badham ersetzen, und die Brüder Michael und Robert Warriner sorgten auf den Flügeln für Tempo - und für das Gefühl, dass in Liverpool eine ganze Fußballfamilie unter Vertrag steht. "Wenn die beiden sich einspielen, brauchen wir bald Familienrabatt bei den Trikots", scherzte Kaiser. Nach dem Abpfiff applaudierte das Publikum minutenlang, während Boreham Woods Spieler wortlos in die Kabine schlichen. "Wir haben Lehrgeld bezahlt", gab Sven Schliffke offen zu. "Aber lieber einmal 0:4 als viermal 0:1." Liverpool klettert damit im neuen Jahr in der Tabelle weiter nach oben und zeigt, dass die Mischung aus jugendlichem Elan und kaltschnäuziger Routine funktioniert. Badham, der Torschütze der ersten Minute, brachte es auf den Punkt: "Manchmal steht man einfach richtig. Und heute stand ich ganz besonders richtig." Ein perfekter Start in 2026, ein souveräner Auftritt - und ein Spiel, das wohl kaum jemand vergessen wird, der rechtzeitig im Stadion war. Wer ein paar Minuten zu spät kam, hat die halbe Show verpasst. Und Boreham Wood? Die werden sich wünschen, der Schlusspfiff wäre schon nach fünf Minuten ertönt. 22.02.643987 19:40 |
Sprücheklopfer
Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
Felix Magath