// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Die Anfield Road bebte am Freitagabend, als die Liverpool Reds im Spitzenspiel des 27. Spieltags der 1. Liga England die Manchester Blues mit 4:2 (3:1) besiegten. 53.961 Zuschauer erlebten eine Partie, die alles hatte: Tempo, Tore, Taktik - und ein paar gelbe Karten für die Statistik. Trainer Kurt Kaiser grinste später: "Wenn wir schon keine Ruhe ins Spiel bringen können, dann wenigstens Stimmung." Von Anfang an war klar, dass Liverpool das Heft des Handelns nicht aus der Hand geben wollte. Offensiv, mutig, mit einem Hauch Wahnsinn - so trat Kaisers Team auf. Schon in der 27. Minute fiel das erste Mal der Vorhang: Matthias Van Hoost, der rechte Wirbelwind, traf nach Vorlage von Robert Warriner zum 1:0. Der Jubel? Eine Mischung aus Erleichterung und Trotz. Van Hoost lachte später: "Robert hat den Ball einfach so scharf reingegeben, ich musste nur noch den Fuß hinhalten - und beten, dass ich ihn treffe." Doch die Blues, unter der Leitung von Daniel Kontsch, ließen sich nicht lange bitten. Riley Bosworth, Manchesters laufstarker Mittelfeldmotor, verwandelte in der 36. Minute einen Pass von Verteidiger Lucas Carey zum 1:1. Carey wurde danach gefragt, ob er bewusst so weit aufgerückt war. "Nein", grinste er, "ich habe mich einfach verlaufen - zum Glück mit Happy End." Das Happy End hielt ganze vier Minuten. Dann übernahm Giulio Lorusso, der 33-jährige Sturmtank der Reds, die Bühne. In der 40. Minute köpfte er nach Flanke von Thomas Lester das 2:1. Drei Minuten später legte er nach - diesmal bediente ihn Van Hoost, und Lorusso schob eiskalt zum 3:1 ein. "Ich hab’ ihn kaum gesehen, nur gerochen", witzelte Lorusso über Van Hoosts Vorlage. "Wenn er so weitermacht, bekommt er bald einen eigenen Duft nach Torvorlagen." Die erste Halbzeit war ein rot getränktes Feuerwerk aus Tempo und Wille. Manchester hielt zwar mit, hatte in der Statistik fast gleich viele Torschüsse (12 zu 13) und nahezu identischen Ballbesitz (49,3 Prozent), aber Liverpool war schlicht effizienter - und frecher. Nach der Pause versuchte Kontschs Team, das Ruder herumzureißen. Und tatsächlich: In der 49. Minute knallte der junge Yannik Gancarczyk, 21 Jahre alt, den Ball nach erneuter Carey-Vorlage zum 3:2 ins Netz. Der Gästeblock tobte, und selbst Kaiser nickte anerkennend. "Das war ein schönes Tor", gab der sonst so stoische Coach zu. "Leider das falsche." Danach wurde das Spiel ruppiger. Thomas Lester, bereits in der 14. Minute verwarnt, durfte zur Halbzeit unter die Dusche - freiwillig, versteht sich. Bo Kristensen kam für ihn und brachte frischen Wind, oder wie Kaiser es formulierte: "Bo hat das gemacht, was man nach einer Tasse dänischem Kaffee macht - er ist einfach gelaufen." In der 64. Minute kam es zum Schreckmoment: Manchesters Bradley Thuringer verletzte sich am rechten Knöchel und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam der 19-jährige Sean Lester, der prompt in seinem ersten Ballkontakt zeigte, dass Mut keine Altersfrage ist - der Schuss ging zwar drei Meter daneben, aber immerhin mit Stil. Liverpool blieb offensiv, tauschte in der 70. Minute den Doppeltorschützen Lorusso gegen Lucas Ward. Der junge Angreifer hätte in der 91. Minute fast noch getroffen, scheiterte aber an Torhüter Knud Gruber, der trotz vier Gegentoren einer der Besten bei den Blues war. Das letzte Wort hatte dann aber doch die Heimmannschaft - und wie! In der 90. Minute nutzte Rechtsverteidiger Janos Zele eine Vorlage von Heikki Tihinen und drosch den Ball humorlos flach ins linke Eck. 4:2. Ende, Aus, Applaus. Zele klatschte sich die Hände wund und sagte hinterher: "Wenn ich schon mal vorne bin, will ich auch was davon haben." Drei Gelbe Karten für Liverpool (Lester, Bodola, Hjelm) rundeten das Bild ab - fair, aber engagiert. Manchester kämpfte bis zuletzt, hatte in der Nachspielzeit noch Chancen durch Jamie Anderson (92.) und Bosworth (93.), doch Torwart Carl Rodrigo hielt seinen Kasten sauber - zumindest in der Schlussphase. "Wir haben heute nicht verloren, weil wir schlecht waren", meinte Kontsch nach Abpfiff, "sondern weil Liverpool einfach frecher war." Trainer Kaiser nickte nur und fügte trocken hinzu: "Frech gewinnt." Am Ende blieb ein Abend, der die Fans an der Anfield Road mit einem breiten Grinsen nach Hause schickte - und die Blues mit einem leisen Kopfschütteln. Ein Spiel auf Augenhöhe, entschieden durch Kaltschnäuzigkeit, Routine und ein bisschen rot gefärbten Wahnsinn. Oder, wie Giulio Lorusso es am Kabinenausgang ausdrückte: "Manchmal ist Fußball einfach wie Pizza - heiß, ungesund und genau richtig, wenn’s läuft." 18.07.643993 19:37 |
Sprücheklopfer
Man wusste bei mir immer, wo ich dran war.
Günter Netzer über seine rhetorischen Fähigkeiten